Ilse Aigner, Bundespräsidentenwahl

Ilse Aigner: Brantner begrüßt Kandidatur und kritisiert Merz

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 21:05 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die Grünen-Chefin würdigt Aigners politische Erfahrung und sieht in einer Frau an der Staatsspitze ein überfälliges Signal. Zugleich wirft sie Friedrich Merz vor, die Kandidatensuche der Union nicht geführt zu haben.

Bundesversammlung entscheidet über Steinmeier-Nachfolge

  • Franziska Brantner verbindet ihre Zustimmung zu Ilse Aigner mit Kritik am Vorgehen von CDU und CSU.
  • Brantner fordert für das Staatsoberhaupt Empathie, Offenheit und eine entschlossene Verteidigung der Demokratie.
  • Friedrich Merz soll das CDU-Präsidium am Sonntagabend über seine Entscheidung informiert haben.
Franziska Brantner (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Brantner unterstützt Aigner trotz Kritik an Unionsverfahren

Grünen-Chefin Franziska Brantner begrüßt die Nominierung der CSU-Politikerin Ilse Aigner für das Bundespräsidentenamt, kritisiert den Ablauf der Kandidatensuche von CDU und CSU jedoch als „mehr als unglücklich“. Aigner soll als Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für die Union antreten.

Brantner sieht Zeit für eine Frau im höchsten Staatsamt

„Nach über 75 Jahren ist es höchste Zeit, dass eine Frau das höchste Amt im Staat übernimmt“, sagte Brantner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sie schätze Aigner, die in ihren bisherigen politischen Ämtern empathisch und verbindlich aufgetreten sei.

Brantner hoffe, dass Aigner auch als Bundespräsidentin Brücken bauen und das Land zusammenführen werde. Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spaltung brauche es aus ihrer Sicht eine Persönlichkeit, die mit Empathie und Offenheit begegne, verbinde, die Demokratie entschlossen verteidige, wichtige Debatten anstoße und einen klaren moralischen Kompass habe.

Kritik an Friedrich Merz

Gleichzeitig beanstandete Brantner den Prozess der Kandidatenfindung bei CDU und CSU. Dass Bundeskanzler Friedrich Merz zu keinem Zeitpunkt Führung übernommen und die Debatte stattdessen laufen gelassen habe, lasse „tief blicken“, sagte die Grünen-Chefin.

Ein solches Schauspiel werde der „Bedeutung und Würde des höchsten Staatsamtes nicht gerecht“, kritisierte Brantner. Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass sich die CDU nach Monaten des Werbens durch die CSU hinter Aigner stellen will.

CDU-Präsidium befasst sich mit der Entscheidung

Am Sonntagabend informierte Merz übereinstimmenden Berichten zufolge das CDU-Präsidium bei einem Abendessen über seine Entscheidung. Die Wahl des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin erfolgt durch die Bundesversammlung.

Die Unterstützung für Ilse Aigner markiert eine besondere Konstellation in der Geschichte des deutschen Staatsoberhaupts: Seit 1949 hatte das Amt ausschließlich Männer inne. Aigner wäre bei einer erfolgreichen Wahl die erste Frau im Bundespräsidentenamt.

Die Bundesversammlung wählt den Bundespräsidenten oder die Bundespräsidentin. Ihr gehören die Mitglieder des Bundestages sowie eine gleich große Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der Länder an. Für die Wahl ist deshalb nicht nur die innerparteiliche Einigung von CDU und CSU entscheidend, sondern auch die Suche nach einer ausreichenden Mehrheit über das Unionslager hinaus.

Entscheidung der Union und offene Mehrheiten

Die Union hat Aigner als gemeinsame Kandidatin positioniert, nachdem die CDU ihre Unterstützung signalisiert hatte. Ihre politische Erfahrung als CSU-Politikerin und Präsidentin des Bayerischen Landtags kann dabei für eine parteiübergreifende Ansprache relevant sein; zugleich bleibt offen, welche Parteien sie in der Bundesversammlung unterstützen werden.

Brantners Zustimmung verbindet Anerkennung der Person mit Kritik am Verfahren. Damit rückt neben der historischen Bedeutung einer möglichen ersten Bundespräsidentin auch die Frage in den Mittelpunkt, wie geschlossen und transparent die Union die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier vorbereitet hat.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Steinmeier-Nachfolge - CDU-Präsidium berät in Berlin“ (08.11.2026)

Der Beitrag ordnet die Beratungen des CDU-Präsidiums ein und nennt Aigner als erwartete gemeinsame Kandidatin der Union für die Wahl in der Bundesversammlung. Der Schwerpunkt liegt auf dem anstehenden parteiinternen Beschluss und dem weiteren Verfahren.

tagesschau: „Ilse Aigner im Porträt: Krisenerprobt, bürgernah - und bald ...“ (07.11.2026)

Das Porträt stellt Aigners politische Laufbahn und ihr öffentliches Profil heraus. Anders als der Deutschlandfunk-Beitrag richtet es den Blick stärker auf die Person und ihre mögliche Rolle als erste Frau an der Staatsspitze; die formelle Bekanntgabe blieb zum Veröffentlichungszeitpunkt noch aus.

Gemeinsam ist den Beiträgen die Einordnung Aigners als Unionskandidatin für die Steinmeier-Nachfolge. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt zwischen parteiinternem Verfahren und persönlichem Profil; offen bleibt die endgültige formelle Nominierung.

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