Galeria stellt erneut Insolvenzantrag – Betrieb in 83 Filialen läuft weiter
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 21:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt; der Betrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen.
Vierter Insolvenzantrag seit 2020
Nach 2020, 2022 und 2024 ist es der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Galeria erklärte, der Antrag solle den rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.
Zu den Hintergründen machte der Warenhausbetreiber zunächst keine weiteren Angaben. Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen. Die rund 12.000 Beschäftigten wurden am Freitagvormittag informiert und müssen um ihre Arbeitsplätze bangen.
Insolvenzgeld bleibt offen
Unklar ist auch, ob die Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach der vorangegangenen Insolvenz bislang nicht aufgehoben. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hängt die Frage von der konkreten Situation ab; eine erneute Zahlung könne während einer laufenden Planüberwachung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen sein.
Das Amtsgericht Düsseldorf bestätigte den Eingang des Antrags. Frank Kebekus wurde vorläufig als Insolvenzverwalter benannt. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt hatte Galeria bereits als Sachwalter durch die Verfahren von 2020 und 2022 begleitet.
Betriebsrat fordert Aufklärung
Der Gesamtbetriebsrat forderte das Management in einem Flugblatt zur Aufklärung auf und kündigte an, mit allen verfügbaren Mitteln für den Fortbestand des Unternehmens und den Erhalt der Arbeitsplätze zu kämpfen. Die Gewerkschaft Verdi verlangte ebenfalls schnelle Informationen über die Zukunft der Beschäftigten.
Neue Eigentümer seit 2024
In den zurückliegenden Insolvenzverfahren wurden zahlreiche Filialen geschlossen; Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen. Im Sommer 2024 übernahmen die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz Galeria. Die Namen Karstadt und Kaufhof verschwanden aus dem Firmennamen, der Unternehmenssitz wechselte von Essen nach Düsseldorf.
Mieten und Kreditfinanzierung
Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Galeria verwies auf Liquiditätsschwankungen und bat um Stundungen. Im Juni erhielt die Kette eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro von Gordon Brothers, die unter anderem zur Ablösung eines Kredits und zur Begleichung offener Mieten dienen sollte.
Im Juli stellte Galeria 33 Warenhäuser auf den Prüfstand und kündigte Verhandlungen über Mietkonditionen an. Eine Fortführung sei ohne tragfähige Lösungen gefährdet; alle Häuser müssten nachhaltig profitabel sein.
Warenhausgeschäft unter Druck
Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sank Galerias Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf rund 2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern ging demnach seit 2020 von 4,2 auf 1,2 Prozent zurück.
Auch der übrige Einzelhandel steht unter Druck. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten nach Angaben von Allianz Trade gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Der Handelsverband Deutschland erwartet, dass die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr unter 300.000 sinkt; Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.
Vierter Antrag in kurzer Zeit
Der erneute Insolvenzantrag fällt in eine Phase, in der Galeria bereits vor erheblichen strukturellen Problemen stand. Seit 2020 wurden zahlreiche Warenhäuser geschlossen; von ehemals 174 Filialen im Jahr 2019 sind 83 übrig geblieben. Zugleich sank der von EHI ausgewiesene Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro auf rund 2 Milliarden Euro.
Im Juli hatte Galeria angekündigt, 33 Standorte auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit zu prüfen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Zuvor waren im April ausbleibende Mietzahlungen bekannt geworden. Eine im Juni zugesagte Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro sollte unter anderem laufende Finanzierungen ablösen und offene Mieten begleichen; sie war an einen mehrjährigen Sanierungsplan gebunden.
Folgen für Innenstädte und Beschäftigte
Für die rund 12.000 Beschäftigten geht es zunächst um die Fortführung des Betriebs und die Sicherung der Gehaltszahlungen. Ob Insolvenzgeld gezahlt werden kann, hängt nach den bisherigen Angaben von der konkreten rechtlichen und wirtschaftlichen Situation des Unternehmens ab.
Die Krise reicht über Galeria hinaus. Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern ist seit 2020 deutlich zurückgegangen, während Onlinehandel, spezialisierte Anbieter und veränderte Einkaufsgewohnheiten den traditionellen Vollsortimenter unter Druck setzen. Schließungen würden deshalb nicht nur Arbeitsplätze betreffen, sondern in vielen Städten auch zentrale Innenstadtlagen und die Nutzung großer Immobilien verändern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Kaufhauskette Galeria taumelt in die vierte Insolvenz“ (02.10.2026)
Der Bericht bestätige den erneuten Insolvenzantrag, den zunächst fortgesetzten Geschäftsbetrieb und die Unsicherheit für rund 12.000 Beschäftigte. Einen Schwerpunkt setze er auf die Kritik der Gewerkschaft an Managementfehlern sowie auf den gesunkenen Marktanteil klassischer Warenhäuser.
MDR: „Noch vier Filialen in Mitteldeutschland: Warenhauskette Galeria stellt erneut Insolvenzantrag“ (02.10.2026)
Der Bericht bestätige ebenfalls den Antrag und stelle die vier verbliebenen mitteldeutschen Filialen in Dresden, Leipzig, Magdeburg und Erfurt heraus. Zudem berichte er, Miteigentümer Bernd Beetz bedauere, dass die Umstrukturierung bislang nicht erfolgreich gewesen sei, während Verdi nachhaltige Investitionen und Managemententscheidungen kritisiere.
Beide Berichte stimmten beim Insolvenzantrag, der vorläufigen Fortführung des Betriebs und der offenen Zukunft der Beschäftigten überein. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der regionalen Perspektive und der Gewichtung von Eigentümer- beziehungsweise Gewerkschaftskritik; offen bleibe weiterhin, welche Standorte erhalten werden könnten.
