Neurologe zu Absencen: Geheilte Sportler «voll einsetzbar»
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 13:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSpitzenathleten, bei denen wie bei Jamal Musiala Absencen als Form epileptischer AnfĂ€lle diagnostiziert wurden, können bei einer erfolgreichen Therapie wieder voll in ihren Sport zurĂŒckkehren. «Man kann ganz allgemein sagen, dass etwa 80 bis 90 Prozent aller Betroffenen durch Medikamente heilbar sind», schilderte der Neurologe Peter Berlit der Deutschen Presse-Agentur. Dies treffe grundsĂ€tzlich auch auf ProfifuĂballer zu. «Da man das in aller Regel medikamentös in den Griff bekommt, gilt das natĂŒrlich genauso fĂŒr Sportler: Wenn keine AnfĂ€lle mehr auftreten, ist man voll einsetzbar.»
Der Professor und GeneralsekretĂ€r der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN) erklĂ€rte: «Die Mehrzahl der Patienten muss allerdings ĂŒber Jahre, manchmal sogar ein Leben lang, Medikamente einnehmen. Wenn diese Medikamente regelmĂ€Ăig eingenommen werden und gut im Wirkspiegel sind, dann sind die Personen typischerweise auch vor diesen AnfĂ€llen geschĂŒtzt.»
Sport, Stress, Lichtreize theoretisch als Auslöser möglich
Nationalspieler Musiala war am Dienstagabend im Testspiel seines FC Bayern beim 1. FC Heidenheim zusammengebrochen - Ă€hnlich wie schon drei Tage zuvor im Freundschaftsspiel gegen RB Leipzig. Er wurde auf dem Platz kurz behandelt und konnte dann eigenstĂ€ndig vom Feld laufen. Daraufhin machte er öffentlich, dass er an Absencen leide, «welche auf eine neurologische Dysfunktion zurĂŒckzufĂŒhren sind». Diese treten temporĂ€r kurz auf und seien gut behandelbar, schrieb der 23-JĂ€hrige in den sozialen Netzwerken.
Seit wann Musiala diese Absencen hat und wodurch sie ausgelöst wurden, ist nicht bekannt. «Es braucht keine Trigger, aber bestimmte Dinge können AnfÀlle provozieren», sagte Berlit allgemein. «Dazu zÀhlt zum Beispiel Hyperventilation, also sehr energisches Ein- und Ausatmen wie bei sportlicher BetÀtigung. Auch so was wie Flickerlicht, also Lichtreize, können Absencen auslösen, im weitesten Sinne auch Stress. Es gibt verschiedene Triggerfaktoren; die Attacken treten aber auch ohne solche Trigger auf.»
Experte: Leistungssport dank Medikamenten möglich
Der Experte erklÀrte, dass Betroffene die AnfÀlle gar nicht bemerken. «Sie merken nur nachher, dass irgendwas nicht gestimmt hat. Aber wÀhrend des Aussetzers kriegen sie das nicht mit.» Absencen, die im Kindes- und Jugendalter auftreten, klingen oft im mittleren Erwachsenenalter wieder ab und man kann sogar die Medikamente absetzen. «Wenn es spÀter auftritt, muss man oft lÀnger behandeln», sagte Berlit, ohne konkret auf Musiala einzugehen.
Gefahren fĂŒr Leistungssportler durch Medikamente sieht er nicht. «NatĂŒrlich muss man individuell gucken, wie die VertrĂ€glichkeit ist. Jedes Medikament kann auch Nebenwirkungen haben, aber es stehen verschiedene hochwirksame PrĂ€parate zur VerfĂŒgung und eigentlich kann man fĂŒr jeden Patienten individuell auch ein PrĂ€parat finden, was der- oder diejenige gut vertrĂ€gt und mit dem auch Leistungssport gemacht werden kann.» AuĂerdem meinte er: «Das Risiko, dass die eingesetzten Tabletten als Doping klassifiziert werden, besteht nicht.»
Absencen schÀdigen Gehirn nicht
Ganz grundsĂ€tzlich hĂ€tten Absencen auch keine Folgen fĂŒr das Gehirn. «Nein, das ist das Schöne bei dieser Art von AnfĂ€llen», sagte Berlit. «Bei anderen AnfĂ€llen, den sogenannten Grand Mal, die ja mit Sturz und Muskelzuckungen des ganzen Körpers einhergehen, ist das anders. Da kann es tatsĂ€chlich auch zu FolgeschĂ€den kommen, aber bei Absencen nicht.»
