Geburten: 24. September war stÀrkster Tag seit 2020
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSNeun Monate nach Weihnachten herrscht in Deutschlands KreiĂsĂ€len besonders viel Betrieb: Zwischen 2020 und 2025 kamen an keinem Tag so viele Kinder zur Welt wie am 24. September. Der Mediziner und Soziologe Bertram HĂ€ussler fĂŒhrt den Ausschlag unter anderem auf mehr gemeinsame Zeit und NĂ€he wĂ€hrend der Weihnachtstage zurĂŒck.
Geburtenhoch im SpÀtsommer
âRechnet man vom 24. September zurĂŒck, landet man ziemlich genau bei Weihnachtenâ, sagte HĂ€ussler der âNeuen OsnabrĂŒcker Zeitungâ. Viele Menschen hĂ€tten dann frei, verbrĂ€chten mehr Zeit miteinander und rĂŒckten in der kalten Jahreszeit auch körperlich nĂ€her zusammen.
Der Weihnachtseffekt sei ein kleiner zusĂ€tzlicher Ausschlag, der sich bereits seit lĂ€ngerer Zeit beobachten lasse. Der geburtenstĂ€rkste Monat sei inzwischen der August. Die meisten dieser Kinder wĂŒrden im November gezeugt, wenn es kalt und frĂŒh dunkel sei und Menschen mehr Zeit gemeinsam zu Hause verbrĂ€chten.
Verschiebung seit den 1970er-Jahren
Bis etwa 1970 lag der Geburtenhöhepunkt noch im MĂ€rz und April. FĂŒr die Verschiebung in den SpĂ€tsommer nennt HĂ€ussler unter anderem die Antibabypille und das gestiegene Alter bei der FamiliengrĂŒndung.
Wer sein erstes Kind mit etwa 30 statt Anfang 20 bekomme, habe eher eine eigene Wohnung und sei deshalb fĂŒr ungestörte Zweisamkeit weniger auf warme Sommerabende angewiesen. In Westdeutschland setzte die Verschiebung bereits in den 1970er-Jahren ein, im Osten rund 20 Jahre spĂ€ter.
Auswertung ĂŒber sieben Jahrzehnte
HĂ€ussler untersuchte gemeinsam mit dem Geburtsmediziner Joachim Dudenhausen die Geburten in Ost- und Westdeutschland von 1950 bis 2022. Dabei analysierten die Forscher unter anderem, wie sich die geburtenstĂ€rksten Monate ĂŒber mehrere Jahrzehnte verĂ€ndert haben.
Der 24. September liegt rund neun Monate nach Weihnachten und fÀllt damit in ein Zeitfenster, in dem sich saisonale Schwankungen bei Geburten statistisch sichtbar machen lassen. Freie Tage, mehr gemeinsame Zeit und die jahreszeitlich bedingte lÀngere Aufenthaltsdauer zu Hause können dabei zusammenwirken. Der beschriebene Weihnachtseffekt ist jedoch kleiner als der allgemeine saisonale Verlauf der Geburten.
Dass der August inzwischen der geburtenstĂ€rkste Monat ist, verweist auf eine langfristige Verschiebung im Familien- und Erwerbsleben. Die Verlagerung vom FrĂŒhjahr in den SpĂ€tsommer begann in Westdeutschland bereits in den 1970er-Jahren und setzte sich in Ostdeutschland spĂ€ter fort. Als prĂ€gende Faktoren gelten dabei verĂ€nderte VerhĂŒtungsmöglichkeiten und ein höheres Alter bei der FamiliengrĂŒndung.
Was die Entwicklung fĂŒr die Planung bedeutet
FĂŒr Kliniken und Hebammen sind solche Muster vor allem bei der KapazitĂ€tsplanung relevant. Saisonale HĂ€ufungen verteilen Geburten nicht gleichmĂ€Ăig ĂŒber das Jahr und können dadurch die Auslastung von KreiĂsĂ€len, Wochenstationen und nachgelagerten Angeboten beeinflussen. Eine einzelne geburtenstarke Tageszahl sagt allerdings wenig ĂŒber die langfristige Entwicklung der Geburten insgesamt aus.
FĂŒr werdende Eltern bleibt der Effekt praktisch begrenzt: Der genaue Geburtstermin lĂ€sst sich nur annĂ€hernd berechnen, und individuelle SchwangerschaftsverlĂ€ufe ĂŒberlagern saisonale Durchschnittswerte. Die Entwicklung zeigt vor allem, wie gesellschaftliche VerĂ€nderungen, FamiliengrĂŒndungsalter und Alltagsbedingungen langfristig in demografischen Daten sichtbar werden.
