Jens Spahn gibt Haushaltsausschuss auf – Comeback vorerst gescheitert
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 15:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWSJens Spahn gibt seinen Sitz im Bundestags-Haushaltsausschuss auf und zieht sich vorerst auf seine Arbeit im Wahlkreis sowie auf seine Familie zurück.
Rückzug nach neuer Aufregung
Der 46-jährige CDU-Politiker war erst vor kurzer Zeit in das einflussreiche Gremium gewechselt. Im Juli hatte er wegen der Debatte über die Beschäftigung einer Leihmutter als Vorsitzender der Unionsfraktion zurücktreten müssen.
Auslöser für den erneuten Rückzug ist seine zweitägige Abwesenheit während der vergangenen Sitzungswoche des Bundestags. Spahn soll sich mit seiner Familie auf Sardinien aufgehalten haben, während der Haushaltsausschuss in Berlin tagte.
„Alles um meine Person politisiert“
In einer Nachricht an die Unionshaushälter schrieb Spahn, alles rund um seine Person sei derzeit so politisiert, dass normales Arbeiten kaum möglich sei. Zudem sei sein Rücktritt im Juli noch zu frisch, um wieder voll durchzustarten, als wäre nichts gewesen.
In Absprache mit Unionsfraktionschef Thorsten Frei wolle er sich zunächst auf den Wahlkreis und die Familie konzentrieren. Über seine künftigen inhaltlichen Schwerpunkte solle mit zeitlichem Abstand entschieden werden.
Weitere Stationen verloren
Spahn behält sein Bundestagsmandat, ist politisch aber vorerst nur noch einfacher Abgeordneter. Der Münsterländer gehört dem Parlament seit 24 Jahren an, war Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium und Bundesgesundheitsminister.
2018 kandidierte er für den CDU-Vorsitz, unterlag jedoch Annegret Kramp-Karrenbauer. In den vergangenen Wochen gab er neben dem Fraktionsvorsitz auch den CDU-Bezirksvorsitz im Münsterland ab.
Leihmutterschaft als Auslöser
Spahn und sein Mann Daniel Funke wurden mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten; die Union verteidigt dieses Verbot, für das Spahn in der Vergangenheit ebenfalls eingetreten war. Die dadurch ausgelöste Empörung führte im Juli zu seinem Rücktritt als Fraktionschef.
Die neue Debatte entzündete sich an seiner Abwesenheit im Bundestag. Ein von der „Bild“-Zeitung veröffentlichtes Foto Spahns mit einem Baby wurde später zurückgezogen. Spahn erklärte seine Abwesenheit mit familiären Gründen und teilte mit, für die Sitzung des Haushaltsausschusses eine Vertretung organisiert zu haben.
Unruhe in der Union
Nach Berichten über eine Aussprache in der Arbeitsgruppe Haushalt sollen mehrere Mitglieder Spahns Ausschluss aus dem Ausschuss gefordert haben. Die Fraktionsspitze habe daraufhin eine Bewährungsfrist bis zum Jahresende vorgeschlagen. Spahn zog nun selbst die Konsequenz.
Der Rückzug fällt in eine angespannte Phase der Union. Nach schwierigen Landtagswahlergebnissen, Debatten über die Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz und der sogenannten Strandkorb-Affäre um Staatsminister Philipp Amthor steht die Parteiführung unter erheblichem öffentlichem Druck.
Aus der SPD kam der Rat zu mehr Fingerspitzengefühl bei Personalentscheidungen. Die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta wertete Spahns Rückzug als Zeichen politischer Hygiene.
Vertrauensfrage für die Union
Spahns Rückzug aus dem Haushaltsausschuss ist mehr als eine persönliche Personalie. Das Gremium gehört zu den einflussreichsten Ausschüssen des Bundestags, weil dort die finanziellen Grundlagen der Regierungspolitik beraten und kontrolliert werden. Gerade während der Beratungen über den Bundeshaushalt 2027 wiegt die Frage nach Anwesenheit und Verlässlichkeit politisch schwer.
Für Spahn kommt der Schritt nach einer Kette von Rückzügen. Im Juli gab er den Vorsitz der Unionsfraktion auf, nachdem die Geburt seiner Kinder durch eine Leihmutter in den USA eine Debatte über politische Glaubwürdigkeit und die Haltung der Union zur Leihmutterschaft ausgelöst hatte. Mitte September legte er zudem den CDU-Bezirksvorsitz im Münsterland nieder. Der Ausschusssitz sollte zunächst eine Rückkehr zu einem fachpolitisch wichtigen Arbeitsfeld ermöglichen.
Signal an die Fraktion
Dass dieser Neustart nach kurzer Zeit endet, zeigt den hohen innerparteilichen Druck. Für die Unionsfraktion steht damit auch die Frage im Raum, wie sie mit einem prominenten Abgeordneten umgeht, dessen politische Erfahrung weiterhin wertvoll ist, dessen öffentliche Auftritte aber wiederholt neue Konflikte auslösen. Spahn behält sein Bundestagsmandat und kann sich künftig auf Wahlkreis- und Facharbeit konzentrieren.
Für Bürgerinnen und Bürger bleibt vor allem relevant, ob die Affäre die Arbeitsfähigkeit der Regierungsfraktionen beeinträchtigt. Im Haushaltsausschuss werden zentrale Entscheidungen über Einnahmen, Ausgaben und Prioritäten des Staates vorbereitet. Der Rückzug beendet zwar die unmittelbare Personaldebatte im Gremium, vertieft aber Spahns politischen Bedeutungsverlust.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Sardinien-Trip: Ärger über Spahns Abwesenheit im Haushaltsausschuss“ (26.09.2026)
Der Bericht hebt hervor, der Sardinien-Aufenthalt habe in der Union erheblichen Unmut ausgelöst und Spahn habe nur knapp einen Ausschluss aus dem Ausschuss vermieden. Anders als die dpa-Meldung richtet der WDR den Blick zusätzlich auf Reaktionen aus Spahns Wahlkreis und auf frühere Belastungen seiner politischen Laufbahn.
n-tv: „Verliert CDU-Mann neue Position?: Sardinien-Reise von Jens Spahn sorgt für großen Unmut in Fraktion“ (26.09.2026)
Der Artikel schreibt, Spahn habe zunächst bis Ende des Jahres in der Arbeitsgruppe Haushalt weiterarbeiten dürfen, und betont die Bedeutung des Ausschusses für die Etatberatungen 2027. Zugleich stelle der Bericht die innerparteiliche Vertrauenskrise und die Folgen für die weitere politische Karriere stärker heraus.
Beide Beiträge bestätigten den innerparteilichen Konflikt nach Spahns Abwesenheit und beschrieben eine zeitweise erwogene Bewährungsfrist; die dpa-Meldung berichte nun über den weitergehenden Schritt seines vollständigen Verzichts auf den Ausschusssitz.
