Ilse Aigner, BundesprÀsidentenwahl

Ilse Aigner: CDU soll CSU-Politikerin am Montag nominieren

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 14:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die CDU-FĂŒhrung soll am Montag die gemeinsame Kandidatur der CSU-Politikerin offiziell bestĂ€tigen. Damit steigen die Chancen auf eine Wahl im Januar deutlich, zugleich wird das belastete VerhĂ€ltnis zwischen Friedrich Merz und Markus Söder auf die Probe gestellt.

Bundesversammlung entscheidet im Januar

  • Markus Söder brachte Ilse Aigner im April als Kandidatin fĂŒr das höchste Staatsamt ins GesprĂ€ch.
  • Die Bundesversammlung tritt am 30. Januar zur Wahl des BundesprĂ€sidenten oder der BundesprĂ€sidentin zusammen.
  • Aigner wĂ€re die erste CSU-Politikerin und die erste Frau an der Staatsspitze der Bundesrepublik.
  • Merz und Söder: Zwischen den beiden ist die Kandidatinnen-Findung nicht rund gelaufen. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Aigner wurde auf dem CSU-Parteitag bejubelt. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Klöckner wurde zuletzt als aussichtsreichste CDU-Frau gehandelt. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Merz und Söder: Zwischen den beiden ist die Kandidatinnen-Findung nicht rund gelaufen. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa Aigner wurde auf dem CSU-Parteitag bejubelt. (Archivbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa Klöckner wurde zuletzt als aussichtsreichste CDU-Frau gehandelt. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa

Ilse Aigner steht vor offizieller Unionsnominierung

Die CDU-Spitze soll am Montag ĂŒber Ilse Aigner als gemeinsame Kandidatin von CDU und CSU fĂŒr das Amt der BundesprĂ€sidentin entscheiden. Die Wahl in der Bundesversammlung ist fĂŒr den 30. Januar vorgesehen.

Entscheidung der CDU-FĂŒhrung erwartet

Das PrÀsidium der CDU kommt bereits am Sonntagabend zu einer informellen Vorbesprechung zusammen. Es wird erwartet, dass Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz die 61 Jahre alte bayerische LandtagsprÀsidentin dort offiziell vorschlÀgt.

CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner bereits im April als Kandidatin ins GesprĂ€ch gebracht. In dieser Woche verstĂ€ndigte sich nach Angaben mehrerer hochrangiger Quellen aus der Union auch die CDU-FĂŒhrung informell auf sie.

SPD signalisiert UnterstĂŒtzung

Aigner kann neben der Union auch mit UnterstĂŒtzung der SPD rechnen. Zudem gibt es Sympathien bei den GrĂŒnen. Union und SPD verfĂŒgen in der Bundesversammlung gemeinsam ĂŒber eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.

Damit gilt eine Wahl Aigners als wahrscheinlich. Sie wÀre nach zwölf MÀnnern in 77 Jahren Bundesrepublik die erste Frau an der Staatsspitze.

Karriere vor dem höchsten Staatsamt

FĂŒr Aigner wĂ€re die Wahl der Höhepunkt ihrer politischen Laufbahn. Sie war Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Ministerin im Bund und in Bayern und ist seit 2018 PrĂ€sidentin des bayerischen Landtags.

Als BundesprĂ€sidentin mĂŒsste sie parteiĂŒbergreifend wirken und in politischen Krisen stabilisieren. In einem Instagram-Beitrag zu ihrer Zeit als LandtagsprĂ€sidentin betonte sie ihren Anspruch, parteipolitisch neutral zu bleiben und zugleich Demokratie und Verfassung zu schĂŒtzen.

Merz und Söder unter politischem Druck

Merz hatte sich lange nicht öffentlich auf Aigner festgelegt und auf eine Entscheidung nach den Landtagswahlen im September verwiesen. Söder war dagegen mit seinem Vorschlag frĂŒh an die Öffentlichkeit gegangen und hatte Aigner im Oktober auf dem CSU-Parteitag RĂŒckenwind gegeben.

In der CDU wurde Söders Vorgehen als Vorpreschen wahrgenommen. In der CSU sorgte der lange Findungsprozess der CDU fĂŒr Unmut. Die offizielle Einigung könnte deshalb zwar die Personalfrage klĂ€ren, das Vertrauen zwischen den Unionsparteien aber nur schrittweise wiederherstellen.

Folgen fĂŒr CDU-Frauen und CSU

Auch CDU-Politikerinnen wie BundestagsprÀsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ines Claus waren als mögliche Kandidatinnen genannt worden. Ihre nicht erfolgte Nominierung muss ihre politischen Karrierechancen jedoch nicht beeintrÀchtigen.

