Galeria beantragt erneut Insolvenz – 12.000 Beschäftigte betroffen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 11:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.
Filialen sollen vorerst geöffnet bleiben
Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen. Galeria erklärte, der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Lage zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.
Zu den Hintergründen machte der Warenhausbetreiber zunächst keine weiteren Angaben. Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen.
12.000 Beschäftigte betroffen
Die rund 12.000 Beschäftigten wurden am Freitagvormittag informiert und müssen um ihre Arbeitsplätze bangen. Unklar ist auch, ob sie Insolvenzgeld erhalten können.
Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach dem bislang letzten Insolvenzverfahren noch nicht aufgehoben. Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit kann während einer solchen Planüberwachung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden. Die konkrete Situation müsse jedoch jeweils individuell geprüft werden.
Vierter Insolvenzantrag seit 2020
Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Infolge der früheren Verfahren wurden zahlreiche Filialen geschlossen; die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen, der Unternehmenssitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.
Liquiditätsprobleme und neue Finanzierung
Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und bat Vermieter um Stundungen.
Im Juni erhielt Galeria eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro durch die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Die Kreditlinie ist durch Waren des Unternehmens abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli stellte Galeria 33 Warenhäuser auf den Prüfstand und kündigte Verhandlungen über Mietkonditionen an.
Warenhausbranche unter Druck
Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sank der Nettoumsatz von Galeria Karstadt Kaufhof von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Der Marktanteil der Warenhäuser einschließlich weiterer Anbieter ging demnach seit 2020 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent zurück.
Auch insgesamt steht der Einzelhandel wegen schwacher Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an.
Wiederholte Sanierungsversuche
Der erneute Insolvenzantrag kommt nach mehreren Eigentümer- und Sanierungswechseln. Galeria durchlief seit 2020 bereits Verfahren in den Jahren 2020, 2022 und 2024; dabei schrumpfte das Filialnetz von 174 Häusern im Jahr 2019 auf 83 Standorte. Für Beschäftigte und Kommunen bedeutet das Verfahren deshalb nicht nur eine Prüfung der aktuellen Zahlungsfähigkeit, sondern auch eine erneute Entscheidung über die Tragfähigkeit einzelner Warenhäuser.
Struktureller Druck im Handel
Die wirtschaftlichen Probleme treffen Galeria in einem Markt, in dem stationäre Warenhäuser an Bedeutung verlieren. Sinkende Marktanteile, der wachsende Onlinehandel und eine schwache Konsumstimmung erschweren es, große innerstädtische Verkaufsflächen profitabel zu betreiben. Die im Frühjahr bekannt gewordenen Mietrückstände und die später vereinbarte Kreditlinie zeigen, dass neben dem Umsatz auch die laufende Liquidität unter Druck stand.
Folgen für Beschäftigte und Innenstädte
Kurzfristig bleibt der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen bestehen. Mittelfristig dürfte entscheidend sein, ob Galeria mit Vermietern tragfähige Konditionen erreicht und die angekündigten Sanierungsmaßnahmen umsetzen kann. Für die rund 12.000 Beschäftigten ist die Frage des Insolvenzgeldes besonders wichtig; zugleich hängen in vielen Städten die Nutzung großer Innenstadtflächen und die Attraktivität zentraler Einkaufsbereiche an der Zukunft der jeweiligen Filiale.
