Islamunterricht, Schulsystem

Islamischer Religionsunterricht: Trotz Verdopplung nur wenige muslimische Schüler im Fach

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 03:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Zahl der Teilnehmer am islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen hat sich seit 2015 verdoppelt, dennoch nutzt nur ein kleiner Teil der muslimischen Schülerinnen und Schüler dieses Angebot. Gründe dafür liegen vor allem in großen regionalen Unterschieden und begrenzten Kapazitäten.

  • In neun Bundesländern gibt es islamischen Religionsunterricht in den Schulen. (Symbolbild) - Bild: Frank Rumpenhorst/dpa
    In neun Bundesländern gibt es islamischen Religionsunterricht in den Schulen. (Symbolbild) - Bild: Frank Rumpenhorst/dpa
  • Wie viele Kinder und Jugendliche in Moscheegemeinden den Koranunterricht besuchen, ist nicht bekannt. (Symbolbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
    Wie viele Kinder und Jugendliche in Moscheegemeinden den Koranunterricht besuchen, ist nicht bekannt. (Symbolbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
In neun Bundesländern gibt es islamischen Religionsunterricht in den Schulen. (Symbolbild) - Bild: Frank Rumpenhorst/dpa Wie viele Kinder und Jugendliche in Moscheegemeinden den Koranunterricht besuchen, ist nicht bekannt. (Symbolbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Nur ein kleiner Teil der muslimischen Schülerinnen und Schüler in Deutschland besucht islamischen Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen, obwohl die Teilnehmerzahlen deutlich gestiegen sind.

Teilnehmerzahlen steigen, Anteil bleibt gering

Nach einer Recherche des Mediendienstes Integration hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Islamunterricht seit 2015 auf rund 84.000 verdoppelt. Der Anteil der muslimischen Schülerinnen und Schüler, die ein solches Angebot nutzen, ist dennoch weiter gering. Ein Grund dafür ist, dass parallel zur Ausweitung des Unterrichts auch die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime insbesondere durch die Zuwanderung von Geflüchteten aus Syrien deutlich gestiegen ist.

Mehr Muslime in Deutschland, aber ungleiche Angebote

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schätzte die Zahl der Musliminnen und Muslime in Deutschland im Jahr 2015 auf rund 4,7 Millionen. Im vergangenen Jahr ging die Behörde von 6,6 bis 7 Millionen muslimischen Religionsangehörigen mit Migrationshintergrund aus islamisch geprägten Herkunftsländern aus. Zugleich gibt es nicht in allen Bundesländern schulische Angebote für islamischen Religionsunterricht oder Islamkunde.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Im Schuljahr 2025/2026 wurde bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht oder Islamkunde in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und dem Saarland angeboten. Bremen und Hamburg setzen auf einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht, der auch den Islam berücksichtigt. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg gibt es keinen eigenen Islamunterricht.

Niedrige Teilnahmequoten trotz bestehender Kurse

Die Teilnahmequoten unterscheiden sich deutlich: Im Saarland besuchten nach Angaben des Mediendienstes zuletzt etwa zwei Prozent der muslimischen Schülerinnen und Schüler den Islamunterricht, in Nordrhein-Westfalen rund sieben Prozent und in Niedersachsen knapp vier Prozent. In Bayern nahmen demnach 15 Prozent der muslimischen Kinder und Jugendlichen am islamischen Religionsunterricht teil. Dort wird der Islamkundeunterricht in staatlicher Verantwortung erteilt.

Modelle für Trägerschaft und Inhalte

In Baden-Württemberg, wo zuletzt rund 11.800 Schülerinnen und Schüler am Islamunterricht teilnahmen, verantwortet die Stiftung Sunnitischer Schulrat die religiös-inhaltliche Seite des Unterrichts. Die verschiedenen Modelle zeigen, wie unterschiedlich die Zusammenarbeit zwischen Staat und religiösen Akteuren organisiert wird. Verlässliche Daten dazu, wie viele Kinder und Jugendliche stattdessen oder ergänzend Koran- und Religionskurse in Moscheegemeinden besuchen, liegen nicht vor.

Forderungen nach Ausbau des Islamunterrichts

Der Islamwissenschaftler Mathias Rohe spricht sich dafür aus, den islamischen Religionsunterricht weiter auszubauen. Er verweist darauf, dass dies auch mit Blick auf islamistische Online-Propaganda wichtig sei. Im Unterricht könnten Kinder und Jugendliche lernen, religiöse Inhalte kritisch einzuordnen und problematischen Angeboten etwas entgegenzusetzen. Dafür seien zusätzliche Stellen für Lehrkräfte im Fach Islam notwendig.

Religionsunterricht im Wandel

Der islamische Religionsunterricht steht in Deutschland seit Jahren für einen grundlegenden Wandel im Verständnis staatlicher Bildungspolitik. Während christlicher Religionsunterricht in vielen Ländern historisch verankert ist, wird ein systematisches Angebot für muslimische Schülerinnen und Schüler erst schrittweise aufgebaut. Die nun genannte Zahl von rund 84.000 Teilnehmenden zeigt, dass das Fach an Bedeutung gewinnt, zugleich macht der geringe Anteil an den muslimischen Schülern aber deutlich, wie groß die Lücke zwischen Bedarf und realer Versorgung weiterhin ist.

Föderale Unterschiede und strukturelle Hürden

Die starke Spreizung zwischen den Bundesländern verweist auf den Einfluss des Föderalismus: Einige Länder haben bekenntnisorientierte Angebote etabliert oder Islamkunde eingeführt, andere verzichten vollständig auf spezielle Formate und setzen auf allgemeinen Religions- oder Ethikunterricht. Hinzu kommen praktische Hürden wie fehlende ausgebildete Lehrkräfte, Fragen der Zusammenarbeit mit muslimischen Organisationen und unterschiedliche rechtliche Modelle zur Trägerschaft. Für Eltern und Schulen bedeutet dies, dass Möglichkeiten stark vom Wohnort abhängen und religiöse Bildung oft durch außerschulische Angebote in Moscheegemeinden ergänzt werden muss.

Gesellschaftliche und sicherheitspolitische Dimension

Die Forderung nach einem Ausbau des islamischen Religionsunterrichts berührt nicht nur bildungspolitische, sondern auch gesellschaftliche und sicherheitspolitische Fragen. Fachleute argumentieren, dass ein fachlich fundierter Unterricht helfen könne, religiöse Identität in einem demokratischen Rahmen zu stärken und extremistischen Einflüssen etwas entgegenzusetzen. Angesichts digitaler islamistischer Propaganda wird der schulische Raum als wichtiger Ort gesehen, um Wissen, kritisches Denken und Wertevermittlung zu verbinden. Für die öffentliche Debatte ist entscheidend, dass Ausbaupläne mit Qualitätsstandards, transparenten Kooperationen und ausreichend Lehrkräften einhergehen, um Vertrauen in das Angebot zu schaffen.

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