LEAG, Gaskraftwerke

Gaskraftwerke: Woidke warnt vor höheren Strompreisen

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Brandenburgs MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke begrĂŒĂŸt die sechs ZuschlĂ€ge fĂŒr die LEAG, warnt aber zugleich vor steigenden Kosten fĂŒr Verbraucher und Unternehmen. Der befristete Industriestrompreis löst aus seiner Sicht das Wettbewerbsproblem des Standorts Deutschland nicht.

LEAG stÀrkt Standorte in der Lausitz

  • Von elf ZuschlĂ€gen der ersten Ausschreibungsrunde entfielen sechs auf den Lausitzer Energiekonzern LEAG.
  • Woidke nannte JĂ€nschwalde sowie die Wirtschaftsstandorte in der Lausitz und Boxberg als Profiteure der Entscheidung.
  • Der Industriestrompreis gilt nach Woidkes Aussage nur drei Jahre und reicht deshalb nicht als Grundlage fĂŒr langfristige Investitionen.
Dietmar Woidke (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Woidke begrĂŒĂŸt LEAG-ZuschlĂ€ge und warnt vor Strompreisen

Brandenburgs MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (SPD) begrĂŒĂŸt die sechs ZuschlĂ€ge fĂŒr den Lausitzer Energiekonzern LEAG in der ersten Ausschreibungsrunde der Kraftwerksstrategie. Zugleich warnt er vor steigenden Stromkosten durch den Bau neuer Gaskraftwerke und fordert bessere Bedingungen fĂŒr den Industriestandort Deutschland.

JĂ€nschwalde und Lausitz im Mittelpunkt

Woidke Ă€ußerte sich am Dienstag beim „Competitive Germany Summit“ des Magazins Politico in Berlin. Von insgesamt elf ZuschlĂ€gen erhielt die LEAG sechs; Woidke bezeichnete das insbesondere mit Blick auf den Industriestandort JĂ€nschwalde als gute Nachricht.

Auch fĂŒr die Lausitz und den Standort Boxberg in Sachsen sei die Entscheidung positiv. Boxberg gehört nicht zu Brandenburg, ist fĂŒr Woidke aber Teil der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung.

Kritik an den Kosten der Kraftwerksstrategie

Bei der Bewertung der neuen Gaskraftwerke verwies Woidke auf die Belastung des Strompreises. Der Bau werde die Kosten erhöhen; zudem wĂŒrden die Kraftwerke durch den Steuerzahler bezahlt.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden in der ersten Runde elf ZuschlĂ€ge fĂŒr rund 5.160 Megawatt vergeben. Die Anlagen sollen ab November 2031 zur VerfĂŒgung stehen, wenn andere Energiequellen nicht ausreichend Strom liefern.

Industriestrompreis nur fĂŒr drei Jahre

Woidke bezweifelt, dass Deutschland derzeit beim Strompreis wettbewerbsfĂ€hig ist. Der Industriestrompreis senke den deutschen Strompreis kĂŒnstlich durch Subventionen, gelte aber nur drei Jahre.

FĂŒr Investitionen energieintensiver Unternehmen sei diese zeitliche Begrenzung nach seiner EinschĂ€tzung keine ausreichende Grundlage. Deshalb mĂŒsse Deutschland bei den Stromkosten dringend wettbewerbsfĂ€higer werden.

Die erste Ausschreibung der Kraftwerksstrategie verbindet zwei Ziele, die politisch und wirtschaftlich miteinander konkurrieren: Deutschland soll auch bei lĂ€ngeren Phasen mit wenig Wind- und Solarstrom ĂŒber gesicherte Leistung verfĂŒgen, zugleich sollen die Kosten der Energiewende begrenzt werden. Die Bundesnetzagentur vergab elf ZuschlĂ€ge fĂŒr rund 5.160 Megawatt. Die Anlagen sollen ab November 2031 einspringen können, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichend Strom liefern.

Die Förderung wird ĂŒber eine VergĂŒtung fĂŒr die Bereitstellung der Kraftwerksleistung organisiert. Rechnerisch summieren sich die Zahlungen ĂŒber 15 Jahre auf etwa zwölf Milliarden Euro; getragen werden sollen sie ĂŒber eine Umlage von den Stromkunden. Damit erhĂ€lt Woidkes Kritik an möglichen Belastungen fĂŒr den Strompreis einen konkreten politischen Bezug, auch wenn die tatsĂ€chlichen Kosten von Auslastung, Erlösen und der weiteren Entwicklung des Strommarkts abhĂ€ngen.

Versorgungssicherheit und Industriestrom

Die neuen Anlagen sollen spĂ€ter auf Wasserstoff umstellbar sein und ab 2046 klimaneutral betrieben werden. Gleichzeitig bleibt fĂŒr energieintensive Unternehmen entscheidend, ob Deutschland nicht nur Versorgungssicherheit, sondern dauerhaft wettbewerbsfĂ€hige Strompreise bietet. Ein zeitlich begrenzter Industriestrompreis kann diese strukturelle Frage nur ĂŒberbrĂŒcken.

NĂ€chste Ausschreibungen stehen an

Die Kraftwerksstrategie wird mit weiteren Verfahren fortgesetzt. Eine zweite Ausschreibung ĂŒber 4.500 Megawatt soll am 10. November bekannt gegeben werden; weitere 2.000 Megawatt sind fĂŒr Mai 2027 vorgesehen. Die Entscheidungen ĂŒber Standorte und Förderbedingungen werden daher auch kĂŒnftig Auswirkungen auf Regionen mit Kohleausstieg und auf die Stromkosten-Debatte haben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Bundesnetzagentur fördert den Bau elf neuer Gaskraftwerke“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestÀtigt die elf ZuschlÀge und ordnet sie mit rund 5.160 Megawatt sowie einer rechnerischen Förderung von etwa zwölf Milliarden Euro ein. Anders als Woidke stellt er vor allem die Versorgungssicherung und die geplante Einsatzbereitschaft ab 2031 heraus; offen bleibt die konkrete Belastung der einzelnen Stromkunden.

Stern: „Gaskraftwerke: Reiche: Neue Gaskraftwerke sichern Stromversorgung“ (03.11.2026)

Der Artikel betont die Argumentation von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, wonach die Anlagen Dunkelflauten absichern und den Kohleausstieg unterstĂŒtzen sollen. Im Vergleich zu Woidkes Kostenkritik liegt der Schwerpunkt auf Versorgungssicherheit, Wettbewerb bei den ZuschlĂ€gen und der geplanten Umlage fĂŒr Stromkunden.

Übereinstimmung besteht beim Ausbau neuer GaskraftwerkskapazitĂ€ten und ihrer Funktion als Reserve. Der zentrale Unterschied betrifft die politische Bewertung: Woidke warnt vor höheren Strompreisen, wĂ€hrend Reiche die Förderung als Beitrag zu einer bezahlbaren Versorgung darstellt.

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