Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahl

Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: AfD vor SPD – CDU muss um Landtag bangen

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 18:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD laut Prognosen knapp vor der SPD, dennoch kann Ministerpräsidentin Manuela Schwesig voraussichtlich weiterregieren. CDU, Grüne und BSW bangen um den Einzug ins Parlament, die Regierungsbildung dürfte kompliziert werden.

Der Landtag im Schloss gilt als schönster Deutschlands: AfD und SPD könnten nach den Wahlprognosen in etwa gleichstark einziehen. - Bild: Philip Dulian/dpa
Der Landtag im Schloss gilt als schönster Deutschlands: AfD und SPD könnten nach den Wahlprognosen in etwa gleichstark einziehen. - Bild: Philip Dulian/dpa

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD laut Prognosen knapp vor der SPD, dennoch kann Ministerpräsidentin Manuela Schwesig voraussichtlich weiterregieren.

SPD bleibt stärkste Regierungsoption

Nach den 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF hat die SPD mit einer stark auf den Zweikampf zugeschnittenen Kampagne die zuvor in den Umfragen führende AfD nicht ganz eingeholt. Schwesigs Partei kommt demnach auf 35,5 bis 36,5 Prozent und liegt damit nur wenig unter dem Ergebnis von 2021 mit 39,6 Prozent. Für den Machterhalt braucht die seit 2017 regierende SPD neben der Linken nun aber womöglich einen dritten Partner.

AfD legt deutlich zu, bleibt ohne Koalitionspartner

Die AfD mit ihrem Ministerpräsidentenkandidaten Leif-Erik Holm steigert sich laut Prognose auf 37 bis 38 Prozent und verdoppelt ihr Ergebnis von 16,7 Prozent deutlich. Sollte sie am Ende der Auszählung vorne liegen, wäre sie nach Thüringen und Sachsen-Anhalt in einem dritten Landtag stärkste Kraft. Für eine Regierungsbildung fehlt ihr jedoch ein Koalitionspartner, da keine andere Partei mit der AfD zusammenarbeiten will.

CDU, Grüne und BSW bangen um den Landtagseinzug

Die CDU mit ihrem Landesvorsitzenden Daniel Peters wird im polarisierten Wahlkampf zwischen SPD und AfD zerrieben und fällt auf 5 bis 5,5 Prozent, nach 13,3 Prozent bei der vergangenen Wahl. Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik muss die Partei damit um ihren Verbleib im Schweriner Landtag bangen. Auch die Grünen zittern mit prognostizierten 5,5 Prozent um den erneuten Einzug, für das erstmals angetretene Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 4,8 bis 5 Prozent ist der Ausgang ebenfalls unsicher.

Linke schwach, FDP scheitert klar

Die Linke verliert deutlich an Zustimmung und kommt laut Prognose auf 6 bis 7,5 Prozent, nach 9,9 Prozent im Jahr 2021. Die Partei könnte dennoch im Landtag bleiben und für Schwesig als Regierungspartnerin zur Verfügung stehen. Die FDP verfehlt mit 1 bis 1,2 Prozent klar die Fünf-Prozent-Hürde und scheidet aus dem Landtag aus, womit sie bundesweit nur noch in vier Landesparlamenten vertreten ist.

Mögliche Sitzverteilung und hohe Wahlbeteiligung

Den Nachwahlbefragungen von Infratest dimap und Forschungsgruppe Wahlen zufolge könnte die Sitzverteilung im Schweriner Schloss wie folgt aussehen: SPD 26 bis 28 Mandate (2021: 34), AfD 27 bis 30 (14), Linke 5 bis 6 (9), CDU 4 (12), Grüne 4 (5). Die Mehrheit im Landtag liegt bei 36 Mandaten. Rund 1,3 Millionen Menschen waren wahlberechtigt, darunter erstmals auch 16- und 17-Jährige. Die Wahlbeteiligung steigt nach der ZDF-Prognose auf 75,5 Prozent gegenüber 70,8 Prozent bei der vergangenen Wahl.

Druck auf Friedrich Merz und komplizierte Koalitionsfragen

Die schlechten Aussichten für die CDU strahlen auch nach Berlin aus und erhöhen den Druck auf Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz. Bereits nach dem Fiasko in Sachsen-Anhalt hatte er Rückzugsforderungen gesehen, wurde aber von den CDU-Ministerpräsidenten gestützt. Diese Diskussion könnte nun neu aufflammen und die Koalition im Bund zusätzlich belasten. Für Schwesig dürfte die Regierungsbildung schwierig werden, falls es mit der bisherigen Partnerin Linke nicht reicht und die Grünen den Wiedereinzug verpassen.

