Quartalszahlen, Niedersachsen

VW-Gewinn bricht ein – GeschĂ€ftsmodell unter Druck

10.03.2026 - 14:07:09 | dpa.de

Harte Zeiten fĂŒr Europas grĂ¶ĂŸten Autobauer. Der VW-Gewinn ist 2025 deutlich eingebrochen. Mit einem neuen Transformationsplan will der Konzern nun gegensteuern.

  • Konzernchef Oliver Blume will bis Ende des Jahres fĂŒr VW ein neues Zukunftsbild 2030 vorlegen. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
  • Zölle und das schwache Abschneiden von Porsche verhageln Finanzchef Arno Antlitz das Ergebnis. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
  • Das VW-Stammwerk in Wolfsburg gilt als eine der grĂ¶ĂŸten Fabriken der Welt. Laut VW hat es inzwischen konzernweit die geringsten Fabrikkosten in Deutschland. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Konzernchef Oliver Blume will bis Ende des Jahres fĂŒr VW ein neues Zukunftsbild 2030 vorlegen. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa Zölle und das schwache Abschneiden von Porsche verhageln Finanzchef Arno Antlitz das Ergebnis. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa Das VW-Stammwerk in Wolfsburg gilt als eine der grĂ¶ĂŸten Fabriken der Welt. Laut VW hat es inzwischen konzernweit die geringsten Fabrikkosten in Deutschland. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Volkswagen-Konzern will nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr seine SparbemĂŒhungen erhöhen. Angesichts der sich rasant Ă€ndernden Welt arbeite der Konzern an einem Transformationsplan fĂŒr die Zeit bis 2030, sagte Konzernchef Oliver Blume bei der Bilanzvorlage in Wolfsburg. Dabei gehe es auch um erneute Kostensenkungen. Personalkosten stĂŒnden zunĂ€chst aber nicht im Vordergrund.

Im vergangenen Jahr war der Gewinn des Konzerns um knapp die HĂ€lfte eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahr sei das Konzernergebnis nach Steuern 2025 um rund 44 Prozent von 12,4 Milliarden Euro auf 6,9 Milliarden Euro gesunken, teilte Europas grĂ¶ĂŸter Autobauer in Wolfsburg mit. Der Umsatz sank um 0,8 Prozent auf knapp 322 Milliarden Euro.

Porsche und Zölle belasten

Im Schlussquartal schnitt VW dabei aber wieder besser ab als in den ersten neun Monaten. Im dritten Quartal war der Konzern noch tief in die roten Zahlen gerutscht und hatte mehr als eine Milliarde Euro Verlust verbucht. Grund waren vor allem die Belastungen bei der Tochter Porsche wegen des Strategie-Schwenks zur Verbrenner-VerlÀngerung, die auf die Konzernmutter durchschlugen. Hinzu kamen Milliardenbelastungen aus den US-Zöllen.

«Das Jahr 2025 war geprÀgt von geopolitischen Spannungen, Zöllen und hoher WettbewerbsintensitÀt», sagte Finanzvorstand Arno Antlitz. Die Sonderbelastungen bei Porsche kosteten 4,7 Milliarden Euro, hinzu kamen die US-Zölle mit 2,9 Milliarden. Im Gesamtjahr verwies der Konzern auf Sonderkosten von 8,8 Milliarden Euro. Ohne diese hÀtte das operative Ergebnis aber bei 17,7 Milliarden Euro gelegen, was eine Marge von 5,5 Prozent bedeutet hÀtte.

Blume: «Werden jeden Stein umdrehen»

«Wir haben handelspolitische HĂŒrden, wir haben komplett verĂ€nderte MĂ€rkte, wir haben eine zunehmende Regulatorik», sagte Blume. «Und wir stellen ganz einfach fest, dass das GeschĂ€ftsmodell, was uns ĂŒber Jahrzehnte getragen hat, dass das in dieser Form nicht mehr funktioniert.» Dem wolle man mit einem neuen «Zielbild Volkswagen Konzern 2030» begegnen.

Dabei gehe es auch um Kosteneffizienz. «Wir werden jeden Stein umdrehen. Das geht ĂŒber alle Kostenarten.» Personalkosten stĂŒnden zunĂ€chst aber nicht im Vordergrund. GrĂ¶ĂŸere Einsparungen verspricht sich Blume in anderen Bereichen wie Beschaffung, Entwicklung, Material, Produktion und Vertrieb. Beim Personal werde man zunĂ€chst das konsequent umsetzen, was bereits vereinbart wurde, so Blume.

Zwar komme VW mit den 2024 aufgelegten Effizienzprogrammen gut voran, sagte Finanzvorstand Arno Antlitz. Im vergangenen Jahr seien die Gesamtkosten dadurch bereits um 1,5 Milliarden Euro gesunken. Doch das werde angesichts neuer Belastungen etwa durch die US-Zölle nicht reichen.

50.000 Jobs fallen bis 2030 weg

Unternehmen und Gewerkschaft hatten sich Ende 2024 nach langem Ringen auf ein Sanierungsprogramm geeinigt, das allein bei der Kernmarke VW den Abbau von 35.000 ArbeitsplĂ€tzen in Deutschland bis 2030 vorsieht. Werkschließungen und betriebsbedingte KĂŒndigungen wurden im Gegenzug ausgeschlossen. Ähnliche Programme folgten bei Audi und Porsche. Konzernweit sollen so 50.000 Stellen wegfallen. Diese Zahl bekrĂ€ftigte Blume bei der Bilanzvorlage.

Bei den VerkĂ€ufen war der Konzern 2025 knapp unter die Marke von neun Millionen gerutscht: Weltweit lieferte der Konzern 8,98 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken aus, 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In Europa legte der Konzern zwar sogar zu. Das konnte RĂŒckgĂ€nge in China und Nordamerika aber nicht ausgleichen.

Die einstige Ertragsperle Porsche verdiente 2025 im AutogeschÀft operativ nur noch 90 Millionen Euro. 2024 waren es noch 5,3 Milliarden Euro gewesen. Die Kernmarke VW verbesserte sich dagegen leicht von 2,59 auf 2,61 Milliarden Euro operatives Ergebnis, Audi verschlechterte sich von 3,9 auf knapp 3,4 Milliarden Euro. Die aktive Belegschaft der Kernmarke VW in Deutschland - also ohne Altersteilzeitler in der Passiv-Phase - schrumpfte binnen Jahresfrist von gut 110.000 auf 102.000 BeschÀftigte.

Blume verdient weniger

Das schwache GeschĂ€ft drĂŒckt auch beim Konzernchef selbst auf den Verdienst: Einschließlich Altersvorsorge und variabler VergĂŒtung fĂŒr mehrere Jahre erhielt er im vergangenen Jahr 7,4 Millionen Euro, fast drei Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. GrĂŒnde waren vor allem eine BonuskĂŒrzung bei VW und der komplette Ausfall der variablen VergĂŒtung bei Porsche, wo Blume bis Ende 2025 ebenfalls Vorstandschef war.

FĂŒr 2026 strebt der Konzern wieder mehr ProfitabilitĂ€t an. Die operative Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern soll sich in diesem Jahr auf 4,0 bis 5,5 Prozent erholen. Vergangenes Jahr war sie um 3,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent abgerutscht. Beim Umsatz peilt der Konzern null bis drei Prozent Zuwachs an. Weil das Umfeld schwieriger geworden ist, nahm VW allerdings seine Ambitionen fĂŒr 2030 etwas zurĂŒck. Statt 9 bis 11 Prozent Gewinnmarge dĂŒrften es wohl nur 8 bis 10 Prozent werden.

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