Drogen, Cannabis

Cannabis-Legalisierung - sinnvoll oder gefÀhrlich? 

15.08.2023 - 08:18:17 | dpa.de

Morgen soll das Gesetz zur Cannabis-Legalisierung auf den Weg gebracht werden. An dem Ampel-Projekt scheiden sich die Geister. Eine Beleuchtung von Pro- und Kontra-Argumenten.

Nahaufnahme einer THC-haltigen medizinischen Cannabispflanze in einer Zuchtanlage. - Foto: David Pichler/dpa

Cannabis zu Hause oder gemeinschaftlich in speziellen Clubs anbauen oder ganz legal einen Joint rauchen - das soll mit dem Gesetz zur Cannabis-Legalisierung möglich werden. Die Ampel-Koalition wird es morgen voraussichtlich im Bundeskabinett auf den Weg bringen. Der Gesetzentwurf soll dann nach der Sommerpause im Bundestag beraten und beschlossen werden. Inkrafttreten könnten die neuen Regeln noch in diesem Jahr. An dem Vorhaben scheiden sich allerdings die Geister.

BefĂŒrworter und die Bundesregierung argumentieren so:

Die bisherige Verbotspolitik ist gescheitert. Die Droge ist bisher zwar illegal, wird aber trotzdem immer mehr konsumiert. Auf dem Schwarzmarkt haben Konsumenten aber keine Sicherheit: Der Wirkstoffgehalt bei von Dealern gekauften Drogen ist unklar, es können außerdem gefĂ€hrliche Stoffe beigemischt sein. Mit der geplanten teilweisen Freigabe in Form von gemeinschaftlichem Anbau in Cannabis-Vereinen oder durch legalen Eigenanbau von maximal drei Pflanzen könnten durch strenge Vorgaben der Gesundheitsschutz verbessert sowie der Schwarzmarkt und die organisierte KriminalitĂ€t eingedĂ€mmt werden, wird argumentiert.

Die Deutsche Hauptstelle fĂŒr Suchtfragen als deutschlandweiter Zusammenschluss der Vereine und VerbĂ€nde der Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe begrĂŒĂŸt die Entkriminalisierung von Konsumenten. «Bislang konnte nicht festgestellt werden, dass ein strafrechtliches Verbot wirksam den Konsum und einhergehende gesundheitliche und soziale Folgen reduziert», heißt es in ihrer Stellungnahme zum Gesetz.

Die Bundesregierung bringt in ihrem Gesetzentwurf noch ein weiteres Argument: Strafverfolgungsbehörden, Gerichte und GefĂ€ngnisse könnten jĂ€hrlich um gut eine Milliarde Euro entlastet werden, wenn Anbau, Besitz und Konsum fĂŒr Erwachsene legal werden.

Doch das Vorhaben hat auch viele Gegner:

BundesĂ€rztekammer, Kinder- und JugendĂ€rzte, Gewerkschaft der Polizei (GdP), Deutscher Richterbund, um nur einige zu nennen. Richterbund und GdP sehen durch das Gesetz keine Entlastung von Justiz und Polizei - im Gegenteil. Die vielen speziellen Regeln zu Cannabis-Clubs und zu Anbau und Abgabe der Droge, die mit der Legalisierung kommen, mĂŒssten auch wieder kontrolliert und VerstĂ¶ĂŸe geahndet werden, argumentieren sie. Bezweifelt wird auch, dass der Schwarzmarkt ausgetrocknet wird. Wenn wie geplant 25 Gramm Cannabis fĂŒr den Eigenbedarf legal werden, könnten Dealer beispielsweise immer nur maximal diese Menge mit sich fĂŒhren und kaum belangt werden, es sei denn, sie werden direkt bei einer Übergabe erwischt.

Ein schwerwiegendes Argument gegen die Legalisierung kommt von VerbĂ€nden aus der Medizin. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. verweist darauf, dass die Hirnreifung erst mit etwa Mitte 20 abgeschlossen sei und ein frĂŒherer Cannabis-Konsum etwa das Risiko fĂŒr Psychosen erhöhen kann. Aus psychiatrischer und neurobiologischer Sicht sollte die Altersgrenze fĂŒr den Zugang nach Ansicht des Verbands daher nicht unter 21 Jahren liegen. Das Gesetz sieht eine Freigabe ab 18 vor.

VerbĂ€nde der Kinder- und Jugendmedizin lehnen den Gesetzentwurf in ihrer Stellungnahme «entschieden» ab. Aus ihrer Sicht fĂŒhren die LegalisierungsplĂ€ne «zu einer GefĂ€hrdung der psychischen Gesundheit und der Entwicklungschancen junger Menschen in Deutschland». Ähnlich argumentiert die BundesĂ€rztekammer.

Das Bundesgesundheitsministerium selbst hatte Experten des Instituts fĂŒr interdisziplinĂ€re Sucht- und Drogenforschung in Hamburg um eine EinschĂ€tzung gebeten. Diese waren in einem Papier im Mai zu dem Schluss gekommen, dass ein Anstieg des Cannabis-Konsums bei Jugendlichen «durch eine zunehmende Normalisierung des Konsums unter Erwachsenen begĂŒnstigt werden» könnte und durch die Legalisierung sich «die subjektive VerfĂŒgbarkeit» der Droge bei Jugendlichen erhöhe. Sie verwiesen auf einen stĂ€rkeren Anstieg des Cannabis-Konsums bei Jugendlichen in US-Bundesstaaten, in denen die Droge bereits legalisiert wurde.

Sowohl Pro als auch Contra:

Wie immer gibt es auch bei diesem Thema nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BdK) zum Beispiel begrĂŒĂŸt die grundsĂ€tzliche Absicht des Gesetzentwurfs, den Besitz von geringen Mengen Cannabis zu entkriminalisieren. Aber auch der BdK kritisiert das Gesetz im Detail: So soll den PlĂ€nen zufolge Cannabis, wenn es dann fĂŒr Erwachsene legal ist, nicht in einem Umkreis von 200 Metern von Schulen oder SpielplĂ€tzen konsumiert werden dĂŒrfen. Wer soll das eigentlich kontrollieren, fragt der BdK und schlĂ€gt vor, doch dann lieber das Joint-Rauchen in der Öffentlichkeit ganz zu verbieten. Den Kinder- und Jugendschutz sieht der Verband ebenfalls nicht erfĂŒllt. Seiner Ansicht nach wĂ€re die «einzig sinnvolle Maßnahme», die Abgabe von Cannabis an MinderjĂ€hrige zum Verbrechenstatbestand zu machen, bewĂ€hrt mit einer Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren.

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