FĂŒr die CSU wĂ€re Aigner die erste Politikerin der Partei im höchsten Staatsamt. Söder verlöre zugleich eine mögliche innerbayerische Konkurrentin. Eine weitere Kanzlerkandidatur des CSU-Chefs dĂŒrfte durch eine Aigner-Wahl schwieriger werden, weil zwei der höchsten StaatsĂ€mter kaum dauerhaft bei der CSU liegen wĂŒrden.

Koalition braucht gemeinsame Vermittlung

FĂŒr die Koalition ist Aigner grundsĂ€tzlich eine anschlussfĂ€hige Kandidatin, weil die SPD ihre UnterstĂŒtzung bereits signalisiert hat. Ein spĂ€ter Wechsel auf eine CDU-Kandidatin hĂ€tte dagegen das Risiko eines Koalitionsstreits erhöht.

Die formelle Entscheidung der CDU-FĂŒhrung steht noch aus. Danach muss die Bundesversammlung am 30. Januar ĂŒber die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden.

Die Entscheidung ĂŒber die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers ist eng mit dem KrĂ€fteverhĂ€ltnis in der Union verknĂŒpft. Die Bundesversammlung wĂ€hlt das Staatsoberhaupt am 30. Januar 2027. Sie besteht aus den 630 Bundestagsabgeordneten und einer gleich großen Zahl von Wahlleuten aus den LĂ€ndern.

Union und SPD verfĂŒgen dort nach den vorliegenden MehrheitsverhĂ€ltnissen gemeinsam ĂŒber etwa 50 Stimmen mehr als die erforderliche Mehrheit. Eine gemeinsame Kandidatur wĂŒrde deshalb nicht nur Aigners Wahlchancen erhöhen, sondern auch die Zustimmung der Koalitionspartner sichtbar machen. Sympathien aus den GrĂŒnen könnten zusĂ€tzlich die ĂŒberparteiliche Ausstrahlung der Kandidatin stĂ€rken.

Signal fĂŒr Union und Staatsamt

Aigner wĂ€re nach zwölf MĂ€nnern in 77 Jahren Bundesrepublik die erste Frau im Amt. Zugleich kĂ€me erstmals eine CSU-Politikerin an die Staatsspitze. Das verleiht der Personalie ĂŒber die konkrete Wahl hinaus Bedeutung fĂŒr die ReprĂ€sentation des höchsten Staatsamtes.

FĂŒr Friedrich Merz und Markus Söder endet mit der Einigung ein monatelanger innerparteilicher Konflikt, der das VerhĂ€ltnis zwischen CDU und CSU belastet hat. Die Entscheidung schafft damit eine Voraussetzung fĂŒr eine engere Zusammenarbeit, beseitigt aber nicht automatisch den politischen Konkurrenzdruck zwischen den Parteichefs.

Die nÀchsten formellen Schritte

Entscheidend ist zunĂ€chst das Votum der CDU-FĂŒhrung am Montag. Erst danach ist die gemeinsame Nominierung der Union offiziell abgeschlossen. FĂŒr die Koalition hĂ€ngt viel davon ab, ob die Personalentscheidung als gemeinsamer Beschluss vermittelt wird und nicht als Ergebnis eines öffentlichen Machtkampfs.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Ilse Aigner soll laut ARD-Informationen BundesprĂ€sidentin werden“ (06.11.2026)

Der Beitrag berichtet, CDU und CSU wollten Aigner als Kandidatin vorschlagen, und hebt die mögliche Mehrheit von Union und SPD in der Bundesversammlung hervor. Anders als die dpa-Meldung nennt er zusĂ€tzlich die GrĂ¶ĂŸe der Bundesversammlung und ordnet die Rolle der GrĂŒnen sowie einen möglichen AfD-Gegenkandidaten ein.

ZDFheute: „Ilse Aigner soll BundesprĂ€sidentin werden: Kandidatin der Union“ (06.11.2026)

Der Artikel beschreibt die Zustimmung der CDU als entscheidenden Schritt und stellt die Personalie in den Zusammenhang des Machtkampfs zwischen Merz und Söder. ZusĂ€tzlich schildert er Aigners beruflichen Weg und ihre politische Laufbahn; offen bleibt dort zunĂ€chst die formelle VerkĂŒndung durch die CDU.

Beide BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass Aigner als gemeinsame Unionskandidatin vorgesehen ist und am 30. Januar gewĂ€hlt werden soll. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: WĂ€hrend der eine Beitrag die MehrheitsverhĂ€ltnisse und das Verfahren betont, rĂŒckt der andere den innerparteilichen Konflikt und Aigners Biografie in den Mittelpunkt.

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