LehrkrÀfte: 3.772 wechseln im August in die Arbeitslosigkeit
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSIm August sind bundesweit 3.772 LehrkrĂ€fte aus einer sozialversicherungspflichtigen BeschĂ€ftigung in die Arbeitslosigkeit gewechselt. Das geht aus Antworten des Bundesarbeitsministeriums auf eine schriftliche Frage der Linksfraktion im Bundestag hervor, ĂŒber die die âRheinische Postâ berichtet.
Bayern besonders betroffen
Allein in Bayern wurden im August 545 Lehrer arbeitslos. Bereits im Juli wechselten bundesweit 1.771 LehrkrÀfte von einer BeschÀftigung in die Arbeitslosigkeit.
Von Januar bis August 2026 gab es damit mehr als 9.200 ZugĂ€nge von Lehrern in die Arbeitslosigkeit. Dem standen zwischen Januar und Juni knapp 3.400 AbgĂ€nge aus der Arbeitslosigkeit in den Lehrerberuf gegenĂŒber; aktuellere Daten lagen in den Antworten nicht vor.
Kritik an befristeten BeschÀftigungen
Die Linken-Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke kritisierte angesichts der Entwicklung eine âunwĂŒrdige Praxis der Sommerarbeitslosigkeitâ. Trotz des LehrkrĂ€ftemangels und schlechter deutscher Ergebnisse in der Pisa-Studie wĂŒrden angehende und befristet beschĂ€ftigte LehrkrĂ€fte weiterhin ĂŒber die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit geschickt.
Das sei angesichts des Personalmangels an Schulen unverstĂ€ndlich, sagte Gohlke. Bildung mĂŒsse als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankert werden, damit Bund und LĂ€nder sie dauerhaft gemeinsam finanzieren könnten.
Die Zahlen beschreiben ein wiederkehrendes Spannungsfeld im deutschen Schulsystem: LehrkrĂ€fte werden regional und fachlich dringend gesucht, zugleich enden viele BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse zum Schuljahresende. Besonders betroffen sind LehrkrĂ€fte, die befristet eingestellt wurden oder noch keine dauerhafte Stelle erhalten haben. Die Arbeitslosigkeit ĂŒber die Sommermonate kann dadurch steigen, obwohl zum Beginn des neuen Schuljahres erneut Personal benötigt wird.
FĂŒr die Betroffenen bedeutet dieses Modell finanzielle Unsicherheit und einen wiederholten Wechsel zwischen BeschĂ€ftigung und Arbeitslosigkeit. FĂŒr Schulen kann es den Aufbau stabiler Kollegien erschweren, weil erfahrene LehrkrĂ€fte nicht automatisch an ihre bisherige Schule zurĂŒckkehren. Die Differenz zwischen mehr als 9.200 ZugĂ€ngen in die Arbeitslosigkeit und knapp 3.400 AbgĂ€ngen in den Lehrerberuf weist zudem auf eine deutlich geringere RĂŒckkehrbewegung im ersten Halbjahr hin.
Bund-LĂ€nder-Verantwortung im Bildungsbereich
Die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr Schulen liegt weitgehend bei den LĂ€ndern, wĂ€hrend der Bund nur begrenzte Möglichkeiten zur dauerhaften Finanzierung und Steuerung hat. Gohlkes Forderung nach einer stĂ€rkeren gemeinsamen Verantwortung zielt deshalb auf die strukturelle Finanzierung des Bildungswesens und nicht nur auf die ĂberbrĂŒckung einzelner Ferienmonate.
Die Aussagekraft der Arbeitslosenzahlen hĂ€ngt zugleich davon ab, welche LehrkrĂ€fte erfasst sind und wie viele anschlieĂend wieder eingestellt werden. FĂŒr die politische Bewertung entscheidend sind daher nicht nur die monatlichen ZugĂ€nge, sondern auch Vertragsdauer, FĂ€cher, Regionen und die Entwicklung zum Beginn des Schuljahres.
