Kubicki will Bonus für wenige Krankheitstage statt AU-Pflicht ab Tag eins
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 11:55 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFDP-Chef Wolfgang Kubicki fordert die Ampelkoalition auf, ihre Pläne für eine Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag fallen zu lassen und stattdessen einen Bonus für Beschäftigte mit wenigen Krankheitstagen einzuführen. Er knüpft damit an die aktuelle Debatte über den Umgang mit Kurzzeit-Erkrankungen und Nachweispflichten im Arbeitsalltag an.
Kritik an mehr Bürokratie und Dokumentationspflichten
Nach den Worten Kubickis zeigt die Diskussion über eine AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag, dass Probleme in Deutschland zunehmend über zusätzliche Nachweis- und Dokumentationspflichten gelöst würden. Am Ende stünden mehr organisatorischer Aufwand, mehr Bürokratie, mehr Chaos und viel Frustration, kritisierte der FDP-Vorsitzende in einem Interview mit der „Rheinischen Post“.
Die geplante Verschärfung würde über die bisherige Praxis hinausgehen, nach der viele Arbeitgeber erst ab dem dritten Krankheitstag eine Krankschreibung verlangen. Kubicki warnt vor einer weiteren Verdichtung von Kontrollen und setzt stattdessen auf alternative Wege, um Fehlzeiten zu steuern.
Bonus als „Anreiz ohne Gängelung“
Arbeitgeber sollten nach Kubickis Vorstellung einen steuerfreien Bonus zahlen dürfen, wenn Arbeitnehmer im jeweiligen Zeitraum nicht krank werden. Einen solchen Bonus bezeichnete er als „Anreiz ohne Gängelung“, der im Gegensatz zu zusätzlichen Pflichten auf freiwillige Anreizsetzung setzt.
Damit richtet sich der FDP-Politiker auch an Unternehmen, die mit finanziellen Anreizen die Anwesenheit ihrer Belegschaft erhöhen wollen. Konkrete Ausgestaltung und Höchstgrenzen für steuerfreie Zahlungen müsste der Gesetzgeber festlegen, falls die Koalition den Vorschlag aufgreifen sollte.
Union setzte Pflicht durch, SPD bleibt skeptisch
Die Union hatte die Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag beim jüngsten Koalitionsausschuss durchgesetzt. Innerhalb der Regierung stößt die Maßnahme jedoch auf Widerstand.
SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas sieht die Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag kritisch und hält die Maßnahme nicht für sinnvoll. Damit steht sie klar auf der Seite derjenigen, die auf Vertrauen und pragmatische Lösungen setzen, statt zusätzliche Nachweispflichten einzuführen.
Wie die Koalition mit den unterschiedlichen Positionen der Union, der SPD und der FDP weiter umgeht, ist offen. Klar ist jedoch, dass die Frage nach dem richtigen Umgang mit Krankheitstagen und arbeitsrechtlichen Pflichten die Regierung weiter beschäftigen wird.
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Die Forderung von Wolfgang Kubicki zielt auf ein zentrales Spannungsfeld der Arbeits- und Sozialpolitik in Deutschland: den Umgang mit kurzen Krankheitsphasen und die Balance zwischen Kontrolle, Vertrauen und Anreizsystemen. In vielen Betrieben gilt bislang, dass Beschäftigte erst ab dem dritten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen müssen, wobei Arbeitgeber nach geltender Rechtslage auch früher einen Nachweis verlangen dürfen. Die von der Union im Koalitionsausschuss durchgesetzte Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag würde diese Praxis vereinheitlichen und verschärfen.
Politischer Konflikt um Kontrolle und Bürokratie
Während Befürworter einer AU-Pflicht ab dem ersten Tag auf mehr Transparenz und eine mögliche Verringerung von Missbrauch hoffen, kritisieren Gegner zusätzliche Bürokratie, höheren organisatorischen Aufwand und eine weitere Verdichtung von Dokumentationspflichten. Kubicki greift diese Kritik auf und verbindet sie mit dem Argument, dass Vertrauen in Beschäftigte und flexible betriebliche Lösungen besser geeignet seien, um Fehlzeiten zu steuern. Die ablehnende Haltung der SPD-Spitze zeigt, dass die Debatte innerhalb der Regierung umstritten ist und unterschiedliche Vorstellungen darüber bestehen, wie arbeitsrechtliche Regelungen ausgestaltet werden sollen.
Anreizmodelle und mögliche Folgen für Beschäftigte
Der vorgeschlagene steuerfreie Bonus für Arbeitnehmer mit wenigen oder keinen Krankheitstagen wäre ein marktorientiertes Instrument, das auf positive Anreize statt auf strengere Nachweispflichten setzt. Für Beschäftigte könnte ein solches Modell jedoch ambivalente Folgen haben: Einerseits eröffnet es die Aussicht auf zusätzliche finanzielle Leistungen, andererseits besteht die Gefahr, dass sich Menschen trotz Krankheit zur Arbeit schleppen, um den Bonus nicht zu verlieren. Für Arbeitgeber würde ein steuerfreier Bonus Gestaltungsspielräume eröffnen, um Fehlzeiten zu beeinflussen, gleichzeitig müssten sie solche Programme fair und transparent anwenden, um kein „Zwei-Klassen-System“ im Betrieb zu schaffen.
Bedeutung für Leserinnen und Leser
Für Arbeitnehmer ist die Debatte relevant, weil sie direkt berührt, wie unkompliziert eine Krankmeldung künftig erfolgt und ob Arbeitgeber zusätzliche finanzielle Anreize an Anwesenheit knüpfen dürfen. Für Unternehmen stellt sich die Frage, ob neue Pflichten bei der Erfassung von Krankheitszeiten entstehen oder ob Anreizmodelle eingeführt werden, die betrieblich organisiert werden müssen. Die weitere Ausgestaltung hängt von den anstehenden politischen Entscheidungen ab – klar ist aber, dass der Umgang mit Krankheitstagen zunehmend zum Gegenstand grundsätzlicher arbeits- und sozialpolitischer Auseinandersetzungen wird.
