Ilse Aigner: Sieben CDU-Landeschefs werben für Kandidatur
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 15:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheit in der Bundesversammlung
- Bis Donnerstagnachmittag unterstützten sieben von 17 CDU-Landesvorsitzenden Aigner.
- Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.
- CDU-Präsidium und Bundesvorstand beraten voraussichtlich am Montag in Berlin.
CDU-Landeschefs werben für Ilse Aigner
In der CDU wächst die Unterstützung für eine Kandidatur von Ilse Aigner als Bundespräsidentin. Bis Donnerstagnachmittag sprachen sich sieben von 17 Landesvorsitzenden für die bayerische Landtagspräsidentin aus, darunter Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel und die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten.
Entscheidung der CDU-Führung steht bevor
Bundeskanzler Friedrich Merz und der Vorsitzende des größten CDU-Landesverbands Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, halten sich zurück. Wüst sagte der Deutschen Presse-Agentur, es gebe viele ausgesprochen geeignete Persönlichkeiten für das Amt.
Die Entscheidung fällt voraussichtlich am Montag, wenn CDU-Präsidium und Bundesvorstand im Berliner Konrad-Adenauer-Haus tagen. Die Bundesversammlung bestimmt am 30. Januar, wer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nachfolgen soll.
Unterstützung aus Ost und West
Die drei CSU-nahen ostdeutschen Ministerpräsidenten Mario Voigt aus Thüringen, Michael Kretschmer aus Sachsen und Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt hatten sich am Mittwoch hinter Aigner gestellt. Auch die CDU-Landeschefs von Berlin und Brandenburg unterstützen die 61-Jährige.
Inzwischen kamen Hagel und Hamburgs CDU-Landeschef Dennis Thering hinzu. Hagel begründete seine Unterstützung mit Aigners Erfahrung, ihrer Empathie und ihrer Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen.
Mehrere CDU-Politiker bleiben offen
Zu den CDU-Landeschefs, die sich bisher nicht festgelegt haben, gehören Wüst, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, Niedersachsens Landeschef Sebastian Lechner, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder und Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei bezeichnete Aigner als eine hervorragende Personalie, verwies aber zugleich auf weitere geeignete Frauen. Als mögliche CDU-Kandidatinnen werden Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ines Claus genannt.
SPD und Grüne signalisieren Zustimmung
Auch mehrere SPD-Ministerpräsidenten sowie Baden-Württembergs Regierungschef Cem Özdemir von den Grünen unterstützen Aigner. Özdemir sagte, Deutschland brauche angesichts tieferer Gräben eine Persönlichkeit, die Brücken baue und Menschen zusammenführe.
Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen und wollen sich auf einen gemeinsamen Vorschlag verständigen. Merz hat sich bislang auf eine Frau als Kandidatin der Mitte festgelegt.
Die Unterstützung für Ilse Aigner bündelt sich derzeit über Parteigrenzen hinweg. Innerhalb der Union sprechen sich Landespolitiker aus Ost- und Westdeutschland für die CSU-Politikerin aus; zugleich haben auch Sozialdemokraten und der baden-württembergische Grünen-Ministerpräsident Cem Özdemir Zustimmung signalisiert.
Für die CDU ist die Entscheidung politisch besonders relevant, weil die Landesverbände maßgeblich an der Aufstellung beteiligt sind. Die Hälfte der Mitglieder der Bundesversammlung wird von den Landesparlamenten entsandt. Unterstützung aus mehreren Ländern erhöht deshalb den innerparteilichen Druck, reicht aber allein nicht für eine Nominierung aus.
Entscheidung im Berliner Parteivorstand
Das CDU-Präsidium und der CDU-Bundesvorstand sollen am Montag in Berlin beraten. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich bislang auf das Profil einer Frau aus der politischen Mitte festgelegt. Eine gemeinsame Kandidatur von Union und SPD könnte rechnerisch auf eine breite Mehrheit in der Bundesversammlung setzen, zugleich aber weitere Gespräche mit den Grünen nahelegen.
Die Bundesversammlung tritt am 30. Januar zusammen. Neben Aigner werden in der CDU weitere Frauen als mögliche Kandidatinnen genannt, doch für sie gibt es bislang keine vergleichbare öffentliche Unterstützung. Für die politische Bewertung der kommenden Tage wird daher entscheidend sein, ob sich die bisherige Zustimmung in eine formelle Empfehlung der CDU-Führung übersetzt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Baden-Württemberg: CDU in BW will Ilse Aigner als neue Bundespräsidentin“ (05.11.2026)
Der Beitrag berichtet über die Unterstützung aus Baden-Württemberg und hebt Manuel Hagels Plädoyer für Aigner hervor. Damit bestätigt er den wachsenden Zuspruch aus einem westdeutschen CDU-Landesverband, setzt den Schwerpunkt aber auf die dortige Landespolitik.
Deutschlandfunk: „Bundespräsidentinnenwahl - Aigner für stärkere Einbindung der Grünen bei Wahl in Bundesversammlung“ (05.11.2026)
Der Bericht stellt neben der Unterstützung mehrerer CDU-Landespolitiker Aigners mögliche Bedeutung für eine Einbindung der Grünen heraus. Während die dpa-Meldung vor allem die innerparteiliche Dynamik beschreibt, rückt dieser Beitrag die Mehrheitsbildung in der Bundesversammlung in den Mittelpunkt.
Beide Beiträge bestätigen den wachsenden Rückhalt für Aigner. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Im Vordergrund stehen einmal die CDU in Baden-Württemberg, einmal die parteiübergreifende Suche nach einer tragfähigen Mehrheit.
