Deutschland, Hamburg

Dobrindt verbietet islamistischen Verein Muslim Interaktiv

05.11.2025 - 07:58:13 | dpa.de

Forderungen nach einem Kalifat, Israel-Feindlichkeit, Verachtung fĂŒr Frauen und Minderheiten - warum das Bundesinnenministerium einen islamistischen Verein verbietet.

  • In mehreren BundeslĂ€ndern gab es Durchsuchungen. (Symbolbild) - Foto: Annette Riedl/dpa
    In mehreren BundeslÀndern gab es Durchsuchungen. (Symbolbild) - Foto: Annette Riedl/dpa
  • In drei BundeslĂ€ndern gab es Razzien.  - Foto: Marcus Brandt/dpa
    In drei BundeslÀndern gab es Razzien. - Foto: Marcus Brandt/dpa
  • Die Beamten sicherten am frĂŒhen Morgen Material. - Foto: Manuel Genolet/dpa
    Die Beamten sicherten am frĂŒhen Morgen Material. - Foto: Manuel Genolet/dpa
In mehreren BundeslĂ€ndern gab es Durchsuchungen. (Symbolbild) - Foto: Annette Riedl/dpa In drei BundeslĂ€ndern gab es Razzien.  - Foto: Marcus Brandt/dpa Die Beamten sicherten am frĂŒhen Morgen Material. - Foto: Manuel Genolet/dpa

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat den islamistischen Verein Muslim Interaktiv verboten. Zudem laufen gegen die Vereine Generation Islam und RealitĂ€t Islam vereinsrechtliche Ermittlungen, wie das Ministerium mitteilte. Im Zusammenhang mit dem Verbot und den Ermittlungen untersuchten PolizeikrĂ€fte am frĂŒhen Morgen Objekte in Hamburg, Berlin und Hessen.

In Hamburg gab es demnach Durchsuchungen in sieben Objekten. Nach dpa-Informationen liegen sie in den Stadtteilen Neuallermöhe und MĂŒmmelmannsberg. Zahlreiche PolizeikrĂ€fte waren im Einsatz. In Hessen sind nach Angaben einer Sprecherin des hessischen Innenministeriums vier Objekte betroffen. In Berlin liegt einer der Einsatzorte nach dpa-Informationen im Bezirk Neukölln.

«Verfassungsfeindliche Grundhaltung»

«Wer auf unseren Straßen aggressiv das Kalifat fordert, in unertrĂ€glicher Weise gegen den Staat Israel und Juden hetzt und die Rechte von Frauen und Minderheiten verachtet, dem begegnen wir mit aller rechtsstaatlichen HĂ€rte», erklĂ€rte Dobrindt. «Wir lassen nicht zu, dass Organisationen wie "Muslim Interaktiv" mit ihrem Hass unsere freie Gesellschaft zersetzen, unsere Demokratie verachten und unser Land von innen heraus angreifen.»

Hamburgs Innensenator Andy Grote bezeichnete das Verbot als Schlag gegen «den modernen Tiktok-Islamismus». «Mit dem heute vollstreckten Verbot von Muslim Interaktiv haben unsere Sicherheitsbehörden eine gefĂ€hrliche und sehr aktive islamistische Gruppierung ausgeschaltet», sagte der SPD-Politiker. BĂŒrgermeister Peter Tschentscher (SPD) erklĂ€rte, die in Hamburg gesammelten Erkenntnisse hĂ€tten maßgeblich dazu beigetragen, «ein bundesweites Verbot zu ermöglichen».

Islam als alleiniges gesellschaftliches Ordnungsmodell

Muslim Interaktiv lehne das Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip ab und weise damit eine verfassungsfeindliche Grundhaltung auf, schrieb das Bundesinnenministerium in einer Mitteilung. Der Verein verstoße gegen den Gedanken der VölkerverstĂ€ndigung, indem er das Existenzrecht Israels bestreite. Er werde aufgelöst und sein Vermögen beschlagnahmt.

