Gesundheit, Parteien

Kassenchef wirft Koalition Einknicken vor Pharma vor

12.05.2026 - 00:00:00 | dts-nachrichtenagentur.de

Im Streit um das Gesundheits-Sparpaket hat der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, der schwarz-roten Koalition vorgeworfen, die Pharmaindustrie zu schonen und damit vor Drohungen der Konzerne einzuknicken."Die Regierung darf sich von der Pharmaindustrie nicht erpressen lassen", sagte Baas dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

Tabletten (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Tabletten (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
"Die Politik unterschĂ€tzt ihre eigene Macht und ĂŒberschĂ€tzt die der Pharmakonzerne", fĂŒgte Baas hinzu. Selbst in den USA, wo PrĂ€sident Donald Trump die Hersteller massiv unter Druck setze, ziehe sich kein Konzern zurĂŒck. "Bei den Beratungen im Bundestag kann und muss der Sparbeitrag der Pharmaindustrie krĂ€ftig erhöht werden", mahnte er.

"Die Pharmalobby argumentiert immer wieder, dass es zwischen der Entscheidung, in einem Land zu forschen und zu produzieren, und den Arzneimittelpreisen einen direkten Zusammenhang gibt. Das ist Unsinn", so der Kassenchef. Auch die Drohung der Industrie, bei zu niedrigen Preisen bestimmte Medikamente nicht mehr in Deutschland auf den Markt zu bringen, wies Baas als unglaubwĂŒrdig zurĂŒck. Deutschland habe nach den USA die höchsten Arzneimittelpreise, sagte er. Kein Pharmakonzern könne es sich leisten, sich aus einem der weltweit interessantesten MĂ€rkte zurĂŒckzuziehen.

Kritik ĂŒbte Baas auch an der Debatte in der Koalition ĂŒber eine Senkung der Zahl der Krankenkassen. Er halte die Debatte fĂŒr ein Ablenkungsmanöver der Politik, der Einspareffekt wĂ€re selbst im besten Fall marginal, sagte er. Die Mehrzahl der BeschĂ€ftigten einer Kasse befasse sich mit konkreten Belangen der Versicherten. "Sprich: Beim Personal sind kaum Einsparungen möglich." Den geplanten Gehaltsdeckel fĂŒr das FĂŒhrungspersonal von Krankenkassen kritisierte er als kontraproduktiv. Krankenkassen brauchten hoch qualifizierte Leute - schließlich mĂŒssten sie mit Ärzten, KrankenhĂ€usern oder der Pharmaindustrie auf Augenhöhe verhandeln, sagte er. "Nur Top-Qualifizierte können in solchen Verhandlungen das Beste fĂŒr die Beitragszahler herausholen", mahnte der Kassenchef.

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