Vogelzug verschĂ€rft Virusgefahr â 400.000 Nutztiere getötet
27.10.2025 - 06:07:22 | dpa.deDas Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) rechnet mit einer weiter steigenden Zahl von Zugvögeln, die an der GeflĂŒgelpest verenden und zu ĂbertrĂ€gern der Tierseuche werden können. «Der Vogelzug ist im vollen Gange und der Virusdruck durch infizierte Wildvögel und deren Ausscheidungen sehr hoch», sagte Instituts-PrĂ€sidentin Christa KĂŒhn. «Wir sehen nach wie vor ein sehr dynamisches Geschehen.»
Daher sei es wichtig, Rastgebiete aktuell zu meiden, die Tiere nicht aufzuscheuchen und tote Vögel nicht zu berĂŒhren. Denn auch ĂŒber verunreinigtes Schuhwerk oder GerĂ€tschaften könne das Virus weiterverbreitet und schlimmstenfalls in NutztierbestĂ€nde getragen werden, sagte KĂŒhn. Auch Aasfresser wie KrĂ€hen oder auch Raubvögel können nach Kontakt mit den Kadavern die Krankheit weitertragen.Â
Schon viele tote Wildvögel und NutztiereÂ
Nach EinschĂ€tzung KĂŒhns hat die Infektionswelle in diesem Jahr frĂŒher eingesetzt als ĂŒblich. UnzĂ€hlige Zugvögel sind an dem hochansteckenden GeflĂŒgelpest-Virus vom Typ H5N1 schon zugrunde gegangen. Stark betroffen sind in diesem Herbst Kraniche, die insbesondere in Nordbrandenburg von EinsatzkrĂ€ften zu Tausenden von den Feldern gesammelt werden.
Die auch Vogelgrippe genannte Krankheit breitet sich seit Wochen ĂŒber ganz Deutschland aus und trifft zunehmend auch GeflĂŒgelbetriebe mit voller Wucht. Nach Angaben des in Greifswald ansĂ€ssigen Loeffler-Instituts haben bislang etwa 30 kommerzielle GeflĂŒgelhalter ihre Tiere töten mĂŒssen.Â
Um die weitere Ausbreitung der Tierseuche möglichst einzudĂ€mmen, seien jĂŒngsten Erhebungen zufolge schon etwa 400.000 HĂŒhner, Enten, GĂ€nse und Puten gekeult und anschlieĂend entsorgt worden. Der Schaden fĂŒr betroffene Betriebe geht insgesamt in die Millionen.Â
GröĂte Verluste in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
Die gröĂten Verluste gab es bislang in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. So mussten in zwei Betrieben in Vorpommern insgesamt fast 150.000 Legehennen getötet werden. Der Landkreis MĂ€rkisch-Oderland in Brandenburg gab bekannt, dass dort infolge der Vogelgrippe weitere 130.000 Tiere gekeult werden.Â
In Niedersachsen, Bayern, ThĂŒringen, Nordrhein-Westfalen und Baden-WĂŒrttemberg kam es ebenfalls zur vorsorglichen Tötung Tausender Nutztiere. Vorausgegangen waren Analysen im Friedrich-Loeffler-Institut, die Infektionen mit dem hochansteckenden GeflĂŒgelpest-Virus vom Typ H5N1 bestĂ€tigten. Die Mitarbeiter im Referenzlabor arbeiteten derzeit am Anschlag, hieĂ es.
Steigen die Preise?
Aufgrund der EinschrĂ€nkungen gibt es die BefĂŒrchtung, dass fĂŒr Verbraucher die Preise im Handel steigen. Der Landrat im Brandenburger Kreis Ostprignitz-Ruppin, Ralf Reinhardt (SPD), sagte im RBB-Inforadio: «Das wird schon einen Einschlag mit sich bringen und im schlimmsten Fall wahrscheinlich auch zu Preiserhöhungen fĂŒhren.»Â
Vor dem Martinstag am 11. November beginnt traditionell die Schlachtsaison fĂŒr GĂ€nse. Das Gros wird jedoch aus dem Ausland â etwa aus Ungarn und Polen â importiert.Â
Dem Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung liegen bisher keine Daten vor, die belegen, dass sich Menschen ĂŒber Lebensmittel mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert hĂ€tten und erkrankt wĂ€ren. Da das Virus empfindlich gegenĂŒber hohen Temperaturen sei, seien bei gut durcherhitzten Lebensmitteln keine gesundheitlichen BeeintrĂ€chtigungen zu erwarten.
Bundesweites Aufstallungsgebot gefordert
Der Höhepunkt des Vogelzugs steht noch bevor. Damit sei fĂŒr Tierhalter die Gefahr, dass die Vogelgrippe in ihre BestĂ€nde eingeschleppt wird, weiterhin groĂ, betonte Instituts-PrĂ€sidentin KĂŒhn. Die Betriebe wurden von zustĂ€ndigen Ămtern und Politikern ermahnt, die HygienemaĂnahmen genauestens einzuhalten. In betroffenen Regionen wurden Schutzzonen eingerichtet, in denen zusĂ€tzliche BeschrĂ€nkungen gelten.
Mit der schnellen Ausbreitung der Vogelgrippe und der wachsenden Sorge vor wirtschaftlichen SchĂ€den werden bereits auch Forderungen nach einem bundesweiten Aufstallungsgebot lauter. GeflĂŒgel aus Freilandhaltung mĂŒsste auf eine solche Anordnung hin in geschlossenen StĂ€llen gehalten werden.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
