Bayern, Deutschland

104. Katholikentag - eine Bilanz in fĂŒnf Teilen

17.05.2026 - 04:00:28 | dpa.de

Hat die katholische Kirche der Welt und der Gesellschaft noch etwas zu sagen - oder ist sie mit ihren eigenen Problemen und Reformen ausgelastet? Eine Bilanz des 104. Katholikentags.

  • Im WĂŒrzburger Dom hatten viele Menschen eine Kerze entzĂŒndet.  - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Im WĂŒrzburger Dom hatten viele Menschen eine Kerze entzĂŒndet. - Foto: Sven Hoppe/dpa
  • WĂŒrzburg ist Gastgeber fĂŒr den Katholikentag. - Foto: Sven Hoppe/dpa
    WĂŒrzburg ist Gastgeber fĂŒr den Katholikentag. - Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Merz wagte sich in WĂŒrzburg auch unters Volk. - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Merz wagte sich in WĂŒrzburg auch unters Volk. - Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Zahlreiche Menschen sind in der WĂŒrzburger Innenstadt unterwegs. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Zahlreiche Menschen sind in der WĂŒrzburger Innenstadt unterwegs. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Irme Stetter-Karp ist die PrĂ€sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Irme Stetter-Karp ist die PrÀsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Bischof Heiner Wilmer fĂŒhrt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Bischof Heiner Wilmer fĂŒhrt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Im WĂŒrzburger Dom fanden zahlreiche Gottesdienste und Konzerte statt. - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Im WĂŒrzburger Dom fanden zahlreiche Gottesdienste und Konzerte statt. - Foto: Sven Hoppe/dpa
  • ReformkrĂ€fte bildeten eine Menschenkette. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    ReformkrÀfte bildeten eine Menschenkette. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Im WĂŒrzburger Dom hatten viele Menschen eine Kerze entzĂŒndet.  - Foto: Sven Hoppe/dpa WĂŒrzburg ist Gastgeber fĂŒr den Katholikentag. - Foto: Sven Hoppe/dpa Merz wagte sich in WĂŒrzburg auch unters Volk. - Foto: Sven Hoppe/dpa Zahlreiche Menschen sind in der WĂŒrzburger Innenstadt unterwegs. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Irme Stetter-Karp ist die PrĂ€sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Bischof Heiner Wilmer fĂŒhrt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Im WĂŒrzburger Dom fanden zahlreiche Gottesdienste und Konzerte statt. - Foto: Sven Hoppe/dpa ReformkrĂ€fte bildeten eine Menschenkette. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Lieder verhallen, der Weihrauch verflĂŒchtigt sich, die GesprĂ€chspodien werden abgebaut, prominente GĂ€ste wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier sind lĂ€ngst wieder abgereist. Was bleibt vom 104. Katholikentag in WĂŒrzburg?

Wird die katholische Stimme noch gehört?

Wenn der Papst in Rom seine Stimme erhebt und die US-Kriegspolitik verurteilt, wird das weltweit wahrgenommen. Aber wie sieht es aus, wenn hiesige Kirchenvertreter Sozialabbau brandmarken und den Umgang mit GeflĂŒchteten kritisieren? BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner (CDU) und auch andere Unionspolitiker haben ihren Standpunkt rund um den Katholikentag deutlich gemacht: weniger Tagespolitik, mehr Spirituelles. 

Womöglich ist aber gerade der aktuelle Konflikt zwischen Papst Leo XIV. und US-PrĂ€sident Donald Trump ein Beispiel dafĂŒr, wie Kirche ihre Stimme erheben kann, ohne ins Kleinklein der Tagespolitik zu verfallen. Der Papst gehe immer wieder auf die Grundposition, also aufs Evangelium, zurĂŒck, sagte die Theologin Marianne Heimbach-Steins.

Und das Evangelium ist fĂŒr den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, sowieso «Politik pur». 

Zugleich stellt sich die Frage: Wie will die Kirche bei hohen Austrittszahlen relevant bleiben? Vielerorts sind katholische und evangelische Christen inzwischen in der Minderheit. Der MĂŒnchner Kardinal Reinhard Marx sagte dazu: «Die Leute möchten eine klare Position hören. Es spielt keine Rolle, wie viele wir sind.»

Die Reformer brauchen Geduld

Mit einer Menschenkette haben ReformkrĂ€fte VerĂ€nderungen in der katholischen Kirche angemahnt - vor allem forderten sie den Zugang von Frauen zu WeiheĂ€mtern. Die Vorstellung einer katholischen Bischöfin ist fĂŒr reformorientierte GlĂ€ubige das Ziel der TrĂ€ume - fĂŒr konservative KrĂ€fte dagegen vermutlich ein echter Alptraum. 

