AbwÀrtstrend, Teuerung

AbwÀrtstrend ausgebremst: Teuerung verharrt bei 2,2 Prozent

29.04.2024 - 16:43:45 | dpa.de

In den nÀchsten Monaten könnte es mit der Inflationsrate in Deutschland wieder nach oben gehen. Volkswirte sehen aber auch positive Entwicklungen.

Die Preise fĂŒr Haushaltsenergie sanken im April um 1,2 Prozent - trotz des Auslaufens der temporĂ€ren Mehrwertsteuersenkung fĂŒr Gas und FernwĂ€rme. - Foto: Patrick Pleul/dpa
Die Preise fĂŒr Haushaltsenergie sanken im April um 1,2 Prozent - trotz des Auslaufens der temporĂ€ren Mehrwertsteuersenkung fĂŒr Gas und FernwĂ€rme. - Foto: Patrick Pleul/dpa

Der RĂŒckgang der Teuerungsrate in Deutschland ist im April ins Stocken geraten. Die Verbraucherpreise lagen wie schon im MĂ€rz um 2,2 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt auf vorlĂ€ufiger Basis mitteilte. Das ist zwar immer noch der niedrigste Wert seit April 2021 mit damals 2,0 Prozent. Doch Volkswirte erwarten wieder steigende Raten in den nĂ€chsten Monaten.

Unter anderem die Preisplanungen vieler Unternehmen und tendenziell steigende Löhne ließen diesen Trend erwarten. «Es sieht so aus, als wĂŒrde sich die HartnĂ€ckigkeit fortsetzen, und die Gesamtinflation in Deutschland könnte im nĂ€chsten Monat wieder auf 3 Prozent ansteigen», prognostizierte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Höhere Teuerungsraten schwĂ€chen die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Erdgas und FernwÀrme

Auch die Energiepreise könnten anziehen. Denn seit dem 1. April gilt fĂŒr Erdgas und FernwĂ€rme wieder der regulĂ€re Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Um die hohen Energiepreise als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine abzufedern, hatte die Politik die Mehrwertsteuer auf diese beiden GĂŒter vom 1. Oktober 2022 bis zum 31. MĂ€rz 2024 auf 7 Prozent gesenkt. Im April verbilligte sich Haushaltsenergie mit durchschnittlich 1,2 Prozent schon nicht mehr so stark wie im MĂ€rz mit minus 2,7 Prozent.

In einigen BundeslĂ€ndern stiegen zum Beispiel die Preise fĂŒr FernwĂ€rme im April im Jahresvergleich deutlich, wie aus den Statistiken mehrerer LandesĂ€mter hervorgeht. Zudem mussten die Menschen beim Besuch der GaststĂ€tte oder der Übernachtung im Hotel in vielen BundeslĂ€ndern im April des laufenden Jahres tiefer in die Tasche greifen.

FĂŒr Nahrungsmittel zahlten Verbraucherinnen und Verbraucher nach Angaben des Bundesamtes in diesem April 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, im MĂ€rz waren die Lebensmittelpreise noch um 0,7 Prozent gesunken. Insgesamt erhöhten sich die Verbraucherpreise in Deutschland von MĂ€rz auf April 2024 um 0,5 Prozent.

Positive Entwicklung ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise

Rechnet man die schwankungsanfĂ€lligen Preise fĂŒr Energie und Nahrungsmittel heraus, ergibt sich fĂŒr April den Berechnungen der Wiesbadener Statistiker zufolge eine Kerninflation von 3,0 Prozent nach 3,3 Prozent im MĂ€rz 2024 sowie 3,4 Prozent im Januar und Februar.

«Aus Verbrauchersicht bleibt die Inflation im grĂŒnen Bereich», folgerte der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Die extrem hohen Inflationsraten aus den vergangenen zwei Jahren seien Geschichte. «Solange es nicht wieder zu neuen geopolitischen Spannungen kommt, welche die internationalen Lieferketten bedrohen, bleibt das Inflationsumfeld entspannt.»

Die weitere Beruhigung bei der Kernrate in Europas grĂ¶ĂŸter Volkswirtschaft Deutschland mache fĂŒr die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) den Weg fĂŒr eine Zinssenkung im Juni frei, meint Kater. Die Euro-WĂ€hrungshĂŒter streben fĂŒr den Euroraum mittelfristig PreisstabilitĂ€t bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent an. Angesichts der schwĂ€chelnden Konjunktur hatten sich in den vergangenen Monaten Forderungen gemehrt, die Zinsen nach der beispiellosen Serie von Erhöhungen im Kampf gegen die zeitweise extrem hohe Inflation wieder zu senken.

Weniger Inflation im Jahresschnitt erwartet

FĂŒr Deutschland erwarten fĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute im Jahresschnitt 2024 eine deutliche AbschwĂ€chung der Inflation auf 2,3 Prozent nach 5,9 Prozent im vergangenen Jahr. Allerdings könnte der Weg dorthin mĂŒhsamer werden als erhofft: Die aktuellen PreisplĂ€ne von Unternehmen hierzulande deuten nach EinschĂ€tzung des MĂŒnchner Ifo-Instituts auf eine Pause beim RĂŒckgang der Inflation hin. Teurer werden dĂŒrfte es fĂŒr die Kundschaft vor allem in der Gastronomie, beim Kauf von Spielwaren und Drogerieartikeln.

Niedrigere Inflationsraten können die Konsumlust ankurbeln. Das Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung machte auf Basis einer Umfrage mit 9600 Teilnehmern Indizien fĂŒr eine «bevorstehende Konsumwende» aus - vor allem, «wenn im Jahresverlauf die Inflationsrate weiter sinkt und mit steigenden Nominallöhnen auch die Reallöhne nach mehreren Jahren des RĂŒckgangs wieder steigen».

Auch die jĂŒngsten Daten der Konsumforscher der NĂŒrnberger GfK zeigen, dass die Aussicht auf steigende Löhne fĂŒr bessere Stimmung sorgt: Die Kauflaune der Menschen hierzulande sei weiterhin schlecht, aber sie erhole sich leicht. Der Privatkonsum ist eine wichtige StĂŒtze der Konjunktur in Deutschland, die seit Monaten nicht recht in Fahrt kommt. Wie die deutsche Wirtschaft sich im ersten Quartal 2024 geschlagen hat, dazu veröffentlicht das Statistische Bundesamt an diesem Dienstag (30.4.) erste Daten.

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