FIFA-Council: Neuendorf fordert weiter Infantinos RĂŒcktritt
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 15:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFIFA-Wahl rĂŒckt nĂ€her
- Bernd Neuendorf kritisierte nach dem Treffen in ZĂŒrich die aus seiner Sicht unbefriedigenden Antworten von Gianni Infantino.
- Die EuropĂ€er mĂŒssen bis zum 18. November einen möglichen Gegenkandidaten fĂŒr die Wahl im MĂ€rz 2027 aufstellen.
- Eine Arbeitsgruppe unter Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa soll die Governance-Struktur der FIFA neu ordnen.
FIFA-Council findet keinen Ausweg im Machtkonflikt
Europas FuĂball-FunktionĂ€re um DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf halten trotz einer Entschuldigung von FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino an ihrer RĂŒcktrittsforderung fest. Nach der mehr als dreieinhalbstĂŒndigen Sitzung des FIFA-Councils in ZĂŒrich sehen sie ihre kritischen Fragen zum Kurs des Weltverbandes nicht ausreichend beantwortet.
Keine Frist fĂŒr Antworten
Die Sitzung war das erste Zusammentreffen Infantinos mit seinen Kontrahenten nach dessen im Sommer massiv umstrittenem Plan fĂŒr einen WM-Investorenplan. FIFA-VizeprĂ€sidentin Debbie Hewitt sagte, Infantino habe zugehört und eine Antwort auf alle Themen zugesagt.
Einen Zeitrahmen nannte der FIFA-PrĂ€sident jedoch nicht. Neuendorf bezeichnete die Ergebnisse als âdĂŒnnâ und sagte, befriedigende Antworten habe es aus seiner Sicht nicht gegeben.
EuropÀer suchen Gegenkandidaten
Bis zum 18. November mĂŒssen die europĂ€ischen VerbĂ€nde einen möglichen Gegenkandidaten fĂŒr die FIFA-PrĂ€sidentenwahl im MĂ€rz 2027 aufstellen. Dieser soll Infantino herausfordern.
Neuendorf begrĂŒndete die Forderung nach einem personellen Neubeginn mit dem verlorenen Vertrauen. Die EuropĂ€er wollen nach seinen Worten neue Leute und neue Ideen entwickeln und die FIFA wieder auf eine seriöse Grundlage stellen.
Arbeitsgruppe soll AlleingÀnge verhindern
Beschlossen wurde eine Arbeitsgruppe unter Leitung des FIFA-VizeprÀsidenten Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa. Sie soll die Governance-Struktur des Weltverbandes neu ordnen.
Damit sollen kĂŒnftige AlleingĂ€nge bei wichtigen Projekten verhindert werden. Als Beispiel gilt Infantinos Vorgehen bei den WM-InvestorenplĂ€nen.
Friedenspreis und höhere ZuschĂŒsse
Bis zur nĂ€chsten Council-Sitzung am 16. Dezember in Doha soll auĂerdem ĂŒber die Zukunft des FIFA-Friedenspreises entschieden werden. Infantino hatte die Auszeichnung im Vorjahr an US-PrĂ€sident Donald Trump verliehen.
Auf den Weg gebracht wurde zudem eine Erhöhung der jĂ€hrlichen ZuschĂŒsse an alle 211 nationalen VerbĂ€nde von rund 10 auf etwa 25 Millionen Dollar. Den Vorschlag hatte Infantino kurz vor der Sitzung eingebracht.
Die Council-Mitglieder verwarfen laut Hewitt dagegen eine Neuregelung bei der Bestrafung von Roten Karten. Nach dem WM-Wirbel um die Aufhebung der Sperre fĂŒr den US-Spieler Folarin Balogun sollte es kĂŒnftig keine Einspruchsmöglichkeit gegen die Mindeststrafe von einem Spiel geben.
Die Sitzung in ZĂŒrich zeigt einen offenen Machtkonflikt an der Spitze des WeltfuĂballs. Europas VerbĂ€nde verlangen nicht nur Antworten auf Infantinos WM-Investorenplan, sondern wollen Entscheidungsstrukturen verĂ€ndern, damit der PrĂ€sident wichtige Projekte kĂŒnftig nicht allein anstoĂen kann.
Besonders relevant ist der Zeitplan: Bis zum 18. November mĂŒssen die europĂ€ischen VerbĂ€nde einen Gegenkandidaten fĂŒr die FIFA-PrĂ€sidentenwahl im MĂ€rz 2027 benennen. Damit wird aus der Kritik ein organisatorischer und wahlpolitischer Prozess. Ob ein gemeinsamer Kandidat zustande kommt, dĂŒrfte maĂgeblich davon abhĂ€ngen, ob sich die europĂ€ischen VerbĂ€nde auf eine Person und ein gemeinsames Reformprogramm verstĂ€ndigen.
Mehr Geld, mehr Streit
Parallel zur Governance-Debatte steht eine deutliche Ausweitung der FIFA-Zahlungen an die 211 MitgliedsverbĂ€nde im Raum. Der Vorschlag von rund 25 Millionen Dollar jĂ€hrlich stĂ€rkt zwar die finanzielle Bedeutung des Weltverbandes fĂŒr nationale VerbĂ€nde, erhöht aber zugleich die politische Wirkung solcher Entscheidungen. Die angekĂŒndigte Arbeitsgruppe unter Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa soll deshalb Regeln gegen AlleingĂ€nge entwickeln.
FĂŒr die nĂ€chsten Wochen zeichnen sich mehrere PrĂŒfsteine ab: die Benennung eines Gegenkandidaten, die Arbeit an der neuen Governance-Struktur und die Entscheidung ĂŒber den FIFA-Friedenspreis bis zur Council-Sitzung am 16. Dezember in Doha. Der Konflikt betrifft damit nicht nur Personalfragen, sondern die Kontrolle ĂŒber Geld, GroĂprojekte und das öffentliche Ansehen der FIFA.
