Handybetrug: 1.770 Beamte durchsuchen 19 LĂ€nder
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 10:24 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSEuropaweit haben Behörden seit Samstag eine GroĂrazzia gegen eine kriminelle Organisation durchgefĂŒhrt, die mehr als eine Million gebrauchte Mobiltelefone als neue GerĂ€te verkauft haben soll. Nach Angaben der EuropĂ€ischen Staatsanwaltschaft entstand fĂŒr Verbraucher in der EU ein Schaden von mindestens 300 Millionen Euro; auĂerdem sollen mehr als 30 Millionen Euro Mehrwertsteuer verloren gegangen sein.
Sieben VerdÀchtige festgenommen
Insgesamt 1.770 Beamte aus Polizei-, Steuer- und Zollbehörden durchsuchten mehr als 160 Orte in 19 LĂ€ndern, darunter Deutschland, Ăsterreich und Spanien. Sieben VerdĂ€chtige wurden festgenommen, darunter die beiden mutmaĂlichen AnfĂŒhrer der Organisation.
Telefone ĂŒber mehrere LĂ€nder vertrieben
Die Ermittlungen laufen unter dem Codenamen âTrojaâ. Demnach wurden Mobiltelefone aus gebrauchten Komponenten in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengebaut und als neue GerĂ€te in die Niederlande verschifft.
Von dort aus sollen die Telefone nach Deutschland transportiert und ĂŒber Online-MarktplĂ€tze in der gesamten EU verkauft worden sein. Die Ermittler gehen auĂerdem davon aus, dass Briefkastenfirmen in mehreren EU-Staaten und der Schweiz eine reduzierte Mehrwertsteuerregelung missbrĂ€uchlich nutzten.
Ermittlungen nach OLAF-Bericht
Die Regelung gilt fĂŒr wiederverkaufte Waren, auf die bereits Mehrwertsteuer gezahlt wurde. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand wurden die Telefone jedoch als neue Waren verkauft, wodurch die Steuer auf den vollstĂ€ndigen Verkaufspreis angefallen wĂ€re.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen Bericht des EuropĂ€ischen Amtes fĂŒr BetrugsbekĂ€mpfung. Die EuropĂ€ische Staatsanwaltschaft betonte, dass fĂŒr alle Beteiligten bis zu einer gerichtlichen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.
Der Fall zeigt, wie eng organisierter Warenbetrug, grenzĂŒberschreitender Handel und Steuerdelikte im europĂ€ischen OnlinegeschĂ€ft miteinander verbunden sein können. Die mutmaĂlich gebrauchten GerĂ€te sollen ĂŒber mehrere Stationen und Firmenstrukturen in den regulĂ€ren Warenverkehr gelangt sein. FĂŒr KĂ€ufer ist der Unterschied zwischen einem tatsĂ€chlich neuen Smartphone und einem aufbereiteten GerĂ€t nicht nur eine Frage des Preises: Er kann auch Garantieumfang, Akkuzustand, ErsatzteilqualitĂ€t und die Herkunft des Produkts betreffen.
Besondere Bedeutung hat der Vorwurf des Mehrwertsteuerbetrugs. Die Differenzbesteuerung soll den Weiterverkauf bereits versteuerter Gebrauchtwaren erleichtern. Wird ein gebrauchtes GerÀt jedoch als Neuware behandelt oder entsprechend vermarktet, verÀndert sich die steuerliche Grundlage. Bei mehr als einer Million betroffenen Telefonen kann selbst ein vergleichsweise kleiner Betrag pro GerÀt zu einem erheblichen Schaden anwachsen.
EuropÀische Zusammenarbeit im Fokus
Die Zahl der beteiligten Behörden und Durchsuchungsorte verdeutlicht die internationale Struktur des Vorgangs. Warenströme, Firmen und Zahlungswege erstreckten sich ĂŒber mehrere Staaten; deshalb mussten Polizei, Zoll- und Steuerbehörden parallel vorgehen. Die EuropĂ€ische Staatsanwaltschaft bĂŒndelt Ermittlungen zu Straftaten zulasten des EU-Haushalts und kann dabei nationale Behörden koordinieren.
FĂŒr Verbraucher bleibt entscheidend, Angebote auf Online-MarktplĂ€tzen genau zu prĂŒfen. AuffĂ€llig niedrige Preise, unklare HĂ€ndlerangaben oder widersprĂŒchliche Angaben zu Zustand und Garantie können Hinweise auf problematische Ware sein. Strafrechtlich gilt fĂŒr die Beschuldigten weiterhin die Unschuldsvermutung, bis ein Gericht rechtskrĂ€ftig entschieden hat.
