Bundeswehr, Rüstungspolitik

Heeresinspekteur drängt auf schnelleren Ausbau der Rüstungsindustrie und Bundeswehrreform

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Heeresinspekteur Christian Freuding drängt angesichts der Bedrohung durch Russland auf einen schnelleren Ausbau der deutschen Rüstungsindustrie und eine zügige Reform der Bundeswehr. Dabei fordert er mehr Kampfkraft, breitere Drohnenschulungen für alle Soldaten und stellt auch eine mögliche Verpflichtung der Bürger in den Raum, sollte Freiwilligkeit nicht ausreichen.

Heeresinspekteur fordert schnelleren Ausbau der Rüstungsindustrie
Soldat der Bundeswehr (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Heeresinspekteur und Generalleutnant Christian Freuding fordert angesichts der Bedrohung durch Russland deutlich mehr Tempo beim Ausbau der Rüstungsindustrie und bei der Reform der Bundeswehr. Ziel sei es, möglichst früh eine militärische Stärke zu erreichen, die einen Angriff abschreckt.

Warnung vor möglicher russischer Angriffsfähigkeit

Freuding verweist auf Prognosen der NATO, nach denen Russland bis 2029 in die Lage versetzt werden könnte, das entsprechende Territorium des Bündnisses anzugreifen, und betont, dies sei „kein zufällig gegriffenes Datum“. Einen möglichen Angriff müsse Deutschland verhindern, indem es zum frühestmöglichen Zeitpunkt militärische Stärke demonstriere, die glaubwürdig abschrecke. Der Heeresinspekteur mahnt, der Gegner warte nicht darauf, dass Deutschland seine Vorhaben vollständig umgesetzt habe.

Bezug zum Krieg in der Ukraine

In diesem Zusammenhang verknüpft Freuding die Lage in Europa mit dem Verlauf des Krieges in der Ukraine. Je früher dieser Krieg ende, desto früher würden die russischen Streitkräfte nach seiner Einschätzung wieder in der Lage sein, ihre Fähigkeiten auf einen möglichen Angriff gegen NATO-Staaten auszurichten. Daraus leitet er die Notwendigkeit ab, die eigenen Kapazitäten rasch zu erhöhen und die Bundeswehr insgesamt schneller einsatzbereit zu machen.

Strukturreform und Ausbildung an Drohnentechnik

Zur Reform der Bundeswehr zählt für Freuding nicht nur technologische Innovation, sondern auch die Weiterentwicklung des Personals. Er betont, dass die Bundeswehr bei einer Neuordnung an Kampfkraft und Einsatzwert gewinnen müsse. Bereits in der Grundausbildung gebe es einen Basiskurs zur Bedienung von Drohnen, den künftig jeder Soldat absolvieren soll. Nach seinen Worten muss jeder „Drohnenaufklärer“ oder „Drohnenabwehrer“ sein, um den Herausforderungen moderner Gefechtsfelder gewachsen zu sein.

Haltung zur Wehrpflicht

Zur Frage der Wehrpflicht äußert Freuding, er halte es grundsätzlich für richtig, wenn ein freiheitlich verfasster Staat zunächst auf Freiwilligkeit setzt, um sich selbst verteidigen zu können. Reiche Freiwilligkeit jedoch nicht aus, sei es ebenso richtig, dass der Staat das Mitwirken seiner Bürgerinnen und Bürger im erforderlichen Maße zur Verpflichtung mache. Damit stellt er eine mögliche Rückkehr zu verpflichtenden Diensten in einen prinzipiellen Rahmen, ohne eine konkrete Maßnahme zu benennen.

Bewertung der „Zeitenwende“ und langfristige Herausforderungen

Die von Altkanzler Olaf Scholz nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 ausgerufene „Zeitenwende“ sieht Freuding auf einem guten Weg. Man habe die „Startblöcke verlassen“ und sei „gut auf der Strecke“, sagt der Heeresinspekteur. Zugleich macht er deutlich, dass es bei dieser Aufgabe keinen fixen Endpunkt gebe. Die sicherheitspolitische Dynamik werde die Bundeswehr in den kommenden Jahrzehnten täglich vor neue Herausforderungen stellen, denen sie nur gewachsen sei, wenn sie sich immer wieder schnell und nachhaltig anpassen könne.

