Hamburg, Elektroautos

Hamburgs Rot-Grün fordert Verbot künstlicher Motorsounds bei E-Autos

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 11:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Hamburgs rot-grüne Regierungsfraktionen wollen künstliche Motorsounds bei Elektroautos in Deutschland einschränken und unterstützen dafür eine Bundesratsinitiative gegen Autoposing. Die Bürgerschaft entscheidet Mitte September über den Vorstoß, der den Schutz vor Verkehrslärm stärken soll.

Rot-Grün in Hamburg will Verbot von künstlichem Lärm bei E-Autos
E-Auto-Ladestation (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

SPD und Grüne in der Hamburgischen Bürgerschaft wollen künstlichen Lärm bei Elektroautos bei höheren Geschwindigkeiten bundesweit verbieten. Die Regierungsfraktionen unterstützen dazu eine Bundesratsinitiative zur wirksameren Bekämpfung des sogenannten Autoposings.

Rot-Grün bringt Initiative in die Bürgerschaft

Wie die Fraktionen am Sonntag mitteilten, soll die Bürgerschaft in ihrer Sitzung am 16. September über die rot-grüne Initiative entscheiden. Mit einem Beschluss würde Hamburg sich offiziell hinter den Vorstoß stellen, der auf strengere Regeln für akustische Zusatzeffekte bei E-Fahrzeugen zielt und diese nicht mehr nur als Stadt- oder Landesangelegenheit behandelt.

Im Fokus stehen Elektroautos, die bei höherem Tempo mit einem künstlichen Motorengeräusch ausgestattet werden, das ausschließlich den Klang von Verbrennerfahrzeugen nachahmt. Solche Systeme werden von Herstellern in einigen Märkten als emotionaler Zusatz angeboten.

SPD verweist auf Chancen der Elektromobilität

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Hamburg, Ole Thorben Buschhüter, betonte, technischer Fortschritt solle Verkehrslärm reduzieren und ihn nicht künstlich zurückholen. Gerade in einer dicht besiedelten Stadt sei es aus seiner Sicht ein Gewinn, wenn der Umstieg auf Elektromobilität zu weniger Lärm auf den Straßen beitrage.

Die notwendigen Warngeräusche bei niedrigen Geschwindigkeiten, die der Sicherheit dienen, stehen nach seinen Worten nicht zur Diskussion. Darüber hinaus brauche es jedoch keinen künstlichen Motorsound, der allein den Charakter eines Verbrenners nachahmen soll. Diesen unnötigen Lärm wollen die Fraktionen bundesweit unterbinden.

Grüne verknüpfen Lärmschutz und Gesundheit

Die Sprecherin für Mobilität der Grünen-Fraktion, Rosa Domm, verwies auf gesundheitliche Folgen dauerhafter Lärmbelastung. Zu viel Lärm verursache Stress und könne krank machen, wer dauerhaft Straßenlärm ausgesetzt sei, habe ein höheres Risiko etwa für Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Deswegen verfolgt die rot-grüne Koalition in Hamburg nach ihren Angaben das Ziel, die Lärmbelastung im Straßenverkehr zu reduzieren. Elektroautos könnten hier Abhilfe schaffen, denn sie gelten nicht nur als effizient und klimafreundlich, sondern auch als deutlich leiser als klassische Verbrennerfahrzeuge.

Herstellerpläne stoßen auf Kritik

Domm kritisierte Überlegungen von Herstellern, E-Fahrzeuge auch bei höherem Tempo mit künstlichem Motorengeräusch nachzurüsten. Aus Sicht von Menschen, die tagtäglich unter Straßenlärm leiden, wirkten solche Pläne wie ein schlechter Scherz, sagte sie.

Die Grünen-Sprecherin setzt sich daher bei E-Autos für ein deutschlandweites Verbot von künstlichem Lärm ein, der lediglich der Nachahmung von Verbrennerautos dient. Ziel sei es, den Lärmschutzanspruch von Städten und Anwohnern gegenüber akustischen Marketingelementen der Industrie zu stärken.

Rechtslage zu Warngeräuschen bei E-Autos

Seit Juli 2021 müssen alle neu zugelassenen Elektroautos bei niedrigen Geschwindigkeiten künstliche Geräusche erzeugen. Diese akustischen Signale sollen Fußgänger und Radfahrer vorwarnen und sicherstellen, dass die Fahrzeuge nicht nur optisch, sondern auch akustisch wahrgenommen werden.

Bei höheren Geschwindigkeiten ist der Schutz nach Angaben der Fraktionen durch die Abrollgeräusche der Reifen ausreichend gegeben. In diesem Bereich sehen SPD und Grüne daher keinen Bedarf für zusätzliche künstliche Motorsounds, die über die Sicherheitsanforderungen hinausgehen und die Lärmbelastung im Straßenverkehr erhöhen könnten.

Die Initiative von SPD und Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft zielt auf ein bundesweites Verbot künstlicher Motorsounds bei Elektroautos ab, sobald deren Geschwindigkeit so hoch ist, dass sie ohnehin durch Reifen- und Luftgeräusche wahrnehmbar sind. Damit greifen die Fraktionen einen Konflikt zwischen Stadtlärmschutz und Marketingstrategien der Autohersteller auf.

Hintergrund: Autoposing und Verkehrslärm

Unter „Autoposing“ verstehen Kommunen und Verkehrsbehörden seit einigen Jahren das demonstrative Zur-Schau-Stellen von Fahrzeugen durch lautes Beschleunigen, häufiges Hochdrehen der Motoren und auffällige Umbauten. Betroffen sind vor allem innerstädtische Straßenzüge mit dichter Wohnbebauung, in denen sich Anwohner über dauerhafte Lärmbelastung beklagen. Die rot-grüne Initiative in Hamburg reiht sich in eine Reihe kommunaler und bundespolitischer Maßnahmen ein, die den Missbrauch von Fahrzeugen zu Lärmzwecken eindämmen sollen.

Technischer Rahmen und Gesundheitsaspekt

Seit Mitte 2021 schreibt EU-Recht für neu zugelassene Elektrofahrzeuge ein akustisches Warnsystem bei niedrigen Geschwindigkeiten vor, um Fußgänger und Radfahrer zu schützen. Bei höherem Tempo dominiert ohnehin das Abrollgeräusch der Reifen, sodass zusätzliche künstliche Motorgeräusche vor allem der Emotionalisierung des Fahrens dienen. Die von der SPD- und Grünen-Fraktion angeführten Gesundheitsfolgen – etwa erhöhter Stress, Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – entsprechen dem Stand der Lärmwirkungsforschung, die Verkehrslärm als bedeutenden Risikofaktor einordnet.

Bedeutung für Hamburg und bundesweite Auswirkungen

Für Hamburg als dicht besiedelte Metropole mit starkem Pendlerverkehr ist eine Reduzierung der Lärmbelastung ein zentrales Ziel der Verkehrspolitik. Sollte die Bürgerschaft den Vorstoß beschließen und sich der Bundesratsinitiative anschließen, würde das Thema bundesweit auf die Agenda rücken. Ein Verbot künstlicher Motorsounds bei E-Autos könnte dann die Spielräume der Hersteller bei der Soundgestaltung deutlich begrenzen und die Elektromobilität stärker als leise Alternative zum Verbrennerprofilieren. Für Anwohner lärmbelasteter Straßen wären strengere Regeln ein weiterer Baustein zur Entlastung, für Teile der Autokultur dagegen eine Einschränkung des gewohnten Auftritts.

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