Katherina Reiche, Energiewende

Katherina Reiche verteidigt Energiewende und Koalition

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 06:26 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verteidigt Ausbau und Zielsetzung der Energiewende, fordert aber mehr Kostenkontrolle. Zugleich kündigt sie eine strategische Gasreserve an und bekennt sich zur Koalition mit der SPD.

Reiche weist Vorwürfe zur Energiewende zurück
Windräder (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) weist Vorwürfe zurück, sie wolle die Energiewende und den klimagerechten Umbau in Deutschland abwürgen. Im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ bezeichnete sie solche Anschuldigungen als „Unsinn“ und verwies auf den starken Zubau von Photovoltaik- und Windanlagen.

Reiche fordert Korrekturen bei der Energiewende

Nach ihren Angaben wurden sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr mehr Solar- und Windanlagen errichtet als ursprünglich vorgesehen. Zugleich erklärte Reiche, 30 Jahre Klimapolitik hätten bisher fast eine Billion Euro gekostet, während erneuerbare Energien am gesamten Energieverbrauch erst einen Anteil von rund 20 Prozent erreichten.

„Das zeigt, Transformation ist richtig, braucht aber Zeit, sie kostet Geld und sie verläuft nicht linear“, sagte die Ministerin. Die Entwicklung müsse immer wieder überprüft, nachgesteuert und gegebenenfalls korrigiert werden.

Strategische Gasreserve kommt später

Für den bevorstehenden Winter erwartet Reiche trotz vergleichsweise niedriger Speicherstände keinen Gasmangel. „Stand heute liegt mehr Gas in den Speichern, als selbst im kältesten Jahr verbraucht wurde“, sagte sie.

Wegen zunehmender Bedrohungen will die Bundesregierung zusätzlich eine strategische Gasreserve aufbauen. Diese soll Bürger und Unternehmen gegen unvorhergesehene Ereignisse absichern, wird nach Reiches Angaben jedoch erst im übernächsten Winter zur Verfügung stehen.

Ministerin bekennt sich zur Koalition

Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Koalition aus CDU/CSU und SPD wies Reiche zurück. Eine Minderheitsregierung oder eine punktuelle Unterstützung durch die AfD komme für sie nicht infrage: „Für mich gibt es zu dieser Koalition keine Alternative.“

Die starke AfD-Unterstützung in Ostdeutschland erklärte die gebürtige Brandenburgerin unter anderem mit der lang anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation und der Sorge vor Arbeitsplatzverlusten in der Auto-, Stahl- und Chemieindustrie. Für viele Menschen in den neuen Ländern sei der aktuelle Strukturwandel nach der deutschen Einheit ein zweiter großer Bruch.

Hoffnung auf industrielle Erneuerung

Reiche zeigte sich zuversichtlich, dass Deutschland die strukturelle Wirtschaftskrise überwinden kann. Sie verwies auf qualifizierte Arbeitskräfte, Wissenschaft, Gründer und Kapital sowie auf Chancen beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Industrie.

Deutschland habe alle Voraussetzungen, im globalen Wettbewerb erfolgreich zu sein. Dafür müsse das Land aber wieder gewinnen wollen und sich nicht damit zufriedengeben, „guter Zweiter“ zu werden.

Reiches Aussagen verbinden drei politische Ebenen: die Kosten der Energiewende, die kurzfristige Versorgungssicherheit beim Gas und die Stabilität der Bundesregierung. Beim Ausbau erneuerbarer Energien steht dabei nicht grundsätzlich das Ziel zur Debatte, sondern die Frage, wie stark der Staat den Zubau finanziert und wie Netze, Speicher und Kraftwerke aufeinander abgestimmt werden.

Diese Debatte wird aktuell durch konkrete Reformpläne des Wirtschaftsministeriums verschärft. Vorgesehen sind unter anderem Änderungen bei der Einspeisevergütung für kleine Photovoltaikanlagen sowie bei Entschädigungen für Anlagen, die wegen Netzengpässen abgeregelt werden. Befürworter erwarten geringere öffentliche und systemische Kosten; Kritiker warnen vor einem langsameren Ausbau und sinkender Akzeptanz.

Gasversorgung bleibt politischer Prüfstein

Die Gasfrage hat eine andere Zeitschiene. Selbst wenn die Ministerin für den kommenden Winter keinen Mangel erwartet, bleiben Speicherstände, Importmöglichkeiten, Wetter und Preise entscheidend. Eine strategische Reserve soll künftige Krisen abfedern, steht nach ihrer Darstellung aber erst im übernächsten Winter zur Verfügung. Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das: Versorgungssicherheit und Preisstabilität sind nicht dasselbe.

Reiches Verweis auf Auto-, Stahl- und Chemieindustrie ordnet die Energiepolitik in die deutsche Strukturkrise ein. Hohe Energiekosten, internationale Konkurrenz und der technologische Wandel erhöhen den Anpassungsdruck in Regionen, in denen Arbeitsplatzverluste politisch besonders stark wirken. Die Ministerin setzt deshalb auf Investitionen, künstliche Intelligenz und industrielle Erneuerung, hält aber zugleich an der bestehenden Koalition fest.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Reform der Energiewende: Bundestag verhandelt über Zukunft der Erneuerbaren“ (05.10.2026)

Der Beitrag beschreibt Reiches Reformkurs als Versuch, die Kosten des Ausbaus erneuerbarer Energien zu senken. Anders als die dts-Meldung, die Reiches Zurückweisung der Abwürge-Vorwürfe in den Mittelpunkt stellt, liegt der Schwerpunkt auf möglichen Einschnitten bei Förderung und Netzkosten.

tagesschau: „Günther kritisiert Energiepolitik von Ministerin Reiche“ (05.10.2026)

Der Artikel stellt die innerparteiliche Kritik von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther an den geplanten Reformen heraus. Damit ergänzt er Reiches Perspektive um den Konflikt zwischen Kostensenkung und dem von Kritikern befürchteten Tempoverlust beim Ausbau.

Übereinstimmung besteht darin, dass Reiches Energiepolitik derzeit politisch umstritten ist und konkrete Reformen vorbereitet werden. Unterschiedlich bewertet werden vor allem die Folgen für Ausbaugeschwindigkeit, Kosten und Akzeptanz; offen bleibt, welche Änderungen das parlamentarische Verfahren am Ende hervorbringt.

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