Der Islam solle aus Sicht von Muslim Interaktiv als alleiniges gesellschaftliches Ordnungsmodell dienen und islamisches Leben staatlichen Entscheidungen vollstĂ€ndig entzogen sein. Zum Beleg fĂŒhrte das Ministerium Zitate des Vereins auf wie «all unsere Ideen und Wertevorstellungen entspringen unserer islamischen Weltanschauung und sind unverhandelbar». Die demokratische Gesellschaft entspreche demnach einer «Wertediktatur».

Propaganda in sozialen Medien und Aktionen in der realen Welt

DarĂŒber hinaus missachte Muslim Interaktiv die Menschenrechte, so das Bundesinnenministerium. Die Gruppe richte sich insbesondere gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter sowie gegen die Freiheit hinsichtlich sexueller Orientierung und geschlechtlicher IdentitĂ€t. Man setze auf die massive Nutzung sozialer Medien und «Performances» in der realen Welt.

«Hierdurch soll eine möglichst große Gruppe von Menschen indoktriniert und so bestĂ€ndig Verfassungsfeinde geschaffen werden, um die verfassungsmĂ€ĂŸige Ordnung fortlaufend zu untergraben.»

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrĂŒĂŸte das Verbot. «Das Abschalten der Social Media Accounts und die Beschlagnahme des Vereinsvermögens wird nachhaltig Wirkung in Deutschland zeigen, denn vor allem Jugendliche waren im Blick dieser Islamisten», betonte der Bundesvorsitzende Jochen Kopelke.

Weitere Ermittlungen

Das Ermittlungsverfahren gegen und die Durchsuchungen bei Generation Islam und RealitĂ€t Islam seien geboten, da die Organisationen dringend verdĂ€chtig seien, die gleichen VerbotsgrĂŒnde zu verwirklichen wie Muslim Interaktiv oder dessen Teilorganisationen zu sein, so das Innenministerium. In dem Ermittlungsverfahren sollten Erkenntnisse ĂŒber «sĂ€mtliche inhaltliche, organisatorische, personelle und finanzielle Aspekte dieser Vereinigungen» erlangt werden.

Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz sieht bei den drei Vereinigungen, die sich mit ihren Aktionen und Social-Media-AktivitĂ€ten vorwiegend an junge deutschsprachige Muslime richten, eine ideologische NĂ€he zur Islamisten-Gruppierung «Hizb ut-Tahrir», fĂŒr die in Deutschland seit 2003 ein BetĂ€tigungsverbot gilt.

Zielgruppe junge Muslime

Die Protagonisten der drei Vereinigungen rufen zu einer an einem archaischen Islam orientierten Lebensweise und zur Abkehr von der Mehrheitsgesellschaft auf. Sie warnen vor einer angeblich staatlich forcierten Anpassung und stellen Muslime generell als unterdrĂŒckte Minderheit dar. Das verfĂ€ngt vor allem bei jungen Muslimen, die im Alltag aufgrund ihrer Religion Ausgrenzung erfahren haben.

Insbesondere die Gruppe Muslim Interaktiv sei «mit ihrer an der Popkultur orientierten Aufmachung und ihrem professionellen Auftritt in den sozialen Medien vor allem fĂŒr Jugendliche attraktiv», heißt es im Verfassungsschutzbericht 2024. Im vergangenen Jahr sei es ihr zudem gelungen, bei mehreren Demonstrationen, die sich auf den Nahost-Konflikt bezogen, teilweise mehr als 1.000 Teilnehmer zu mobilisieren.

Die drei Gruppierungen werden nicht dem dschihadistischen Spektrum zugeordnet. Das heißt, dass die Islamisten zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele – anders als Gruppierungen wie Al-Kaida oder der sogenannte Islamische Staat (IS) – nicht auf Gewalt und Terrorismus setzen.

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