Jens Spahn zieht sich aus Haushaltsausschuss zurück
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der frühere Unionsfraktionschef Jens Spahn zieht sich aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags zurück und will sich vorerst auf seinen Wahlkreis und seine Familie konzentrieren.
Rückzug nach Rücktritt im Juli
Spahn teilte den Unionsabgeordneten im Ausschuss mit, er verzichte nach reiflicher Überlegung auf seinen Sitz. Alles rund um seine Person sei derzeit so politisiert, dass normales Arbeiten kaum möglich sei. Sein Rücktritt vom Fraktionsvorsitz im Juli sei zudem noch zu frisch, um wieder durchzustarten, als wäre nichts gewesen.
In Absprache mit Unionsfraktionschef Thorsten Frei wolle er zunächst Abstand gewinnen. Über seine künftigen inhaltlichen Schwerpunkte solle mit zeitlichem Abstand entschieden werden.
Unruhe wegen Abwesenheit
Spahn reagiert damit auf die Aufregung über seine Abwesenheit an zwei Tagen der vergangenen Sitzungswoche im Plenum. Auslöser war ein veröffentlichtes Foto, das ihn während der laufenden Sitzungswoche mit seinem Sohn auf der italienischen Insel Sardinien zeigen soll. Das Foto wurde später zurückgezogen; als Begründung wurde ein privater Rahmen genannt.
Fraktionsinterne Kritik
Die Abwesenheit hatte für Irritationen bei Abgeordneten von CDU und CSU gesorgt. In der Arbeitsgruppe Haushalt kam es nach Berichten zu einer Aussprache, nachdem mehrere Mitglieder einen Ausschluss Spahns aus dem Ausschuss gefordert haben sollen.
Die Fraktionsführung intervenierte. Anschließend war eine Art Bewährungsfrist bis zum Jahresende vereinbart worden, zugleich soll es Forderungen nach einem freiwilligen Rückzug gegeben haben.
Belastung seit dem Sommer
Spahn war im Juli als Fraktionschef zurückgetreten, nachdem er und sein Mann mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden waren. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten; die Union tritt dafür ein, dieses Verbot beizubehalten.
Anfang September war bekannt geworden, dass Spahn in den Haushaltsausschuss wechseln sollte. Mit seinem nun erklärten Verzicht endet dieser erneute Anlauf auf eine herausgehobene Rolle in der Fraktionsarbeit vorerst.
Rückzug nach kurzer Rückkehr
Spahns Verzicht beendet vorerst den Versuch, nach seinem Rücktritt als Unionsfraktionschef wieder eine zentrale Rolle in der parlamentarischen Haushaltsarbeit zu übernehmen. Der Haushaltsausschuss zählt zu den einflussreichen Gremien des Bundestags, weil dort die Einzelheiten des Bundesetats beraten und politische Prioritäten mitgeprägt werden.
Der Vorgang verbindet zwei Konflikte: die Debatte über Spahns private Entscheidung, mit seinem Mann mithilfe einer Leihmutter Eltern zu werden, und die Erwartungen an die Anwesenheit sowie Verlässlichkeit von Abgeordneten während einer Sitzungswoche. Die Union lehnt Leihmutterschaft in Deutschland weiterhin ab; dadurch war Spahns Rücktritt im Juli bereits mit einer innerparteilichen Glaubwürdigkeitsdebatte verbunden.
Bedeutung für die Haushaltsberatungen
Für die laufenden Beratungen zum Bundeshaushalt ist entscheidend, dass die Arbeit des Ausschusses institutionell fortgesetzt wird. Spahns Rückzug nimmt jedoch politischen Druck aus der Unionsarbeitsgruppe und verhindert zunächst eine Abstimmung über seinen weiteren Verbleib. Zugleich zeigt der Fall, dass persönliche Kontroversen die Geschlossenheit einer Fraktion und die öffentliche Wahrnehmung ihrer Haushaltsarbeit belasten können.
Spahn kündigt an, sich zunächst auf seinen Wahlkreis und seine Familie zu konzentrieren. Ob und mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten er in eine herausgehobene politische Funktion zurückkehrt, soll nach einer zeitlichen Distanz entschieden werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Verliert CDU-Mann neue Position? Sardinien-Reise von Jens Spahn sorgt für großen Unmut in Fraktion“ (26.09.2026)
Der Bericht schreibe, Spahns Reise während der Sitzungswoche habe in der Arbeitsgruppe Haushalt heftige Reaktionen ausgelöst und eine letzte Bewährungsfrist bis zum Jahresende ermöglicht. Anders als die aktuelle Meldung konzentriere sich der Artikel auf die innerfraktionelle Auseinandersetzung und die Bedeutung des Ausschusses für die Beratungen zum Etat 2027.
Berliner Zeitung: „Unions-Mehrheit wollte Spahn aus Haushaltsausschuss werfen – nur Frei rettet ihn“ (26.09.2026)
Der Artikel berichte, eine Mehrheit der Unionsabgeordneten habe zunächst einen Ausschluss Spahns gefordert; Thorsten Frei habe anschließend eine Frist bis Dezember unterstützt. Der Schwerpunkt liege auf dem Vorwurf einer möglichen Sonderbehandlung, während die nun bekannt gewordene Entscheidung den Konflikt durch Spahns freiwilligen Rückzug vorerst beende.
Beide Berichte stellten den innerparteilichen Streit über Spahns Abwesenheit und die Rolle der Fraktionsführung heraus; offen geblieben sei damals, ob er im Ausschuss verbleiben werde. Diese Frage sei mit Spahns Nachricht nun beantwortet.
