Israel-Wahl: Netanjahus Block verfehlt Mehrheit mit 50 Sitzen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:48 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMehrheitssuche in der Knesset
- Likud wird mit etwa 24 bis 25 Sitzen stärkste Einzelpartei.
- Der Block um Netanjahu kommt laut Prognosen nur auf etwa 50 Sitze.
- Die arabischen Parteien erreichen zusammen voraussichtlich 17 bis 18 Sitze.
Israel steht vor schwieriger Regierungsbildung
Nach der Parlamentswahl in Israel gibt es keinen klaren Sieger. Weder der Block um Premierminister Benjamin Netanjahu noch das Oppositionsbündnis aus Sozialdemokraten, Liberalen und Zentristen um Ex-General Gadi Eizenkot erreicht laut drei Nachwahlbefragungen die für eine Mehrheit nötigen 61 Sitze.
Likud stärkste Einzelpartei
Netanjahus Likud kommt den Prognosen zufolge auf etwa 24 bis 25 Sitze und wird damit stärkste Einzelpartei. Sein Block wird jedoch nur bei etwa 50 Sitzen gesehen, während die Opposition auf 52 bis 53 Mandate kommen könnte.
Die arabischen Parteien könnten mit zusammen 17 bis 18 Sitzen eine entscheidende Rolle bei den Koalitionsverhandlungen spielen. Die meisten Oppositionsführer haben eine Zusammenarbeit mit ihnen allerdings bereits ausgeschlossen.
Hohe Beteiligung und gescheiterte Kleinparteien
Die Wahlbeteiligung erreichte nach Angaben des Zentralen Wahlkomitees den höchsten Stand seit 1973. Zugleich scheiterten kleinere rechte Parteien wie Ofer Winters People of Israel und Yoaz Hendels Reservisten-Wirtschaftspartei voraussichtlich an der Drei-Prozent-Hürde.
Das könnte die Bemühungen von Netanjahus Block, eine Mehrheit zu sichern, zusätzlich erschweren. Eine Einheitsregierung zwischen Netanjahu und Eizenkot erscheint ebenfalls unwahrscheinlich, weil Eizenkot eine Zusammenarbeit mit dem bisherigen Premierminister ablehnt.
Opposition schließt Netanjahu-Koalition aus
Auch andere Oppositionsführer haben eine Koalition unter Führung Netanjahus ausgeschlossen. Damit dürften die anstehenden Koalitionsverhandlungen von schwierigen Mehrheitsrechnungen und der Frage geprägt sein, ob sich einzelne Parteien zu einer Zusammenarbeit bewegen lassen.
Die Nachwahlbefragungen zeichnen ein fragmentiertes Kräfteverhältnis in der 120 Sitze umfassenden Knesset. Für eine Regierungsbildung sind mindestens 61 Mandate nötig; weder der Block um Benjamin Netanjahu noch das Oppositionsbündnis um Gadi Eizenkot erreicht diese Schwelle aus eigener Kraft.
Die arabischen Parteien könnten mit zusammen 17 bis 18 Sitzen zum Schlüssel für die Mehrheitsbildung werden. Zugleich erschwert der Ausschluss einer Zusammenarbeit durch mehrere Oppositionsführer eine rechnerisch mögliche Koalition. Auch Netanjahus Block steht unter Druck, weil kleinere rechte Parteien voraussichtlich an der Sperrklausel scheitern und ihre Stimmen dadurch bei der Sitzverteilung nicht unmittelbar in Mandate einfließen.
Schwierige Koalitionssuche
Die hohe Wahlbeteiligung verleiht dem Ergebnis zusätzliches politisches Gewicht, verändert aber nicht das zentrale Problem: Es fehlt ein klares Regierungsbündnis. Sollte sich das vorläufige Bild bestätigen, dürften zunächst Gespräche zwischen den Lagern und den kleineren Parteien im Mittelpunkt stehen. Eine Einheitsregierung bleibt wegen der erklärten Ablehnung Eizenkots und weiterer Oppositionsführer gegenüber einer Regierung unter Netanjahu wenig wahrscheinlich.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Erste Ergebnisse der Israel-Wahl 2026: Wann Prognosen vorliegen“ (27.10.2026)
Der Artikel bestätigt, dass weder Netanjahus Block noch die wichtigsten jüdisch geführten Oppositionsparteien eine absolute Mehrheit erwarten können. Sein Schwerpunkt liegt auf dem zeitlichen Ablauf der ersten Prognosen und der Auswertung des Wahlergebnisses.
Euronews: „Welt blickt auf Israel: Erste Parlamentswahl seit 7. Oktober 2023“ (27.10.2026)
Euronews hebt ebenfalls hervor, dass keine Partei nahe an die für eine Mehrheit erforderlichen 61 Sitze kommt. Anders als die dts-Meldung ordnet der Beitrag die Wahl stärker als politische Zäsur nach dem 7. Oktober 2023 ein.
Beide Beiträge stimmen mit dem Kern der Nachwahlbefragungen überein: Eine eindeutige Mehrheitsbildung zeichnet sich nicht ab. Offen bleibt, welche Parteien letztlich eine Koalition ermöglichen und ob sich die Sitzprognosen im endgültigen Ergebnis bestätigen.
