Karl Lauterbach, Arztpraxen

Tausende Arztpraxen bleiben aus Protest geschlossen

02.10.2023 - 14:32:04 | dpa.de

«Kaputtgespart», «ausgeblutet»: Der Verband der niedergelassenen Ärzte zeichnet ein dramatisches Bild des Zustands der Praxen. Ein Protesttag soll auf die Lage aufmerksam machen.

  • Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Ă€ußert sich zum geplanten Ärztestreik. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
  • Tausende Arztpraxen bleiben am Montag aus Protest gegen die Gesundheitspolitik geschlossen. - Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
  • Ärzte bei dem Protestmarsch «Ärzte in Not» in Berlin Mitte. - Foto: Fabian Sommer/dpa
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Ă€ußert sich zum geplanten Ärztestreik. - Foto: Kay Nietfeld/dpa Tausende Arztpraxen bleiben am Montag aus Protest gegen die Gesundheitspolitik geschlossen. - Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa Ärzte bei dem Protestmarsch «Ärzte in Not» in Berlin Mitte. - Foto: Fabian Sommer/dpa

Tausende Haus- und FachĂ€rzte öffnen heute aus Protest gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung ihre Praxen nicht. Der Verband der PraxisĂ€rzte, der Virchowbund, hatte zu der Aktion aufgerufen, weitere knapp 20 ÄrzteverbĂ€nde sowie die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen schlossen sich an. Der Virchowbund rechnet damit, dass deutschlandweit eine fĂŒnfstellige Zahl von Arztpraxen geschlossen sein wird.

Auf der Protest-Webseite des Verbands ist von «schmerzhaften Sparmaßnahmen» die Rede, zu denen die Politik und die Krankenkassen die Praxen seit Jahrzehnten zwĂ€ngen. Der Protest soll demnach aufmerksam machen auf den FachkrĂ€ftemangel, die aus Sicht der Mediziner ausufernde BĂŒrokratie, auf die Inflation und die hohen Energiekosten, unter denen die Praxen litten, sowie auf die «Spar-Gesetze» der Bundesregierung.

Sparmaßnahmen und LeistungskĂŒrzungen

Die Praxen könnten die Patientinnen und Patienten nicht mehr so versorgen, wie sie wollten, beklagte der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich, im ZDF-«Morgenmagazin». Durch Sparmaßnahmen und LeistungskĂŒrzungen wĂŒrden Termine fĂŒr Patientinnen und Patienten «immer rarer». Er verwies auf die Streichung der sogenannten Neupatientenregelung zu Jahresbeginn, die Ärzten seit 2019 besondere finanzielle Anreize bot, damit sie neue Patienten aufnehmen und kurzfristig zusĂ€tzliche Termine anbieten. Dieser Schritt mĂŒsse zurĂŒckgenommen werden, forderte Heinrich.

Unmittelbar vor dem Protesttag stellte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Forderungen nach mehr Geld infrage. «Am BrĂŒckentag schließen viele Praxen, wie die Apotheker wollen auch sie mehr Geld. Im Mittel (Median) verdienen sie aber nach Abzug aller Kosten um die 230.000 Euro pro Jahr», schrieb der Sozialdemokrat auf der Internet-Plattform X (vormals Twitter). Und er fragte - offensichtlich rhetorisch gemeint: «Soll der Beitragssatz fĂŒr Arbeitnehmer steigen, damit das Honorar weiter steigt?»

Virchowbund: Fokus auf nur auf KrankenhÀusern

Der Virchowbund wirft Lauterbach vor, sich zwar fĂŒr die KrankenhĂ€user zu interessieren, die Nöte niedergelassener Ärzte aber zu ignorieren. Der Verband nennt auch andere Summen als Lauterbach und spricht von einem PraxisĂŒberschuss von 172.903 Euro im Jahr und einem Nettoeinkommen - nach Abzug von Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Einkommenssteuer - von 85.555 Euro.

«Der Bundesgesundheitsminister nimmt billigend in Kauf, dass die Praxen kollabieren und die ambulante Versorgung in Deutschland und Hessen mehr denn je ins Wanken gerÀt», sagten die Vorstandsvorsitzenden der KassenÀrztlichen Vereinigung (KV) Hessen, Frank Dastych und Armin Beck, vor dem Aktionstag.

Geschlossene Arztpraxen treffen Schwache und Kranke

«Jede Berufsgruppe kann fĂŒr bessere Bezahlung kĂ€mpfen. Doch Praxisschließungen treffen in erster Linie kranke und schwache Menschen», sagte PatientenschĂŒtzer Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Hingegen bleiben Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Krankenkassen nach seiner EinschĂ€tzung von den Aktionen der KassenĂ€rzte unberĂŒhrt.

«FĂŒr andere Freiberufler wĂ€re es undenkbar, sich gegen ihre Kunden zu stellen. Das macht deutlich, dass Patienten im Gesundheitssystem nicht mal den Status eines Kunden in der Wirtschaft haben», kritisierte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz in Dortmund.

Not- und Bereitschaftsdienst eingerichtet

Laut KassenĂ€rztlicher Bundesvereinigung soll es einen flĂ€chendeckenden Not- und Bereitschaftsdienst geben. Wer nicht bis zur Praxisöffnung am Mittwoch warten könne, solle den Patientenservice unter der Nummer 116117 (ohne Vorwahl) nutzen, hieß es in einem Post auf der Plattform X (vormals Twitter). In NRW wies die KV Nordrhein darauf hin, dass andere Praxen vertretungsweise die Versorgung vor Ort ĂŒbernehmen wollten. «Jeder Patient, der heute dringendsten Bedarf hat, NotfĂ€lle, werden natĂŒrlich versorgt», versicherte auch der Virchowbund-Vorsitzende Heinrich im ZDF.

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