Ilse Aigner, CSU-Parteitag

Ilse Aigner: Merz schweigt auf CSU-Parteitag zur Präsidentenwahl

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Beim CSU-Parteitag demonstrieren die Delegierten geschlossen ihre Unterstützung für Ilse Aigner. Friedrich Merz vermeidet trotz einer persönlichen Begrüßung eine Festlegung auf die mögliche Kandidatin.

Die Bundesversammlung entscheidet im Januar

  • Markus Söder schlug Ilse Aigner auf dem CSU-Parteitag erneut für das Bundespräsidentenamt vor.
  • Die Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden.
  • Als CDU-Alternativen werden Karin Prien, Julia Klöckner, Annegret Kramp-Karrenbauer und Boris Rhein genannt.
  • Könnte Ilse Aigner die erste Bundespräsidentin werden? - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Von den Delegierten gibt es Jubel für Ilse Aigner. - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Friedrich Merz begrüßt Ilse Aigner mit Wangenküsschen. - Bild: Peter Kneffel/dpa
  • Markus Söder setzt sich seit Monaten für Ilse Aigner als nächste Bundespräsidentin ein. - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Friedrich Merz und Markus Söder stehen auf dem CSU-Parteitag eng zusammen. - Bild: Peter Kneffel/dpa
Könnte Ilse Aigner die erste Bundespräsidentin werden? - Bild: Sven Hoppe/dpa Von den Delegierten gibt es Jubel für Ilse Aigner. - Bild: Sven Hoppe/dpa Friedrich Merz begrüßt Ilse Aigner mit Wangenküsschen. - Bild: Peter Kneffel/dpa Markus Söder setzt sich seit Monaten für Ilse Aigner als nächste Bundespräsidentin ein. - Bild: Sven Hoppe/dpa Friedrich Merz und Markus Söder stehen auf dem CSU-Parteitag eng zusammen. - Bild: Peter Kneffel/dpa

Merz begrüßt Aigner und schweigt zur Präsidentenwahl

Friedrich Merz hat Ilse Aigner auf dem CSU-Parteitag in München mit Wangenküsschen begrüßt und zu Beginn seiner Rede ausdrücklich erwähnt. Eine Antwort auf die zentrale Frage, ob die CSU-Politikerin Bundespräsidentin werden soll, gab der Bundeskanzler in seiner 52-minütigen Rede jedoch nicht.

Jubel für die Wunschkandidatin

Die rund 700 Delegierten reagierten auf die Begrüßung mit langem Jubel und erhoben sich von ihren Plätzen. Aigner, die 61-jährige Präsidentin des bayerischen Landtags, zeigte sich in schwarz-roter Kleidung mit goldener Kette und nahm den Rückhalt sichtbar auf.

CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner erneut offiziell für das Amt vorgeschlagen. Auch aus SPD und Grünen erhält sie nach der dpa-Meldung Zustimmung, während die CDU ihren eigenen Anspruch auf das höchste Staatsamt nicht ohne Weiteres aufgeben will.

Söder erhöht den Druck

Söder sagte, die Entscheidung werde andernorts getroffen, er würde es sich aber von Herzen gönnen, wenn Aigner nächste Bundespräsidentin werde. Nach dem Parteitag argumentierte er, die CSU sei nach 75 Jahren ohne Bundeskanzler oder Bundespräsidenten nun ebenfalls an der Reihe.

Hinter Söders Vorstoß stehen auch innerparteiliche Überlegungen. Als er Aigner Ende April erstmals ins Gespräch brachte, befand sich die CSU nach zahlreichen verlorenen Stichwahlen in einer Schwächephase. Inzwischen gilt Söders Position wieder als stabiler; Aigner wird derzeit nicht als akute Konkurrentin um seine Stellung in Bayern gesehen.

Koalition vor schwieriger Einigung

Merz hatte im Sommer angekündigt, nach den Landtagswahlen im September eine Entscheidung herbeizuführen. Sein Zögern sorgt nun in der CDU ebenso für Unmut wie Söders Drängen in der Schwesterpartei.

Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung, die am 30. Januar über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entscheidet, gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Die drei Parteichefs müssen deshalb zunächst einen gemeinsamen Vorschlag finden und ihn anschließend in ihren Parteien abstimmen.

Mehrere CDU-Namen im Gespräch

Als mögliche CDU-Alternativen zu Aigner werden Bildungsministerin Karin Prien, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die frühere Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Hessens Ministerpräsident Boris Rhein genannt.

Merz hatte Aigner im Juli als „respektable, denkbare Bundespräsidentin“ bezeichnet. Auf dem CSU-Parteitag ließ er Sympathie erkennen, legte sich aber nicht auf ihre Kandidatur fest.

Die Bundespräsidentenwahl am 30. Januar 2027 wird zum ersten größeren Personaltest für das schwarz-rote Regierungsbündnis. Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung nach der dpa-Meldung gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Damit kann keine der beteiligten Parteien den Kandidaten allein durchsetzen, zugleich erhöht die rechnerische Mehrheit den Druck auf die Parteispitzen, einen gemeinsamen Vorschlag zu finden.

Mehrheit verlangt Einigung

Die CSU hat sich auf ihrem Parteitag deutlich hinter Ilse Aigner gestellt. Markus Söder versucht damit, den Anspruch der bayerischen Schwesterpartei sichtbar zu machen: Seit Bestehen der Bundesrepublik stellte die CSU weder den Bundeskanzler noch den Bundespräsidenten. Für Aigner spricht aus Sicht ihrer Unterstützer zudem, dass sie als Landtagspräsidentin über ein staatsmännisches und überparteiliches Amtserlebnis verfügt.

Für Friedrich Merz bleibt die Entscheidung politisch heikel. Eine Unterstützung Aigners könnte den inneren Zusammenhalt der Union sichern, zugleich müsste die CDU auf einen eigenen Anspruch verzichten. Hält Merz an einer CDU-Person fest, droht der Konflikt mit der CSU die ohnehin belastete Koalition zusätzlich zu beanspruchen.

Entscheidung mit Signalwirkung

Für die Bürgerinnen und Bürger ist die Personalie deshalb mehr als eine parteiinterne Rangfrage. Das Amt des Bundespräsidenten prägt politische Debatten vor allem durch Reden, Gesetzesausfertigungen und die repräsentative Vertretung Deutschlands. Entscheidend wird nun, ob Merz und die Parteivorsitzenden den gemeinsamen Kandidaten rechtzeitig in Union und SPD durchsetzen können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Die P-Frage betrifft Union: Merz erwähnt Aigner – und der Raum tobt“ (24.10.2026)

Der Beitrag berichtet, Merz habe mit der Begrüßung Aigners stehenden Applaus ausgelöst. Einen Schwerpunkt legt er auf die ausbleibende Festlegung des CDU-Vorsitzenden.

Tagesschau: „Merz auf CSU-Parteitag bejubelt für Begrüßung Aigners“ (24.10.2026)

Die Tagesschau berichtet ebenfalls über den Applaus für die Begrüßung und hebt hervor, Merz habe seine Haltung zur möglichen Kandidatur Aigners nicht offengelegt. Einigkeit besteht damit beim Ablauf, offen bleibt die Entscheidung der Union.

Beide Beiträge bestätigen die zentrale Spannung des Parteitags: Aigner erhält sichtbaren Rückhalt, während Merz keine Entscheidung verkündet. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung zwischen der Stimmung in der Halle und der offenen Personalfrage.

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