Gen Z regelt, Karin Prien

Gen Z regelt: Prien lÀdt vor Protesten in 30 StÀdten zum Dialog ein

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Bundesbildungs- und Jugendministerin will mit jungen Menschen ĂŒber ihre Sorgen sprechen und warnt zugleich vor Gewalt. Die geplanten Kundgebungen richten sich unter anderem gegen steigende Lebenshaltungskosten und eine mögliche Wehrpflicht.

Positionen vor dem Protesttag

  • Karin Prien lud junge Menschen zum Dialog ein und forderte zugleich Gewaltfreiheit bei den Demonstrationen.
  • Die Initiative „Gen Z regelt“ plant Kundgebungen am 31. Oktober in rund 30 StĂ€dten.
  • Burkhard Jung und Klaus Hurrelmann verlangten politische Antworten auf Anliegen der jungen Generation.
Prien ruft junge Menschen zu Protesten ohne Gewalt auf. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa

Prien ruft vor Protesttag zu Dialog und Gewaltfreiheit auf

Bundesbildungs- und Jugendministerin Karin Prien will mit jungen Menschen ĂŒber ihre Sorgen sprechen und ruft zugleich zu friedlichen Demonstrationen am Samstag auf. Die Initiative „Gen Z regelt“ plant Kundgebungen in rund 30 StĂ€dten.

Ministerin wirbt fĂŒr friedliche Proteste

„Seid laut. Engagiert Euch in Parteien. Aber seid nicht gewalttĂ€tig“, appellierte die CDU-Politikerin im „Stern“. Gewalt schade den Anliegen junger Menschen, sagte Prien, und lud zum Dialog ein.

Die Gruppierung will fĂŒr mehr Klimaschutz und Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten demonstrieren. Außerdem richtet sie sich gegen eine Wehrpflicht und lehnt Gewalt ausdrĂŒcklich ab.

Vergleich mit Protesten in Frankreich

Bei Protesten in Frankreich und anderen europĂ€ischen LĂ€ndern war es zu Krawallen gekommen. Prien verwies zugleich auf Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich: In Deutschland seien die Schulen in besserem Zustand, die Klassen kleiner, LehrkrĂ€fte wĂŒrden besser bezahlt, außerdem gebe es ein funktionierendes Berufsbildungssystem und eine deutlich geringere Jugendarbeitslosigkeit.

FĂŒr ZugestĂ€ndnisse wie in Frankreich mĂŒsse man in Deutschland nicht auf die Straße gehen, weil diese Rahmenbedingungen bereits bestĂŒnden, sagte die Ministerin.

StÀdtetag sieht legitime Anliegen

StĂ€dtetagsprĂ€sident Burkhard Jung hĂ€lt die Demonstrationen fĂŒr legitim. Junge Menschen wollten ihre Zukunft mitgestalten, sagte der Leipziger OberbĂŒrgermeister den Funke Medien.

Wer sich mit Bildung, sozialer Sicherheit, bezahlbarem Wohnen und der Zukunft beschĂ€ftige, erwarte zu Recht, dass die Politik zuhöre und handle. Jung betonte, die junge Generation sei bereits heute Teil der Gesellschaft und ihre Stimme mĂŒsse in der Politik Gewicht haben.

Hurrelmann warnt vor Abwehrhaltung

Jugendforscher Klaus Hurrelmann forderte die Politik auf, auf die Anliegen junger Menschen zuzugehen. Die erste Reaktion auf deren Protest dĂŒrfe nicht Abwehr sein, sagte er der „Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung“.

Die Regierungsparteien sollten GesprĂ€che in verschiedenen StĂ€dten organisieren. Ernst nehmen bedeute nicht, jeden Wunsch zu erfĂŒllen, sondern zuzuhören und sich auseinanderzusetzen, sagte Hurrelmann. Besonders bei der Debatte ĂŒber eine mögliche RĂŒckkehr der Wehrpflicht sei mehr Beteiligung nötig.

Zweifel am Zukunftsversprechen

Viele junge Menschen glaubten nicht mehr an das traditionelle Zukunftsversprechen, wonach Anstrengung, eine gute Ausbildung und berufliches Engagement zu einem mindestens ebenso guten Leben wie dem der Eltern fĂŒhrten, sagte Hurrelmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Er rĂ€umte die Gefahr ein, dass radikale KrĂ€fte die Demonstrationen vereinnahmen könnten. Daraus dĂŒrfe jedoch kein Generalverdacht gegen friedlich protestierende junge Menschen entstehen.

Der Protesttag der Initiative „Gen Z regelt“ fĂ€llt in eine Phase, in der junge Menschen politische Entscheidungen besonders an den Themen Lebenshaltungskosten, Wohnen, Bildung, Klima und Sicherheit messen. Die geplanten Demonstrationen verbinden damit mehrere Politikfelder, die im Alltag unmittelbar spĂŒrbar sind und langfristige Zukunftserwartungen berĂŒhren.

Die öffentliche Debatte konzentriert sich zugleich auf die Frage, wie Politik mit einer neuen Protestbewegung umgeht. Warnungen vor möglichen Ausschreitungen stehen dem ausdrĂŒcklichen Gewaltverzicht der Initiative gegenĂŒber. FĂŒr die Veranstalter dĂŒrfte deshalb entscheidend sein, ob ihre Anliegen in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion eigenstĂ€ndig wahrgenommen werden oder vor allem unter dem Gesichtspunkt möglicher Störungen erscheinen.

Jugendprotest und politische Beteiligung

Die Appelle von Karin Prien, Burkhard Jung und Klaus Hurrelmann markieren unterschiedliche, aber miteinander verbundene Erwartungen: Junge Menschen sollen ihre Interessen sichtbar vertreten, zugleich sollen Parteien und staatliche Stellen diese Interessen aufnehmen. Besonders umstritten ist die Debatte ĂŒber eine mögliche RĂŒckkehr der Wehrpflicht, weil sie unmittelbar in die Lebensplanung junger Menschen eingreift.

FĂŒr die Demonstrationen am 31. Oktober bedeutet das: Ihre Wirkung hĂ€ngt nicht allein von der Teilnehmerzahl ab, sondern auch davon, ob daraus konkrete GesprĂ€che und politische Antworten entstehen. Die Proteste können damit zu einem Test werden, wie auf neue Formen politischer Mobilisierung reagiert wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Gen-Z-Proteste am 31. Oktober: Das fordern die Jugendlichen“ (28.10.2026)

Der Beitrag ordne die geplanten Demonstrationen als bundesweiten Protesttag ein und beschreibe die Forderungen der Jugendlichen. Im Mittelpunkt stehe damit stÀrker das Programm der Bewegung als der politische Appell an die Veranstalter.

Stern: „Karin Prien appelliert an Gen-Z: ‚Lasst Euch nicht aufwiegeln!‘“ (29.10.2026)

Der Artikel stelle Priens Appell an die junge Generation in den Mittelpunkt. Damit setze er einen anderen Schwerpunkt als die Frankfurter Rundschau und fokussiere auf den Umgang mit möglichen Spannungen vor dem Protesttag.

Beide BeitrÀge bestÀtigten den bevorstehenden Protesttag, setzten aber unterschiedliche Akzente: Der eine beleuchte vor allem Forderungen und Mobilisierung, der andere den Appell der Ministerin und die Sicherheitsdebatte.

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