Fragen, VerdÀchtiger

Viele offene Fragen - VerdÀchtiger vor Ermittlungsrichter

14.02.2025 - 03:00:36 | dpa.de

MĂŒnchen unter Schock - ein Auto rast in eine Demo, es gibt viele Verletzte. Welches Motiv hatte der TatverdĂ€chtige, ein 24-jĂ€hriger Afghane? Kanzler Scholz versichert, ihn abschieben zu wollen.

  • AufrĂ€umarbeiten am Tatort. - Foto: Matthias Balk/dpa
    AufrÀumarbeiten am Tatort. - Foto: Matthias Balk/dpa
  • TrĂŒmmerteile und Kleidung liegen nach der Tat auf der Straße. - Foto: Alexa GrĂ€f/dpa
    TrĂŒmmerteile und Kleidung liegen nach der Tat auf der Straße. - Foto: Alexa GrĂ€f/dpa
  • Bundesinnenministerin Nancy Faeser fuhr nach der Tat nach MĂŒnchen. - Foto: Tizian Gerbing/dpa
    Bundesinnenministerin Nancy Faeser fuhr nach der Tat nach MĂŒnchen. - Foto: Tizian Gerbing/dpa
AufrĂ€umarbeiten am Tatort. - Foto: Matthias Balk/dpa TrĂŒmmerteile und Kleidung liegen nach der Tat auf der Straße. - Foto: Alexa GrĂ€f/dpa Bundesinnenministerin Nancy Faeser fuhr nach der Tat nach MĂŒnchen. - Foto: Tizian Gerbing/dpa

Die bayerische Landeshauptstadt MĂŒnchen steht unter Schock - und sucht nach Antworten darauf, warum ein Mann mit einem Auto in der Innenstadt in einen Demonstrationszug gerast ist. Mindestens 30 Menschen wurden dabei am Donnerstag verletzt, einige von ihnen schwer.

Der tatverdĂ€chtige 24-jĂ€hrige Afghane wurde festgenommen, heute soll er einem Ermittlungsrichter vorgefĂŒhrt werden. Gibt es dann Hinweise auf sein Motiv? Die Polizei will am spĂ€ten Vormittag in einer Pressekonferenz informieren. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier wird zu einem stillen Gedenken am Tatort erwartet.

Scholz verspricht schnellere Abschiebungen

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Ă€ußerte sich bestĂŒrzt ĂŒber die Tat und versprach, den Mann schnell in sein Heimatland abschieben zu wollen. «Wer hier keine deutsche Staatsangehörigkeit hat und Straftaten dieser Art begeht, der muss auch damit rechnen, dass wir ihn aus diesem Land wieder zurĂŒckbringen, wegbringen und ihn abschieben», sagte Scholz am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung «Klartext».

Das gelte ausdrĂŒcklich auch fĂŒr den TatverdĂ€chtigen, betonte Scholz. «Denn wir werden ihn sicherlich verurteilt sehen von den Gerichten und noch bevor er das GefĂ€ngnis verlĂ€sst, wird er dann auch in sein Heimatland zurĂŒckgefĂŒhrt werden», versicherte der Kanzler. Dieses Vorgehen sei aktuell zwar «nicht einfach», aber es werde dann umgesetzt, sagte Scholz. Deutschland organisiere auch jetzt schon AbschiebeflĂŒge nach Afghanistan.

Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklĂ€rte, dass die Abschiebungen nach Afghanistan weitergehen wĂŒrden. Die Tat von MĂŒnchen mĂŒsse noch weiter aufgeklĂ€rt werden, aber es stehe jetzt schon fest: «Es war erneut ein junger Afghane, wir mĂŒssen mit aller HĂ€rte des Gesetzes reagieren.» Es könne nicht sein, dass Menschen nach Deutschland kĂ€men und hier Straftaten begingen, sagte Faeser.

Aufenthaltserlaubnis seit 2021

Am Tattag hatte es zunĂ€chst Unklarheiten ĂŒber den Aufenthaltsstatus des TatverdĂ€chtigen gegeben. Am Abend kristallisierte sich heraus: Der junge Afghane hatte nach Worten von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) einen gĂŒltigen Aufenthaltstitel und eine Arbeitserlaubnis. «Damit war der Aufenthalt des TĂ€ters bis zum heutigen Tage nach gegenwĂ€rtigem Erkenntnisstand absolut rechtmĂ€ĂŸig.»

Zugleich berichtete der Minister, dass der Mann nach neuesten Erkenntnissen und entgegen erster Informationen nicht wegen LadendiebstĂ€hlen auffĂ€llig geworden war. Nach Worten Herrmanns kam der Afghane Ende 2016 als unbegleiteter minderjĂ€hriger FlĂŒchtling nach Deutschland. Sein Asylverfahren wurde demnach im Jahr 2020 endgĂŒltig abgeschlossen, mit einem Ablehnungsbescheid und der Aufforderung zur Ausreise. Die Landeshauptstadt MĂŒnchen habe dann aber im April 2021 einen Duldungsbescheid erlassen und im Oktober 2021 eine Aufenthaltserlaubnis. Der junge Mann habe eine Schule besucht, eine Berufsausbildung gemacht und als Ladendetektiv fĂŒr zwei Sicherheitsfirmen gearbeitet.

Deshalb habe es zunÀchst auch ein MissverstÀndnis gegeben, eben weil der Mann in mehreren Ladendiebstahlprozessen aufgetreten sei. «Er war nicht selbst TatverdÀchtiger, sondern er war Zeuge», stellte Herrmann klar.

MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) sagte am Abend im ZDF, der TatverdĂ€chtige sei «wohl bislang eher unauffĂ€llig» gewesen. «Er war nicht ausreisepflichtig.» Weiter sagte Söder: «Und auch bisherige extremistische HintergrĂŒnde sind jedenfalls nicht auf den ersten Blick so leicht erkennbar.» Deshalb mĂŒsse jetzt weiter ermittelt werden, was der Grund fĂŒr die schlimme und furchtbare Tat sei.

Mann ĂŒberholte Polizeiwagen

Nach Polizeiangaben spielte sich der mutmaßliche Anschlag am Donnerstag so ab: Gegen 10.30 Uhr fuhr der Mann zunĂ€chst hinter der Demo her, ĂŒberholte einen Polizeiwagen, der die Gruppe absichern sollte, beschleunigte - und fuhr in das Ende des Demozugs, zu dem mehrere Menschen auch ihre kleinen Kinder mitgebracht hatten. Die Polizei schoss in Richtung des VerdĂ€chtigen und nahm ihn fest.

Die Demonstration hatte Verdi organisiert - im Rahmen der Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Laut Polizei waren 1.500 Menschen unterwegs zur Schlusskundgebung am Königsplatz, als das Auto in die Menge raste. Die Gewerkschaft wollte ihre fĂŒr heute geplanten Veranstaltungen in Bayern nicht absagen.

Am Donnerstagabend waren am Tatort Blumen abgelegt und Kerzen entzĂŒndet worden. Das Tatfahrzeug wurde mit einem Abschleppwagen abtransportiert. Bis in die Nacht hinein waren KrĂ€fte der Spurensicherung und des Landeskriminalamts im Einsatz.

Heute soll in MĂŒnchen die Sicherheitskonferenz beginnen - unweit des Tatorts. Ob es konkrete Auswirkungen auf die Zusammenkunft der mehr als 60 Staats- und Regierungschefs gibt, war zunĂ€chst unklar.

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