Fakt ist: Geduld ist schon jetzt gefragt, wenn es «nur» um die deutsche Synodalkonferenz geht, in der Bischöfe und Laien kĂŒnftig gemeinsam beraten und entscheiden wollen. Nicht alle Bischöfe finden diese Idee gut - und noch ist ĂŒberhaupt nicht klar, wie sich Rom positioniert. Die Satzung wird derzeit im Vatikan geprĂŒft. Bischof Wilmer zeigte sich in WĂŒrzburg zuversichtlich, bittet aber um Geduld. Und Irme Stetter-Karp, Chefin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), warnte schon mal: Ein Stoppschild aus dem Vatikan wĂ€re katastrophal. 

Wer gehofft hatte, auf dem Katholikentag wĂŒrde sich Kardinal Mario Grech, GeneralsekretĂ€r der Bischofssynode, etwas Konkretes entlocken lassen zu den deutschen PlĂ€nen, wurde enttĂ€uscht. Seine Worte blieben allgemein.

Die große Wunde - der Missbrauchsskandal

Kurz vor dem Treffen hatte Stetter-Karp wachrĂŒtteln wollen: «Ich habe den Eindruck, dass wir nicht nur in der Kirche in eine Phase zunehmender Teilnahmslosigkeit eintreten», kritisierte sie. «In Gesellschaft, Medien und unseren Reihen breitet sich Ungeduld, ja sogar eine Art MĂŒdigkeit aus. Immer öfter höre ich die Frage, wann denn dieses Thema endlich erledigt sei.» 

Auf dem Katholikentag war das Thema prÀsent - sei es in einer Kunstinstallation, sei es in Diskussionsveranstaltungen. Kritische Worte kamen von Bayerns MinisterprÀsidenten Markus Söder (CSU), der erklÀrte, die Kirche sei nach Aufdeckung des Missbrauchsskandals nur schwer in die GÀnge gekommen.

Umgekehrt hatte der WĂŒrzburger Bischof Franz Jung auf einer Podiumsdiskussion betont, er wĂŒnsche sich mehr Engagement des Staates bei der AufklĂ€rung. Das hĂ€tte auch die Kirche entlastet.

Klimaschutz - war da was?

Klimaschutz war vor Jahren ein Trendthema, ein großes Ding. In den öffentlichen Debatten ist Klimaschutz inzwischen in den Hintergrund gerĂŒckt, wird von bestimmten KrĂ€ften sogar abgelehnt. Auf dem Katholikentag ging es aber sehr wohl um Klimapolitik. Kanzler Friedrich Merz (CDU) sei hier endlich einmal nach diesem Thema befragt worden, lobte Klimaaktivistin Luisa Neubauer: «Das war ĂŒberfĂ€llig.» 

ZdK-Chefin Stetter-Karp findet, Themen wie Nachhaltigkeit hĂ€tten in der aktuellen Regierung zu wenig Raum. Doch es sei wichtig, darĂŒber zu sprechen. In einem TV-Interview versicherte Wilmer: Die Kirche mĂŒsse AnwĂ€ltin der Erde sein. «Kirche muss den Schrei der Schöpfung hören, muss achtsam sein, wenn schĂ€big mit der Umwelt umgegangen wird.»

Extreme KrÀfte - nicht eingeladen, aber doch prÀsent

ReprÀsentanten und MandatstrÀger der AfD waren nicht zum offiziellen Teil des Katholikentags geladen. PrÀsent war das Thema dann trotzdem. Angesichts nationalistischer Aussagen der AfD, die an die dunkelsten Zeiten der Geschichte erinnerten, könne die Kirche nicht schweigen, sagte Wilmer. 

Bodo Ramelow (Linke), VizeprĂ€sident des Bundestags, bezeichnete die AfD aufgrund ihres Programms fĂŒr die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als sehr kirchenfeindlich.

Die Sorge vor Spaltungen in der Gesellschaft, vor dem weiteren Erstarken extremistischer KrĂ€fte war allgegenwĂ€rtig. CSU-Chef Söder sagte, die AfD sei erfolgreich, weil viele Menschen sich vor VerĂ€nderung sorgten und Angst vor Abstieg hĂ€tten. «Und aus Angst erwĂ€chst hĂ€ufig auch RadikalitĂ€t.» Aufgabe aller sei es, die Demokratie zu erhalten. «Und da mĂŒssen wir alle noch viel mehr ĂŒber unseren Schatten springen, als wir glauben», sagte Söder. «Ich behaupte, dass die AfD die schlimmste rechte Organisation in ganz Europa ist.»

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