Enger Handlungsspielraum bei der Regierungsbildung

Die Landesverfassung setzt enge Fristen: Der neue Landtag muss spätestens 30 Tage nach der Wahl erstmals zusammentreten und innerhalb weiterer vier Wochen, spätestens am 17. November, eine Regierungschefin oder einen Regierungschef mit der Mehrheit aller Abgeordneten wählen. Kommt bis dahin keine Mehrheitswahl zustande, kann der Landtag innerhalb von zwei weiteren Wochen bis zum 1. Dezember entweder seine Auflösung beschließen und damit Neuwahlen auslösen oder am selben Tag eine Regierungschefin oder einen Regierungschef mit einfacher Mehrheit wählen.

Polarisierter Wahlkampf und unterschiedliche Strategien

Der Wahlkampf war stark auf die Frage zugespitzt, ob SPD oder AfD das Land künftig führen. Die AfD warb mit Leif-Erik Holm als Ministerpräsidentenkandidat und kündigte für den Fall einer Regierungsübernahme unter anderem an, den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen. Die SPD setzte mit Manuela Schwesig auf das Gegenbild „Die Frau gegen Blau“ und versuchte, das nicht-afD-nahe Lager zu bündeln. Die übrigen Parteien hatten mit ihren Themen, etwa in der Bildungspolitik, zunehmend Schwierigkeiten, Gehör zu finden.

Bundespolitik als Belastung und regionale Spaltung

Der Reformkurs der Bundesregierung belastete den Wahlkampf zusätzlich. Schwesig grenzte sich scharf von der Berliner Koalition ab, insbesondere von Reformplänen zur Stabilisierung der Renten- und Pflegeversicherung, und forderte Entlastungen bei hohen Spritpreisen. Gleichzeitig griff sie Bundeskanzler Merz persönlich an und präsentierte sich bei Terminen im Land als volksnahe Landesmutter, was ihre hohen Sympathiewerte im Vergleich zu Holm stützte. Die AfD wiederum nutzte Sorgen über globale Krisen und das soziale Gefälle zwischen den Tourismusregionen an der Küste und dem strukturschwächeren Binnenland für ihre Kampagne.

Polarisierung und Signalwirkung für die Bundespolitik

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zeigt eine zugespitzte Polarisierung zwischen SPD und AfD, die die politischen Kräfte im Nordosten neu ordnet. Dass die AfD laut Prognosen knapp vor der SPD liegt und ihr Ergebnis mehr als verdoppelt, unterstreicht die anhaltende Stärke der Partei in ostdeutschen Flächenländern. Zugleich kann Ministerpräsidentin Manuela Schwesig voraussichtlich weiterregieren – ein Hinweis darauf, dass populäre Landesfiguren und klar abgegrenzte Wahlkampflinien auch unter schwierigen bundespolitischen Vorzeichen tragen.

Schwäche der traditionellen Mitte und Herausforderungen für die CDU

Die massiven Verluste der CDU und ihr mögliches Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde markieren einen tiefen Einschnitt für die Partei im Land. Für die Bundes-CDU ist die Wahl ein weiterer Rückschlag nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt und verschärft den innerparteilichen Druck auf Parteichef und Kanzler Friedrich Merz. Zugleich illustriert das Ergebnis, wie stark auf Polarisierung angelegte Wahlkämpfe die klassischen Mitteparteien verdrängen können. Für mögliche Koalitionen bedeutet dies, dass die CDU trotz schwacher Stimmanteile als potenzieller Stützpfeiler einer SPD-geführten Regierung relevant bleiben könnte, falls die bisherige rot-rote Mehrheit nicht ausreicht.

Komplexe Regierungsbildung und Bedeutung für andere Parteien

Die voraussichtliche Sitzverteilung im Schweriner Landtag deutet auf schwierige Koalitionsverhandlungen hin. Da keine Partei mit der AfD koalieren will, bleibt die Regierungsbildung im demokratischen Spektrum trotz AfD-Stärke offen. Eine Fortsetzung von Rot-Rot, eine Erweiterung um einen dritten Partner oder ein Minderheitsbündnis unter SPD-Führung stehen als Optionen im Raum. Die Verluste von Linke, Grünen und FDP sowie das unsichere Abschneiden des BSW spiegeln zugleich die Herausforderung wider, in einem stark personalisierten und polarisierenden Wahlkampf mit eigenen Themen durchzudringen. Für die Wählerinnen und Wähler im Land entscheidet die kommende Regierung darüber, wie Bildungspolitik, soziale Fragen und der Umgang mit globalen Krisen künftig gestaltet werden.

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