Karl Lauterbach lehnt Rot-Rot-Grün in Berlin ab
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 22:55 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKarl Lauterbach spricht sich gegen eine Koalition der SPD mit Linken und Grünen in Berlin aus. Er hoffe, dass ein solches rot-rot-grünes Bündnis nicht zustande komme, sagte der SPD-Politiker im Videoformat „Spitzengespräch“ des „Spiegels“.
Lauterbach nennt Antisemitismusvorwürfe
Als persönlich schwerwiegend bezeichnete Lauterbach Antisemitismusvorwürfe gegen die Linke. Auf die Frage, ob er den Vorwurf mit Blick auf die Linke in Neukölln für gerechtfertigt halte, antwortete er, dies sei aus seiner Sicht der Fall.
Damit wendet sich Lauterbach gegen eine Regierungsbildung, die in Berlin rechnerisch möglich ist. Die Linke, Grünen und SPD haben nach der Abgeordnetenhauswahl Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit aufgenommen.
Abgrenzung von der AfD
Gleichzeitig lehnte Lauterbach eine Gleichsetzung der Linken mit der AfD ab. Eine gesichert verfassungsfeindliche Partei, die innerhalb der Demokratie deren Überwindung anstrebe, sei etwas anderes als eine Partei, die Enteignungen fordere, sagte er.
Die beiden Parteien dürften deshalb nicht als „Brüder im Geiste“ bezeichnet werden. Lauterbach zog damit eine klare Grenze zwischen seiner Kritik an der Linken und einer politischen Einordnung der AfD als verfassungsfeindliche Partei.
Die Äußerungen von Karl Lauterbach fallen in eine besonders angespannte Phase der Berliner Regierungsbildung. Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, während die SPD 12,1 Prozent und die Grünen 14,3 Prozent erreichten. Die bisherige CDU-SPD-Koalition verlor dadurch ihre Mehrheit.
Eine rot-grün-rote Regierung ist rechnerisch möglich, politisch aber an Bedingungen geknüpft. SPD und Grüne verlangten vor Beginn offizieller Sondierungen eine gemeinsame Vereinbarung zum Umgang mit Antisemitismus, Rassismus und Organisierter Kriminalität. Am 8. Oktober verständigten sich die drei Parteien darauf und kündigten Sondierungsgespräche an. Diese Gespräche sind noch keine Koalitionsverhandlungen; zunächst geht es darum, zentrale politische Konflikte und gemeinsame Grundlagen auszuloten.
Antisemitismus als zentrale Belastungsprobe
Besonders schwer wiegt der Streit über Positionen einzelner Vertreter der Berliner Linken zu Israel, Palästina und Antisemitismus. Vorfälle im Umfeld des Neuköllner Bezirksverbands hatten den Druck auf die Partei erhöht. Die nun vereinbarten Grundsätze sehen unter anderem den Schutz jüdischen Lebens, eine klare Anerkennung des Existenzrechts Israels sowie Konsequenzen bei Verstößen vor.
Lauterbachs Abgrenzung von einer Gleichsetzung der Linken mit der AfD markiert zugleich eine inhaltliche Unterscheidung innerhalb der Debatte. Er bewertet die Linke in Neukölln scharf, ordnet sie aber nicht derselben Kategorie wie eine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei zu. Für die Berliner SPD bleibt damit die Frage offen, ob die vereinbarten Regeln ausreichen, um Vertrauen für ein gemeinsames Regierungsprojekt herzustellen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Nach Wahl in Berlin Linke, Grüne und SPD kündigen Sondierungsgespräche an“ (08.10.2026)
Der Beitrag bestätigt, dass sich die drei Parteien nach einer Vereinbarung zum Umgang mit Antisemitismus und Organisierter Kriminalität auf Sondierungen verständigt haben. Im Mittelpunkt stehen die vereinbarten Schutz jüdischen Lebens und mögliche Konsequenzen bei Verstößen. Anders als Lauterbachs grundsätzliche Ablehnung eines Bündnisses konzentriert sich der Artikel auf den institutionellen Rahmen der Gespräche und die offenen Bedingungen einer Regierungsbildung.
rbb24: „Linke, Grüne und SPD beenden Vorgespräche zu Sondierungen ohne Ergebnis“ (07.10.2026)
Der Bericht beschreibt die zuvor schwierigen Vorgespräche und den Streit über Antisemitismus sowie Organisierte Kriminalität. Er setzt damit einen anderen Schwerpunkt als Lauterbach: Nicht die persönliche Ablehnung eines SPD-Bundespolitikers, sondern die mühsame Suche der Berliner Parteien nach einer gemeinsamen Grundlage steht im Zentrum. Offen blieb zu diesem Zeitpunkt, ob eine tragfähige Verständigung erreicht werden kann.
Gemeinsam ist beiden Beiträgen die Einordnung des Antisemitismusstreits als zentrale Hürde für Rot-Grün-Rot. Unterschiede bestehen beim Zeitpunkt und Schwerpunkt: Während der rbb die festgefahrenen Vorgespräche schildert, dokumentiert die tagesschau die anschließende Verständigung auf Sondierungen.
