Gesundheit, Steuern

KassenÀrzte drÀngen auf PrÀventionsoffensive

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de

KassenÀrztechef Andreas Gassen hat von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) einen Neustart bei der PrÀvention gefordert.

KassenÀrzte drÀngen auf PrÀventionsoffensive
Andreas Gassen (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Deutschland stehe bei der Vorbeugung von Krankheiten schlecht da, sagte der Vorstandsvorsitzende der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV) der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung" (Donnerstagsausgabe).

Die Menschen hier seien im internationalen Vergleich hĂ€ufig dicker, rauchten mehr und trieben weniger Sport. Da mĂŒsse der Nachfolger von Nina Warken (CDU) ansetzen, so Gassen.

Notwendig wĂ€re es, viel stĂ€rker in Kitas und Schulen zu gehen, damit die Kleinen frĂŒh lernten, sich gesund zu ernĂ€hren, sich viel zu bewegen und aus selbstzerstörerischen Konsummustern herauszukommen, sagte er. DafĂŒr mĂŒsste auch der öffentliche Gesundheitsdienst gestĂ€rkt werden. Das Versprechen aus der Corona-Zeit sei aber nicht eingelöst worden.

Unter Linnemanns VorgĂ€ngerin Nina Warken hatte die Regierung zwar beschlossen, die Steuern auf Tabak und hochprozentigen Alkohol um 20 Prozentpunkte anzuheben. Das sei aber wohl eher darauf angelegt, die Staatseinnahmen zu erhöhen, kommentierte Gassen den Schritt. Um die Menschen vom Rauchen und ĂŒbermĂ€ĂŸigem Trinken abzubringen, wĂ€ren deutlich höhere Preise notwendig. "Bei der Flasche Wodka hĂ€tten es fĂŒnf oder zehn Euro mehr sein mĂŒssen."

Auch beim Tabak reichten zwei Euro mehr fĂŒr eine Schachtel Zigaretten aus Sicht der KBV nicht aus. "Da hĂ€tte der Staat lieber mal ordentlich zulangen sollen", sagte Gassen. Denn wenn junge Menschen sich das nicht leisten könnten, ließen sie idealerweise die Finger davon. Wenn der Staat dann weniger Steuern einnehme, sei das umso besser: Die Gesundheitskosten wĂŒrden rapide sinken.

Der Ex-Gesundheitsministerin Warken stellte Gassen in Sachen Gesundheitsvorsorge ein ungenĂŒgendes Zeugnis aus. Die CDU-Politikerin hatte am 16. Juli ihre PlĂ€ne vorgestellt. Eine PrĂ€ventionsoffensive zu starten, eine Woche nachdem die Regierung das Sparpaket durch den Bundestag geprĂŒgelt habe, das zu weniger Vorsorgeuntersuchungen fĂŒhren werde, wirke fast zynisch, sagte der KBV-Chef. Zudem sei in den PlĂ€nen keine Idee zu erkennen, wie die Regierung PrĂ€vention wirklich stĂ€rken wolle. Deswegen komme ihm Warkens Offensive "schon etwas wie eine Alibiveranstaltung vor".

de | politik | 69920661 |