Ines Claus zeigt Interesse an Steinmeier-Nachfolge im Januar 2027
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 16:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Wahl im Januar 2027
- Die Bundesversammlung wählt am 30. Januar 2027 den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier.
- CDU, CSU und SPD verfügen dabei gemeinsam über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
- Die CDU-Führung will die Personalfrage am 9. November beraten; die Entscheidung soll noch im November fallen.
CDU sucht Kandidatin für Steinmeier-Nachfolge
In der CDU nimmt die Suche nach einer Kandidatin für das Bundespräsidentenamt Fahrt auf: Die hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus signalisiert Interesse an der Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. Aus dem Umfeld von Kanzler Friedrich Merz wird zugleich dementiert, dass er sich auf Claus festgelegt oder einen Vorschlag unterbreitet habe.
Claus spricht von großer Ehre
Die 49-Jährige sagte der „Rheinischen Post“, es sei eine „große Ehre“, im Zusammenhang mit einer Kandidatur genannt zu werden. Zugleich verwies sie auf ein geordnetes Verfahren innerhalb der CDU, mit den Ministerpräsidenten, den Führungsgremien von CDU und CSU sowie dem Koalitionspartner.
Kritik aus CDU und CSU
Maßgebliche CDU-Politiker bewerten den Vorstoß laut dpa kritisch oder weisen ihn als absurd zurück. Als Einwand wird genannt, Claus fehle ein bundespolitisches Profil.
In der Unionsfraktion wird auf Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verwiesen, die über Parteigrenzen hinweg Anerkennung genieße und für das Amt geeignet sei. Aus der CSU kommt zunächst wenig Zustimmung; dort ist von einem möglichen „Testballon“ die Rede.
Mehrere Frauen im Gespräch
Claus ist seit April 2020 Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Hessen und seit 2026 stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Sie ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und katholisch.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei will sich nicht auf Ilse Aigner als Unionskandidatin festlegen. Neben Klöckner nannte er Bildungsministerin Karin Prien und die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer als geeignete Politikerinnen.
Entscheidung nach Merz’ Rückkehr
Die CDU-Führung will die sogenannte P-Frage am 9. November beraten, nachdem Merz aus Asien zurückgekehrt ist. Anschließend sind Gespräche mit CSU, SPD und möglicherweise den Grünen vorgesehen; die Entscheidung soll noch im November fallen.
Die Bundesversammlung wählt das neue Staatsoberhaupt am 30. Januar 2027. CDU, CSU und SPD verfügen dort über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen, dennoch wird in der Union eine möglichst breite Zustimmung über die Regierungsparteien hinaus angestrebt.
Die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier wird in der Union in einem ungewöhnlich offenen Verfahren vorbereitet. Neben der CSU-Politikerin Ilse Aigner werden mehrere CDU-Politikerinnen genannt, darunter Julia Klöckner, Karin Prien und Annegret Kramp-Karrenbauer. Damit konkurrieren nicht nur einzelne Namen, sondern auch unterschiedliche politische Profile: Aigner bringt als bayerische Landtagspräsidentin Erfahrung in einem Landesparlament mit, während Klöckner als Bundestagspräsidentin ein herausgehobenes Amt im Bund innehat.
Für die Union ist die Kandidatenkür auch eine Frage des inneren Kräfteverhältnisses zwischen CDU und CSU. Die CDU beansprucht als stärkste Fraktion das Vorschlagsrecht, zugleich wirbt CSU-Chef Markus Söder seit Längerem für Aigner. Dass nun eine CDU-Landespolitikerin wie Ines Claus öffentlich Interesse signalisiert, erweitert das Feld und erhöht den Abstimmungsbedarf innerhalb der Schwesterparteien.
Entscheidung im November
Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar 2027 über Steinmeiers Nachfolge. CDU, CSU und SPD verfügen laut dpa-Meldung gemeinsam über eine Mehrheit, streben aber eine Kandidatin mit möglichst breiter Zustimmung an. Politisch entscheidend wird deshalb nicht allein die parteiinterne Unterstützung sein, sondern auch die Frage, welcher Name über das Regierungsbündnis hinaus anschlussfähig ist. Die CDU-Führung will die Personalfrage nach Merz’ Rückkehr aus Asien am 9. November beraten; danach sind weitere Gespräche mit CSU, SPD und möglicherweise Grünen vorgesehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
STERN: „CDU-Vize Claus signalisiert Interesse an Steinmeier-Nachfolge“ (27.10.2026)
Der Beitrag bestätigt Claus’ öffentlich bekundetes Interesse und stellt die Verbindung zu einem Bericht über mögliche Unterstützung durch Friedrich Merz heraus. Anders als die dpa-Meldung betont er damit stärker die Frage, ob die CDU-Vizechefin Rückhalt in der Parteiführung besitzt.
n-tv: „Merz-Umfeld dementiert Steinmeier-Gerüchte um Ines Claus“ (27.10.2026)
n-tv hebt das Dementi aus dem Umfeld des Kanzlers hervor und setzt damit einen anderen Schwerpunkt als der STERN-Beitrag. Übereinstimmend bleibt, dass Claus als weitere mögliche Kandidatin genannt wird; offen ist, welche Bewerberin die Union im November tatsächlich auswählt.
Die Berichte stimmen in der wachsenden Dynamik der Nachfolgedebatte überein, unterscheiden sich aber bei der Gewichtung von Claus’ möglicher Unterstützung durch Merz.
