Ilse Aigner: Merz löst beim CSU-Parteitag Jubel aus
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 14:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSignale aus München und Söders Vorstoß
- Friedrich Merz begrüßte Ilse Aigner beim CSU-Parteitag in München mit Wangenküsschen.
- Markus Söder sagte, er würde Aigner das Amt der Bundespräsidentin von Herzen gönnen.
- Aigner erklärte, die Entscheidung über die Kandidatur liege bei den Parteichefs.
Merz begrüßt Aigner und schweigt zur Präsidentenfrage
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner beim CSU-Parteitag in München demonstrativ hervorgehoben und mit Wangenküsschen begrüßt. Die Delegierten reagierten mit Jubel, doch zur Frage, wer Frank-Walter Steinmeier im kommenden Jahr als Bundespräsident nachfolgen soll, sagte Merz in seiner Rede kein Wort.
Aigner erhält prominenten Platz in Merz' Begrüßung
Merz nannte Aigner unmittelbar nach CSU-Chef Markus Söder und noch vor dem Chef der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber. Die 61-Jährige saß in der ersten Reihe, stand auf und winkte den Delegierten zu.
Die Geste fiel auf, weil Merz Aigner bei den CSU-Parteitagen 2024 und 2025 nicht in vergleichbarer Weise namentlich begrüßt hatte. Aigner gilt als Wunschkandidatin der CSU für das Bundespräsidentenamt; auch aus SPD und Grünen erhält sie Zuspruch.
Söder wirbt erneut für Parteifreundin
Söder setzte sich in seiner 73-minütigen Rede erneut für Aigner ein. Dabei sagte er, er würde es sich von Herzen gönnen, wenn sie nächste Bundespräsidentin werde, und korrigierte den Versprecher später auf Instagram.
Aigner selbst äußerte sich auf dem Parteitag nicht ausführlich. Sie sagte lediglich, sie freue sich über den großen Rückhalt und die Entscheidung liege bei den Parteichefs.
Präsidentenfrage berührt Söders Zukunft
Das Werben für Aigner steht auch im Zusammenhang mit Söders eigener politischer Position. Nachdem die CSU bei den Kommunalwahlen Rückschläge hinnehmen musste, hatte Söder Ende April erstmals öffentlich Aigner ins Gespräch gebracht.
Innerhalb der CSU wurde dieser Schritt auch als Versuch gewertet, Söders Stellung zu stabilisieren. Zugleich stellt sich die Frage, welche Auswirkungen eine mögliche Wahl Aigners auf die politische Konstellation in Bayern und auf Söders langfristige Ambitionen hätte.
Merz lässt Entscheidung offen
Merz wurde auf dem Parteitag mehrfach von Applaus unterbrochen und herzlich empfangen. Eine Entscheidung zugunsten Aigners verkündete er jedoch nicht.
In den kommenden Wochen muss die Union die Nachfolge Steinmeiers klären. Der CSU-Parteitag hat dabei deutlich gemacht, dass die bayerische Schwesterpartei Aigner favorisiert.
Die Bundespräsidentenwahl steht spätestens Anfang 2027 an, weil die Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier im Frühjahr 2027 endet. Die Bundesversammlung wählt das Staatsoberhaupt; sie setzt sich aus den Mitgliedern des Bundestags und einer gleichen Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der Länder zusammen.
Ilse Aigner bringt für eine Kandidatur ein bundespolitisches Profil, langjährige Regierungserfahrung und ein hohes Amt in Bayern mit. Ihre Unterstützung reicht nach der dpa-Meldung über die CSU hinaus. Für die Union ist die Entscheidung dennoch politisch anspruchsvoll, weil CDU und CSU einen gemeinsamen Vorschlag benötigen und die CDU-Führung ihre Präferenz bislang nicht öffentlich festgelegt hat.
Signal ohne Festlegung
Merz' prominente Begrüßung konnte den Wunsch der CSU sichtbar aufnehmen, ohne eine formelle Zusage zu enthalten. Dass er Aigner in seiner Rede nicht zur möglichen Kandidatin erklärte, hält die Entscheidung innerhalb der Union offen. Für die CSU ist der Parteitag damit vor allem ein Mobilisierungssignal: Die Delegierten haben deutlich gemacht, wen sie favorisieren.
Söders Werben verbindet die Präsidentenfrage mit seiner eigenen Stellung in Bayern und in der Bundespartei. Eine Aigner-Kandidatur könnte die politische Statik in Bayern verändern, falls sie erfolgreich wäre. Entscheidend wird nun, ob Merz und die CDU-Spitze den CSU-Vorschlag übernehmen und wann die Union ihre Entscheidung offiziell macht.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Merz auf CSU-Parteitag bejubelt für Begrüßung Aigners“ (24.10.2026)
Der Beitrag berichtet, Merz habe Aigner nach Söder und vor Manfred Weber namentlich begrüßt und damit stehenden Applaus ausgelöst. Im Mittelpunkt steht das Signal der Begrüßung, während eine Festlegung auf ihre Kandidatur ausgeblieben sei.
STERN: „Merz äußert sich nicht zu Aigners Ambitionen als Bundespräsidentin“ (24.10.2026)
Der Artikel hebt hervor, Merz habe sich in seiner Rede nicht zu einer möglichen Kandidatur Aigners geäußert. Damit bestätigt er den offenen Ausgang und setzt einen stärkeren Schwerpunkt auf das Ausbleiben einer Erklärung als auf die Wirkung der Begrüßung.
Einigkeit besteht darin, dass Aigner beim Parteitag sichtbar unterstützt wurde und Merz keine formelle Entscheidung verkündete. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung des positiven Signals und der politischen Zurückhaltung.
