MPK-Vorsitz: Rheinland-Pfalz bleibt wegen AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt an der Spitze
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 18:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRheinland-Pfalz behĂ€lt den Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz ein weiteres Jahr, nachdem Sachsen-Anhalt auf die turnusgemĂ€Ăe Ăbernahme ab Oktober verzichtet hat.
Einstimmige Entscheidung der LĂ€nder
Die Regierungschefs der LÀnder beschlossen die VerlÀngerung einstimmig, wie die Staatskanzlei in Mainz mitteilte. Damit bleibt der rheinland-pfÀlzische MinisterprÀsident Gordon Schnieder Vorsitzender des Gremiums der LÀnderregierungschefs.
Eigentlich wĂ€re Sachsen-Anhalt an der Reihe gewesen. MinisterprĂ€sident Sven Schulze hatte Schnieder am 8. September in einem Brief mitgeteilt, dass sein Land nach dem Wahlsieg der AfD auf den turnusgemĂ€Ăen Vorsitz verzichten wolle.
Schleswig-Holstein folgt 2027
Die weitere Reihenfolge der VorsitzlĂ€nder bleibt nach Angaben aus Mainz unverĂ€ndert. Im Oktober 2027 soll daher wie ursprĂŒnglich geplant Schleswig-Holstein den Vorsitz ĂŒbernehmen; dort wird im April kommenden Jahres ein neuer Landtag gewĂ€hlt.
Der Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz liegt seit Oktober 2025 bei Rheinland-Pfalz. In diese Zeit fiel auch der Regierungswechsel in Mainz vom frĂŒheren MinisterprĂ€sidenten Alexander Schweitzer (SPD) zu Gordon Schnieder (CDU).
Vorsitz prÀgt Themen und Verhandlungen
Die MinisterprĂ€sidentenkonferenz ist ein informelles Koordinierungsgremium der LĂ€nder untereinander und gegenĂŒber dem Bund. Der Vorsitzende bereitet Treffen vor, koordiniert und moderiert sie, setzt Themen und vertritt die LĂ€nder nach auĂen.
Die rechtliche BeschlussfĂ€higkeit der Konferenz bleibt von der Vorsitzfrage unberĂŒhrt. Der Vorsitzende kann andere LĂ€nder nicht ĂŒberstimmen; BeschlĂŒsse entfalten rechtliche Wirkung erst, wenn die LĂ€nder sie in eigenen Verfahren umsetzen.
Debatte ĂŒber Sachsen-Anhalt
Nach Schulzes VorstoĂ hatte Schnieder erklĂ€rt, es gehe um die Sicherstellung eines geordneten Verfahrens und nicht um die Ausgrenzung eines möglichen AfD-MinisterprĂ€sidenten Ulrich Siegmund. Nun begrĂŒndete er die VerlĂ€ngerung mit den vorhandenen Strukturen in Rheinland-Pfalz.
Niedersachsens MinisterprĂ€sident Olaf Lies (SPD), Co-Vorsitzender der Konferenz, dankte Schnieder und Rheinland-Pfalz fĂŒr die Ăbernahme der Verantwortung. Die LĂ€nder blieben handlungsfĂ€hig, teilte Lies mit.
Juristisch möglich
Eine Ănderung der festgelegten Vorsitzreihenfolge ist nach EinschĂ€tzung des frĂŒheren Bundesverfassungsrichters Peter M. Huber verfassungsrechtlich möglich. Die MinisterprĂ€sidentenkonferenz sei kein formelles Verfassungsorgan und im Grundgesetz nicht vorgesehen, erklĂ€rte Huber.
Ein Vorsitz im politischen Spannungsfeld
Die Entscheidung fĂ€llt in eine Phase, in der Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl vom 6. September vor einer schwierigen Regierungsbildung steht. Die AfD wurde mit 43,8 Prozent stĂ€rkste Kraft und verfĂŒgt ĂŒber 39 der 83 Sitze. Eine absolute Mehrheit fehlt; zugleich lehnen CDU, SPD, GrĂŒne und Linke eine Zusammenarbeit mit der AfD ab.
Damit erhĂ€lt der Verzicht Sachsen-Anhalts auf den MPK-Vorsitz eine zusĂ€tzliche politische Bedeutung. Der Vorsitz ist zwar kein Regierungsamt und verleiht dem Inhaber kein Weisungs- oder Durchgriffsrecht. Er ermöglicht aber, Themen der LĂ€nder zu bĂŒndeln, Beratungen vorzubereiten und die gemeinsame Positionierung gegenĂŒber dem Bund sichtbar zu vertreten.
Praktische Folgen fĂŒr die LĂ€nder
FĂŒr Rheinland-Pfalz bedeutet die VerlĂ€ngerung vor allem KontinuitĂ€t: Bestehende organisatorische AblĂ€ufe können fortgefĂŒhrt werden, wĂ€hrend Sachsen-Anhalt seine politische Neuordnung bewĂ€ltigt. Die LĂ€nder behalten zugleich die vereinbarte Reihenfolge der VorsitzĂŒbernahme bei; Schleswig-Holstein soll im Oktober 2027 folgen.
FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger ist entscheidend, dass die MPK keine Gesetze erlĂ€sst. Ihre BeschlĂŒsse werden erst durch die jeweils zustĂ€ndigen LĂ€nder oder den Bund rechtlich umgesetzt. Politisch kann der Vorsitz dennoch Einfluss darauf nehmen, welche Themen bei gemeinsamen Verhandlungen etwa zu Bildung, Migration, Finanzen oder innerer Sicherheit auf die Tagesordnung kommen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ntv: âAfD und BSW pokern um Sachsen-Anhalts Zukunftâ (24.09.2026)
Der Bericht ordne den Verzicht Sachsen-Anhalts in die schwierige Regierungsbildung nach dem AfD-Wahlsieg ein. Er bestĂ€tige, dass die AfD 39 der 83 Sitze gewonnen habe und das BSW dadurch eine SchlĂŒsselrolle erhalten könne; zugleich liege der Schwerpunkt auf den offenen MehrheitsverhĂ€ltnissen in Magdeburg und nicht auf der organisatorischen FortfĂŒhrung des MPK-Vorsitzes.
MDR: âAfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt verĂ€ndert die politische Landschaftâ (23.09.2026)
Der Artikel hebe hervor, die AfD sei mit 43,8 Prozent stÀrkste Kraft geworden, wÀhrend mehrere Parteien eine Zusammenarbeit ausschlössen. Anders als die Meldung zum MPK-Vorsitz richte sich der MDR-Schwerpunkt auf die regionalen und bundespolitischen Folgen der Wahl; offen bleibe dort vor allem, wie sich die schwierige Regierungsbildung auf Sachsen-Anhalt auswirke.
Beide Berichte bestĂ€tigten den politischen Hintergrund des Vorsitzverzichts, setzten ihre Schwerpunkte aber auf die Regierungsbildung und die verĂ€nderten KrĂ€fteverhĂ€ltnisse. Die konkrete FortfĂŒhrung des MPK-Vorsitzes und die vorgesehene Ăbernahme durch Schleswig-Holstein im Jahr 2027 stĂŒnden in den Berichten nicht im Mittelpunkt.
