Bayern, Deutschland

Ein Katholikentag in unruhigen Zeiten

15.05.2026 - 04:45:05 | dpa.de

Kriege, gesellschaftliche Spaltung, wirtschaftliche Schieflage: Vieles beschäftigt gerade die Menschen. Auf dem Katholikentag in Würzburg jedoch wird Zuversicht bemüht.

  • Würzburg ist Gastgeber für den Katholikentag. - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Würzburg ist Gastgeber für den Katholikentag. - Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Zahlreiche Menschen sind in der Würzburger Innenstadt unterwegs. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Zahlreiche Menschen sind in der Würzburger Innenstadt unterwegs. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Der Bundespräsident war auf dem Katholikentag zu Gast. - Foto: Sven Hoppe/dpa
    Der Bundespräsident war auf dem Katholikentag zu Gast. - Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Bischof Jung spricht im Gottesdienst. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Bischof Jung spricht im Gottesdienst. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Würzburg ist Gastgeber für den Katholikentag. - Foto: Sven Hoppe/dpa Zahlreiche Menschen sind in der Würzburger Innenstadt unterwegs. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Der Bundespräsident war auf dem Katholikentag zu Gast. - Foto: Sven Hoppe/dpa Bischof Jung spricht im Gottesdienst. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Zeiten sind rau. Aber man könnte das an diesem Nachmittag in Würzburg glatt vergessen. Die Sonne kommt raus, die Menschen mit ihren Katholikentag-Schals um den Hals oder an den Rücksäcken gebunden flanieren durch die malerische Innenstadt. Es ist ein Katholikentag im katholischen Stammland, in Unterfranken am Main, wo die Volkskirche und die Verbandsarbeit noch vergleichsweise lebendig sind, wo der barocke Glanz der Kirchen und Klöster besonders schön leuchtet. 

Und doch: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) feiert seinen Katholikentag in unruhigen Zeiten. Das gilt für die Kirche selbst. Und das gilt für die komplette Gesellschaft. Umso bemerkenswerter ist es, wie gerade die politischen Akteure auf dem Katholikentag Zuversicht verbreiten: «Die Polarisierung ist eine unserer größten Krankheiten», warnt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). 

Optimismus vorleben

Doch sich wegzuducken, Deutschlands Lage schlechtzureden und immer nur zu schimpfen, ändere nichts. Stattdessen gelte es gerade für Politiker, Optimismus vorzuleben und die Gesellschaft zu beruhigen. «Ansonsten gewinnen die, die die Polarisierung vorantreiben», so Dobrindt.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier liegt es bei seinem letzten Katholikentag seiner Amtszeit daran, die Bürgerinnen und Bürger wachzurütteln, zu motivieren. «Die Demokratie geht nicht ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt», sagt er vor mehr als tausend Zuhörern. «Wir brauchen so etwas wie gesellschaftliche Gegenwehr», sei es gegen extremistische Strömungen oder Parteien, die am System rüttelten. Mitunter wird die AfD genannt, die Partei, deren Repräsentanten allerdings auf dem fünftägigen Großevent gar nicht zu sehen sind. Sie sind bewusst nicht eingeladen worden.

Der Katholikentag als Bühne für die Politik, Zuversicht zu verbreiten, Hoffnung zu geben? Die Frage, wie politisch die Kirche denn sein darf, hat vor allem im Vorjahr die Gemüter erhitzt. Als Kirchenvertreter und -vertreterinnen sich kritisch über den Kurs der Union in der Migrationspolitik geäußert hatten, reagierten Unionspolitiker teils harsch. 

Klöckner will nicht, dass Kirche dem Zeitgeist folgt

Auf dem Katholikentag nun sagt Dobrindt: «Ich würde mir beim Lebensschutz eine viel lautere Stimme der Kirche wünschen», beim Klimaschutz sei die Kirche eher eine Klimareligion, grundsätzlich würde er sich bei vielen Fragen eine lautere Kirche wünschen. Kirche habe mit die größte Bindungswirkung in einer Gesellschaft.

Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) findet, Kirchen sollten nicht ständig dem Zeitgeist folgen. «Viele Menschen erwarten von der Kirche vor allem spirituelle Impulse, nicht Austauschbarkeit oder Beliebigkeit. Wenn Kirche dem Zeitgeist gefallen und sich ständig neuen innerweltlichen Trends anpassen will, verliert sie ihr Alleinstellungsmerkmal», sagte Klöckner der «Augsburger Allgemeinen» (Freitag). Kirche müsse stattdessen «sie selbst bleiben, über das Hier und Jetzt hinausweisen und Halt bieten in den grundlegenden Fragen, denen von Anfang und Ende des Lebens».

Papst vs. Trump

Wenn man den Blick nach Rom richtet, zum Oberhaupt der Katholiken, fällt auf, dass Papst Leo XIV. sich nicht vor klaren Worten scheut - um für Frieden zu werben, sich gegen Armut zu wenden und auf die Risiken von KI zu verweisen. 

Dass er US-Präsident Donald Trump die Stirn bietet, finden viele Menschen in Deutschland gut: Mehr als die Hälfte der Bürger befürwortet es, dass sich Leo XIV. politisch äußert. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur hervor. Unterschiede gibt es aber bei der Frage, zu welchen Themen er Position beziehen soll: Demnach finden es 46 Prozent der Befragten richtig, dass der Papst grundsätzlich Stellung nimmt zu Themen politischer Relevanz. Weitere 25 Prozent der Befragten gaben an, der Papst solle sich nur zu ausgewählten Fragen politischer Relevanz äußern, also etwa zu Krieg und Frieden.

17 Prozent sind der Meinung, der Papst solle grundsätzlich nicht zu politisch relevanten Themen sprechen. 12 Prozent hatten keine Meinung zu dem Thema. YouGov hat zwischen dem 8. und dem 11. Mai 2.179 Menschen online befragt.

«Nicht hinter Kirchentüren verschwinden»

Der gastgebende Bischof des Katholikentags, Franz Jung, wird in seiner Predigt vor der Würzburger Residenz ebenso deutlich: Er warnt vor einer religiösen Rechtfertigung von Gewalt. «Überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet.»

Die Kirche setze sich für die Würde des Lebens ein, etwa für Ungeborene sowie für Kranke, Behinderte und Sterbende.

Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), hatte zur Eröffnung des Katholikentags erklärt, es sei Auftrag von Christinnen und Christen, «nicht hinter Kirchentüren zu verschwinden». Das Leitwort des Treffens - «Hab Mut, steh auf!» - bedeute: «Wir müssen uns einmischen.» Eine Kirche, die sich zur Menschenwürde und zur Solidarität bekenne, sei eine politische Kirche.

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