EU-China-Handel, Hybridautos

Hybridauto-Exporte: EU und China vereinbaren deutliche Begrenzung

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 18:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die EU und China haben sich auf eine Begrenzung chinesischer Hybridauto-Exporte nach Europa verstĂ€ndigt. Die Lieferungen könnten in den kommenden vier Jahren um mehrere Millionen Fahrzeuge sinken – eine Entlastung fĂŒr europĂ€ische Hersteller, deren genaue Wirkung aber noch von der Umsetzung abhĂ€ngt.

EU-Handelskommissar Sefcovic sprach in Peking mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang.  - Bild: Johannes Neudecker/dpa
EU-Handelskommissar Sefcovic sprach in Peking mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang. - Bild: Johannes Neudecker/dpa

Die EuropÀische Union und China haben sich in Peking auf eine deutliche Begrenzung chinesischer Exporte von Hybrid- und Plug-in-Hybridautos nach Europa verstÀndigt.

Lieferungen sollen deutlich sinken

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic sagte nach GesprĂ€chen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao, die Lieferungen könnten um mehr als die HĂ€lfte zurĂŒckgehen. Über die kommenden vier Jahre solle sich die Zahl der exportierten Fahrzeuge um „einige Millionen Fahrzeuge“ verringern.

China hatte zuvor eine ErklÀrung veröffentlicht, die eine Einigung bestÀtigte, aber keine Einzelheiten nannte. Nach Angaben beider Seiten soll die Vereinbarung mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar sein.

Druck auf deutsche Hersteller

Die VerstÀndigung könnte den Wettbewerbsdruck auf deutsche Autobauer etwas mindern. Hybride und Plug-in-Hybride machten im August mehr als 44 Prozent der Neuzulassungen in der EU aus.

Chinesische Hersteller konnten in diesem Segment zuletzt Marktanteile gewinnen. VW-Chef Oliver Blume hatte vor dem aggressiven Vorgehen chinesischer Anbieter gewarnt. Im zweiten Quartal stammte laut den Angaben jeder dritte in Europa verkaufte Plug-in-Hybrid von einem chinesischen Hersteller.

VDA begrĂŒĂŸt Vereinbarung vorsichtig

Der Verband der Automobilindustrie begrĂŒĂŸte die VerstĂ€ndigung als erstes positives Signal. Eine abschließende Bewertung sei aber erst möglich, wenn konkrete Inhalte, Rahmenbedingungen und Auswirkungen bekannt seien.

Der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange sprach von ersten Fortschritten, aber nicht von einem zentralen Durchbruch. Die Importreduzierung könne den Druck auf europÀische Autobauer lindern, ohne den europÀischen Markt abzuschotten.

Weitere Streitpunkte bleiben offen

Die Vereinbarung ist Teil einer gemeinsamen ErklĂ€rung mit insgesamt 16 Punkten. Beide Seiten wollen innerhalb der WTO-Regeln nach Möglichkeiten suchen, Zölle fĂŒr bestimmte GĂŒter zu reduzieren. Nur die EU-Mitteilung sprach zusĂ€tzlich von einer möglichen Beseitigung von Zöllen.

Bei Exportkontrollen vereinbarten EU und China mehr Transparenz bei der Aufnahme in oder der Streichung von Kontrolllisten. China will die Genehmigung von Ausfuhren seltener Erden und Permanentmagneten in die EU im Schnellverfahren erleichtern. Die EU will im Gegenzug spezifische vorrangige Genehmigungen fĂŒr GĂŒter mit doppeltem Verwendungszweck erleichtern.

Entscheidung liegt bei EU-Staaten

Die Ergebnisse sollen EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und den Mitgliedstaaten vorgelegt werden. FĂŒr Januar ist ein weiteres Treffen per Videoschalte geplant, die dritte Runde der Handels- und Investitionsberatungen soll im MĂ€rz stattfinden.

Deutschland und Frankreich dringen angesichts der Belastungen fĂŒr die europĂ€ische Industrie zugleich auf ein schĂ€rferes Vorgehen gegen chinesische Importe. Die EU importierte im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 360 Milliarden Euro mehr aus China, als sie dorthin exportierte.

Ein Kompromiss mit begrenzter Reichweite

Die VerstĂ€ndigung ĂŒber Hybridautos steht im Zentrum eines deutlich grĂ¶ĂŸeren Handelskonflikts zwischen der EuropĂ€ischen Union und China. BrĂŒssel wirft Peking staatliche Subventionen und dadurch verzerrten Wettbewerb vor. China wiederum weist protektionistische Maßnahmen der EU zurĂŒck. Das im vergangenen Jahr auf rund 360 Milliarden Euro angewachsene Warenhandelsdefizit der EU mit China erhöht den politischen Druck.

FĂŒr die europĂ€ische Autoindustrie ist die Vereinbarung deshalb relevant, weil chinesische Hersteller ihren Absatz in Europa nicht mehr nur mit vollelektrischen Fahrzeugen ausweiten. Hybrid- und Plug-in-Hybridautos verbinden Verbrennungsmotor und Elektrotechnik und treffen damit ein Marktsegment, in dem europĂ€ische Hersteller bislang stark vertreten sind. Eine Begrenzung der Einfuhren könnte den Preisdruck kurzfristig verringern, verĂ€ndert aber nichts an den Kosten- und Technologieunterschieden.

Seltene Erden bleiben ein zweites Konfliktfeld

Parallel zu den Autoexporten geht es um kritische Rohstoffe und industrielle Lieferketten. China ist ein zentraler Produzent seltener Erden und wichtiger Magnetmaterialien; erleichterte Genehmigungen können deshalb fĂŒr europĂ€ische Unternehmen unmittelbar bedeutsam sein. Im Gegenzug soll die EU Genehmigungen fĂŒr bestimmte GĂŒter mit doppeltem Verwendungszweck vereinfachen.

Die Vereinbarung muss nun von der EU-KommissionsprĂ€sidentin und den Mitgliedstaaten bewertet werden. FĂŒr Verbraucher können sich die Folgen vor allem ĂŒber Fahrzeugpreise, Modellangebot und den Wettbewerbsdruck auf Hersteller zeigen. Eine abschließende Wirkung hĂ€ngt davon ab, wie die Exportbegrenzung konkret ausgestaltet und kontrolliert wird.

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