Ilse Aigner: Merz schlÀgt CSU-Politikerin als PrÀsidentin vor
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 21:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSParteien beraten ĂŒber Aigners Kandidatur
- Friedrich Merz will Ilse Aigner am Montag den CDU-Parteigremien vorschlagen.
- Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar ĂŒber die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
- Die AfD kĂŒndigte einen eigenen Kandidaten an, wĂ€hrend die Linke noch keine abschlieĂende Entscheidung getroffen hat.
Merz schlĂ€gt Aigner fĂŒr das höchste Staatsamt vor
Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hat sich fĂŒr Ilse Aigner als Kandidatin fĂŒr das Amt der BundesprĂ€sidentin entschieden. Am Montag will er die 61-JĂ€hrige den CDU-Parteigremien vorschlagen; die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar ĂŒber die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
Aigner bringt Regierungserfahrung mit
Die bayerische LandtagsprÀsidentin wÀre die erste Frau und die erste CSU-Politikerin an der Staatsspitze der Bundesrepublik Deutschland. Aigner war Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Bundes- und Landesministerin und steht seit 2018 an der Spitze des Bayerischen Landtags.
Das Amt ĂŒbernimmt in der politischen Ordnung eine ĂŒberparteiliche und vermittelnde Funktion. Der BundesprĂ€sident soll in Krisen stabilisieren und politische KrĂ€fte zusammenfĂŒhren, etwa bei schwierigen MehrheitsverhĂ€ltnissen oder einem Zerbrechen einer Regierung.
CDU-Entscheidung steht noch aus
Die CSU hatte Aigner bereits als Kandidatin festgelegt, die SPD ihre UnterstĂŒtzung zugesichert. Mit Merzâ Positionierung zeichnet sich eine gemeinsame Kandidatur der Koalitionsparteien ab; das offizielle Votum der CDU steht jedoch noch aus.
In der CDU waren unter anderem BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, die frĂŒhere Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und die hessische Fraktionschefin Ines Claus als mögliche Alternativen im GesprĂ€ch.
Entscheidung belastet VerhÀltnis in der Union
Merz hatte sich zunÀchst nicht festgelegt, nachdem CSU-Chef Markus Söder Aigner im April ins GesprÀch gebracht hatte. Auch nach den Landtagswahlen im September und dem CSU-Parteitag im Oktober blieb eine Entscheidung des Kanzlers zunÀchst aus.
Die spÀte Festlegung wird deshalb innerhalb der Union unterschiedlich bewertet. WÀhrend einige Merz als Getriebenen sehen, werfen andere Söder vor, den CDU-Chef durch öffentliches Vorpreschen unter Druck gesetzt zu haben.
Koalition setzt auf gemeinsame Kandidatin
FĂŒr die Koalition gilt Aigner als anschlussfĂ€hige Lösung, weil die SPD frĂŒh Sympathien fĂŒr sie gezeigt hatte. Ein Wechsel auf eine CDU-Kandidatin hĂ€tte nach EinschĂ€tzung politischer Beobachter den Zusammenhalt der Regierung belasten können.
Merz will Aigner als Kandidatin der Mitte prĂ€sentieren und damit auch die GrĂŒnen ansprechen. Die AfD hat einen eigenen Kandidaten angekĂŒndigt; die Linke hat sich noch nicht abschlieĂend festgelegt.
Die Personalie fĂ€llt in eine Phase, in der das BundesprĂ€sidentenamt wegen seiner vermittelnden Funktion besondere politische Bedeutung erhĂ€lt. Ilse Aigner bringt dafĂŒr Erfahrungen aus Bundes- und Landespolitik sowie aus dem Amt der bayerischen LandtagsprĂ€sidentin mit.
Mit der Festlegung von Friedrich Merz zeichnet sich zugleich ein gemeinsamer Vorschlag der Unionsparteien und der SPD ab. Die dpa-Meldung nennt fĂŒr die Koalition in der Bundesversammlung eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Damit dĂŒrfte Aigner bei der Wahl am 30. Januar auf eine gĂŒnstige Ausgangslage treffen.
Mehrheit und politische Mitte
FĂŒr die Wahl zur BundesprĂ€sidentin ist die Bundesversammlung entscheidend, nicht allein die StĂ€rke der Regierungsfraktionen im Bundestag. Merz verbindet die Kandidatur mit dem Anspruch, Aigner als Kandidatin der politischen Mitte zu prĂ€sentieren; die dpa-Meldung verweist dabei auf mögliche GesprĂ€che mit den GrĂŒnen.
Offen bleibt, welche weiteren Parteien Aigner unterstĂŒtzen und ob sie einen eigenen Wahlvorschlag aufstellen. Die AfD hat einen eigenen Kandidaten angekĂŒndigt, wĂ€hrend die Linke ihre Entscheidung noch nicht abschlieĂend getroffen hat.
Folgen fĂŒr Union und Koalition
Innerhalb der Union beendet die Entscheidung eine monatelange Suche, in der auch mehrere CDU-Politikerinnen als mögliche Kandidatinnen genannt worden waren. Zugleich belastet der öffentlich ausgetragene Entscheidungsprozess das VerhÀltnis zwischen Merz und CSU-Chef Markus Söder.
FĂŒr Söder verĂ€ndert die Kandidatur die politische Lage in Bayern und auf Bundesebene. Aigners Wechsel ins höchste Staatsamt wĂŒrde eine mögliche Konkurrentin in Bayern aus dem Spiel nehmen, zugleich aber die Aussicht auf eine CSU-Kanzlerkandidatur weiter erschweren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: âMerz legt sich auf Ilse Aigner als Kandidatin fĂŒr BundesprĂ€sidentenamt festâ (08.11.2026)
Der Deutschlandfunk habe berichtet, Merz wolle Aigner fĂŒr die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier nominieren. Der Beitrag setze den Schwerpunkt auf die formale AnkĂŒndigung durch eine CDU-Sprecherin und den bevorstehenden Vorschlag in den Parteigremien.
FOCUS online: âMerz will Ilse Aigner als BundesprĂ€sidentin vorschlagenâ (08.11.2026)
FOCUS online habe die offizielle AnkĂŒndigung von Merz hervorgehoben und als Termin fĂŒr die BundesprĂ€sidentenwahl den 30. Januar genannt. Beide BeitrĂ€ge stimmten beim Kern der Kandidatur ĂŒberein; der Deutschlandfunk habe stĂ€rker den parteiinternen Verfahrensschritt, FOCUS online stĂ€rker den konkreten Wahltermin betont.
Offen bleiben damit vor allem die formale Zustimmung der CDU-Gremien, die Haltung weiterer Fraktionen und die Frage, ob Aigner ĂŒber die Koalitionsmehrheit hinaus UnterstĂŒtzung erhĂ€lt.
