Geplanter Tankrabatt: Grüne um Michael Kellner fordern Direktzahlungen
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 18:35 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Grünen haben sich deutlich gegen Pläne der Bundesregierung für einen neuen Tankrabatt und einen möglichen Preisdeckel auf Benzin und Diesel positioniert. Michael Kellner, Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Energiepolitik, kritisiert die Vorhaben und fordert stattdessen gezielte Direktzahlungen zur Entlastung.
Kellner stellt Familienleistungen gegen Entlastung beim Spritpreis
Ein weiterer Tankrabatt sei eine schlechte Idee, sagte Kellner der "Rheinischen Post". Er wünsche sich ein Land, das Kinder wenigstens in etwa so liebt wie seine Autos. Nach seinen Worten werde bei Kindern massiv gespart: Unterhaltsvorschuss werde gekappt, Elterngeldmonate gekürzt und ein Kindersofortzuschlag gestrichen, während bei Diesel und Benzin Geld für alle da sei.
Direktzahlungen statt Tankrabatt
Als bessere Alternative schlägt Kellner gezielte Direktzahlungen vor, mit denen besonders belastete Haushalte unterstützt werden sollen. Niemand wisse zudem, ob eine Senkung der Spritpreise tatsächlich vollständig bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankomme, so Kellner. Die Finger der Mineralölkonzerne seien nach seiner Formulierung "klebrig", was die Sorge ausdrückt, dass ein Teil staatlicher Entlastungen in den Margen der Unternehmen hängen bleiben könnte.
Grünen-Kritik als Teil der Koalitionsdebatte
Die Kritik macht deutlich, dass innerhalb der Ampel-Koalition über den richtigen Weg zur Entlastung von Bürgern und Unternehmen bei Energie- und Mobilitätskosten gerungen wird. Während über Instrumente wie Tankrabatt und Preisdeckel für fossile Kraftstoffe diskutiert wird, pochen die Grünen auf sozial und klimapolitisch verträgliche Alternativen.
Die Debatte um einen möglichen Tankrabatt und einen Preisdeckel für Benzin und Diesel berührt zentrale Fragen der deutschen Energie- und Sozialpolitik. Die Ampel-Koalition steht erneut vor der Herausforderung, steigende Energie- und Mobilitätskosten abzufedern, ohne dabei falsche Anreize zu setzen oder knappe Haushaltsmittel ungezielt einzusetzen.
Für die Grünen ist die Frage besonders heikel: Einerseits tragen sie die Regierungsverantwortung mit, andererseits wollen sie klimapolitisch vermeiden, dass fossile Kraftstoffe dauerhaft verbilligt werden. Die Kritik von Michael Kellner knüpft an frühere Diskussionen über Spritpreisentlastungen an, bei denen schon einmal die Sorge im Raum stand, dass Mineralölkonzerne staatliche Entlastungen teilweise abschöpfen könnten, ohne dass die Verbraucherinnen und Verbraucher voll profitieren.
Sozialpolitische Dimension und Verteilungsfragen
Wenn Kellner die Kürzungen bei Familienleistungen den geplanten staatlichen Hilfen für Autofahrer gegenüberstellt, macht er eine Verteilungsfrage stark: Wer soll in Zeiten knapper Kassen vorrangig unterstützt werden – Familien mit Kindern oder Halter von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor? Direktzahlungen, wie von ihm gefordert, könnten zielgenauer bei Haushalten mit niedrigen oder mittleren Einkommen ankommen, unabhängig davon, ob ein Auto vorhanden ist.
Energiepolitik und mögliche Folgen
Ein Tankrabatt oder ein Preisdeckel würde kurzfristig Spritkosten senken und Pendler sowie Betriebe entlasten, könnte aber den Anreiz mindern, auf sparsamere Fahrzeuge, öffentlichen Verkehr oder andere Mobilitätsformen umzusteigen. Damit kollidieren solche Maßnahmen mit langfristigen Klimazielen. Die Forderung nach Direktzahlungen spiegelt den Versuch wider, akute Belastungen zu mildern, ohne die grundsätzliche Lenkungswirkung höherer CO?- und Energiepreise auszuhebeln. Für die Leserinnen und Leser geht es damit nicht nur um den Preis an der Zapfsäule, sondern auch um die Frage, welche Prioritäten die Bundesregierung in der sozialen und ökologischen Ausrichtung ihrer Entlastungspolitik setzt.