Resilienz und Vertrauen in eigene Fähigkeiten

Abschließend verweist Freuding auf die Bedeutung einer Resilienzkultur in Deutschland. Wer beim Thema Widerstandsfähigkeit immer nur auf andere Staaten schaue, solle die eigenen Fähigkeiten nicht unterschätzen. Deutschland müsse sich zutrauen, die notwendige Anpassungsfähigkeit und Robustheit selbst zu entwickeln und damit den Auftrag der Bundeswehr auch unter wechselnden Rahmenbedingungen erfüllen zu können.

Die Forderungen von Heeresinspekteur Christian Freuding nach einem schnelleren Ausbau der Rüstungsindustrie und einer zügigen Reform der Bundeswehr stehen in einem sicherheitspolitischen Umfeld, das von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und zunehmenden hybriden Bedrohungen gegen Europa geprägt ist. Zugleich betonen Verantwortliche an der östlichen NATO-Flanke, dass ein konventioneller russischer Angriff auf ein Bündnismitglied kurzfristig als eher unwahrscheinlich gilt, auch wenn das Risiko insgesamt als gestiegen eingeschätzt wird.

Sicherheitspolitischer Kontext und Russland-Bedrohung

Freuding verweist auf NATO-Prognosen, wonach Russland ab 2029 in der Lage sein könnte, Territorium des Bündnisses anzugreifen. Diese Einschätzung knüpft an eine breitere Debatte über die langfristige russische Aufrüstung und die Frage an, ob Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit des Westens dauerhaft ausreichen. Gleichzeitig unterstreichen Vertreter osteuropäischer Staaten, dass sie derzeit keine konkreten Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende konventionelle Offensive sehen, die Vorbereitung auf mögliche Aggression jedoch als notwendig erachten. Diese Gemengelage erklärt, warum Freuding militärische Stärke und glaubwürdige Abschreckung bereits in den nächsten Jahren zur Priorität macht.

Bundeswehrreform, Drohnen und Personal

Die von Freuding adressierte Reform der Bundeswehr verbindet technologische Modernisierung mit strukturellen Veränderungen beim Personal. Der Basiskurs zur Drohnenbedienung in der Grundausbildung und die Forderung, dass künftig jeder Soldat als „Drohnenaufklärer“ oder „Drohnenabwehrer“ ausgebildet sein soll, spiegeln Erfahrungen aus aktuellen Konflikten wider, in denen unbemannte Systeme und deren Bekämpfung eine zentrale Rolle spielen. Damit knüpft die Bundeswehr an Entwicklungen an, die im Ukraine-Krieg sichtbar werden, wo Drohnen sowohl im Gefecht als auch in der Logistik eingesetzt werden und die Truppe zwingen, sich taktisch und technologisch anzupassen.

Wehrpflicht, Zeitenwende und langfristige Anpassung

Freuding ordnet seine Überlegungen zur möglichen Verpflichtung der Bürgerinnen und Bürger in das Leitbild eines freiheitlich verfassten Staates ein, der zunächst auf Freiwilligkeit setzt, im Bedarfsfall aber zur Verpflichtung übergehen kann. Dies steht im Zusammenhang mit der von Olaf Scholz ausgerufenen „Zeitenwende“, die er als begonnenen, aber langfristigen Prozess beschreibt. Für die Leser bedeutet dies: Die aktuelle Debatte reicht über einzelne Rüstungsprojekte hinaus und berührt Grundfragen staatlicher Sicherheitsvorsorge, der Rolle der Bundeswehr in der Gesellschaft und der Fähigkeit Deutschlands, sich in einem dynamischen Bedrohungsumfeld dauerhaft zu behaupten.

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