VerdÀchtiger nach Angriff auf Lehrerin in Essen angeklagt
20.04.2026 - 11:51:37 | dpa.deEtwa sieben Monate nach dem mutmaĂlich islamistisch motivierten Messerangriff auf eine Lehrerin an einem Berufskolleg in Essen hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den mutmaĂlichen TĂ€ter erhoben. Die oberste deutsche Anklagebehörde wirft dem damaligen SchĂŒler unter anderem dreifachen versuchten Mord vor. Neben seiner Lehrerin soll er auch einen ihm persönlich bekannten Hausmeister an einer Grundschule sowie einen fremden Mann auf der StraĂe angegriffen haben. Die Bundesanwaltschaft erhob am 31. MĂ€rz Anklage gegen den kosovarischen StaatsbĂŒrger, wie sie nun bekanntgab.
Nach EinschĂ€tzung der Bundesanwaltschaft folgte der zur Tatzeit 17-JĂ€hrige «einer islamistisch-dschihadistischen Ideologie». Anfang September 2025 habe er den Entschluss gefasst, «selbst in den Dschihad gegen vermeintlich UnglĂ€ubige zu ziehen». Die Behörde hatte die Ermittlungen eine Woche nach dem Angriff von der Staatsanwaltschaft Essen ĂŒbernommen. Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts DĂŒsseldorf muss nun entscheiden, ob er die Anklage zulĂ€sst und wann er einen Prozess ansetzt.
Am 5. September 2025 soll der Jugendliche sich mit einem Messer bewaffnet zunĂ€chst zu einer Grundschule in Essen begeben haben. «Dort schlug er mit der Faust auf den Hausmeister ein und besprĂŒhte ihn mit Pfefferspray», heiĂt es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft. Da sich der Hausmeister gewehrt habe, habe der TatverdĂ€chtige das Messer nicht einsetzen können.
Wenig spĂ€ter soll er dann an dem Berufskolleg seine damals 45-jĂ€hrige Lehrerin mit dem Messer mehrfach in den Oberkörper gestochen und sie dabei schwer verletzt haben. Er konnte flĂŒchten und stach - so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft - wenig spĂ€ter auf offener StraĂe einem fremden Mann in den RĂŒcken. Alle Opfer ĂŒberlebten demnach, trugen aber teils schwere Verletzungen davon.
Suche nach weiteren Opfern an Alter Synagoge
Auf der Suche nach weiteren Opfern habe der damals 17-JĂ€hrige sich zudem zweimal kurz hintereinander zur Alten Synagoge in Essen begeben, «ohne indes aus seiner Sicht geeignete Tatopfer jĂŒdischen Glaubens anzutreffen», so die Bundesanwaltschaft. Die Alte Synagoge wird von der Stadt als «Haus der jĂŒdischen Kultur» betrieben und fĂŒr Ausstellungen sowie Veranstaltungen genutzt. JĂŒdische Gottesdienste finden dort nicht statt. Das heutige GebĂ€ude ist eine in den 1980er Jahren errichtete Rekonstruktion der Synagoge, die in der Pogromnacht am 9. November 1938 von den Nazis zerstört wurde.
Um seiner Festnahme zu entgehen und seinen MĂ€rtyrertod zu provozieren, sei der VerdĂ€chtige schlieĂlich mit vorgehaltenem Messer auf Polizeibeamte zugelaufen. Durch einen Schuss wurde er den Angaben zufolge im Gesicht verletzt. Die Bundesanwaltschaft legt ihm in der Anklage nun neben dreifachen versuchten Mordes auch Körperverletzung, gefĂ€hrliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung zur Last.
HaftvorfĂŒhrung in Karlsruhe
Ein Richter des Amtsgerichts Essen erlieĂ zunĂ€chst Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefĂ€hrlicher Körperverletzung. Wegen seines Gesundheitszustandes wurde dem VerdĂ€chtigen der Haftbefehl erst etwas verspĂ€tet verkĂŒndet.
Ende September lieà die Bundesanwaltschaft den Jugendlichen dann nach Karlsruhe vor einen Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs bringen. Der erlieà einen neuen Haftbefehl, der den vorherigen des Amtsgerichts Essen ablöste. Darin wurde ihm unter anderem auch versuchter Mord vorgeworfen.
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