Baden-WĂŒrttemberg, Deutschland

Strom in Reutlingen zurĂŒck – RĂ€tsel um Brandstifter bleibt

09.06.2026 - 15:30:11 | dpa.de

Nach dem Feuer in einem Reutlinger Umspannwerk haben alle Haushalte wieder Strom. Die Versorgung von Gewerbekunden soll bis Mittwoch stehen. Die Ermittler tappen bei TĂ€tern und Motiv im Dunkeln.

  • Das Feuer hat großen Schaden angerichtet. - Bild: Marijan Murat/dpa
    Das Feuer hat großen Schaden angerichtet. - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Immer noch ist der Hintergrund des Feuers in einem Umspannwerk unklar. - Bild: Jason Tschepljakow/dpa
    Immer noch ist der Hintergrund des Feuers in einem Umspannwerk unklar. - Bild: Jason Tschepljakow/dpa
  • Die bisherigen Ermittlungen haben Hinweise auf einen eingesetzten Brandbeschleuniger ergeben. - Bild: Jason Tschepljakow/dpa
    Die bisherigen Ermittlungen haben Hinweise auf einen eingesetzten Brandbeschleuniger ergeben. - Bild: Jason Tschepljakow/dpa
Das Feuer hat großen Schaden angerichtet. - Bild: Marijan Murat/dpa Immer noch ist der Hintergrund des Feuers in einem Umspannwerk unklar. - Bild: Jason Tschepljakow/dpa Die bisherigen Ermittlungen haben Hinweise auf einen eingesetzten Brandbeschleuniger ergeben. - Bild: Jason Tschepljakow/dpa

Nach dem weitreichenden Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen ist die Stromversorgung fĂŒr alle Privathaushalte wiederhergestellt. Nur noch rund 50 Kunden im Gewerbegebiet seien derzeit nicht angeschlossen, teilte die FairNetz GmbH mit.

Der Netzbetreiber Netze BW rechnet damit, dass auch die verbliebenen Industrie- und Gewerbekunden bis Mittwoch wieder ans Netz gehen. «Hoffentlich ist die Vollversorgung morgen wiederhergestellt», sagte Richard Huber, Leiter systemĂŒbergreifende Infrastruktur bei der Netze BW. Den Gesamtschaden zu beheben, wird seinen Worten nach noch Wochen oder gar Monate dauern. Das aber habe keine Auswirkungen auf die Stromkunden. Was die Arbeiten kosten werden, sei bis jetzt nicht zu beziffern, es dĂŒrfte sich aber um Millionen von Euro handeln, sagte Huber.

Ermittler tappen im Dunkeln - extremistisches Motiv?

WĂ€hren die Stromversorgung wieder weitgehend lĂ€uft, tun sich die Ermittler bei ihrer Suche nach den TĂ€tern und dem möglichen Motiv hingegen schwer. «Wir ermitteln ergebnisoffen weiter», sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Stuttgart. Es gebe keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund. «Wir haben kein Bekennerschreiben.» Der am Umspannwerk gesicherte, mögliche Brandbeschleuniger und weitere Asservate wĂŒrden nun analysiert. 

Das Ermittlungsverfahren wird beim Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart gefĂŒhrt. Der Grund: Der Tat liege möglicherweise eine extremistische Motivation zugrunde. «Eine Bekennung zur Tat wurde hier bislang nicht bekannt», sagte auch ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Stuttgart.

Kritische Infrastruktur als wunder Punkt

Kritische Infrastruktur wie die Stromversorgung lĂ€sst sich nach Worten von Baden-WĂŒrttembergs MinisterprĂ€sident Cem Özdemir (GrĂŒne) nur bis zu einem gewissen Maß schĂŒtzen. «Die Vorstellung, dass wir alle Umspannwerke quasi von der Öffentlichkeit abschirmen, die ist kaum durchsetzbar», sagte Özdemir in Stuttgart. Trotzdem prĂŒfe man, was man nach dem Brand in einem Umspannwerk mit großflĂ€chigem Stromausfall in Reutlingen besser machen könne. «Es geht darum, unsere Resilienz zu stĂ€rken, um möglichst wenig angreifbar zu sein», sagte Özdemir. Es sei aber zu frĂŒh, zu sagen, was man aus dem Fall in Reutlingen lernen könne. 

Netze BW selbst Ă€ußerte sich nicht zu eigenen Sicherheitskonzepten - etwa Kameras auf dem GelĂ€nde. Man schĂ€rfe die Sicherheitskonzepte fĂŒr alle Anlagen immer wieder nach, sagte Huber. «Wir akzeptieren nicht, dass Anlagen einfach angreifbar sind.» Details nannte er nicht. Eine vollstĂ€ndige Sicherheit gebe es aber nicht. Zudem sei ab einem bestimmten Ausmaß von Sicherheitsvorkehrungen auch die Politik gefragt. «Da sehen wir die Verantwortung eher beim Staat als bei uns.» Wenn jemand mit entsprechender Vorbereitung und entsprechender AusrĂŒstung eine Anlage schĂ€digen wolle, könne sich jeder vorstellen, welcher Art die ZĂ€une sein mĂŒssten. «Und das war bisher definitiv nicht die Aufgabe der Netzbetreiber.»

Hinweise auf Brandbeschleuniger 

Die bisherigen Ermittlungen hĂ€tten Hinweise auf einen eingesetzten Brandbeschleuniger ergeben. Die kriminaltechnischen Analysen und Laboruntersuchungen dauern an. Das Ermittlungsverfahren wird derzeit gegen unbekannt wegen des Verdachts der vorsĂ€tzlichen Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe gefĂŒhrt.

Reutlingen hat knapp 120.000 Einwohner und liegt am Fuße der SchwĂ€bischen Alb. Nach Angaben von Baden-WĂŒrttembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) waren rund 7.600 GebĂ€ude und etwa 40.000 Menschen von dem Stromausfall betroffen.

Zehntausende fĂŒr Stunden ohne Strom

Der Brand im Umspannwerk Reutlingen-West war in der Nacht zu Montag ausgebrochen. In der Folge fiel das Umspannwerk aus, eine weitere Anlage wurde in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweise waren dadurch Zehntausende Menschen ohne Strom, auch ein Krankenhaus war betroffen. 

Laut der Stadt Reutlingen sind alle betroffenen Privathaushalte provisorisch wieder mit Strom versorgt. Rund 50 Mittelspannungskunden - in der Regel Großverbraucher, die direkt an ein leistungsstĂ€rkeres Stromnetz angeschlossen sind - seien noch nicht am Netz. «Das bedeutet, dass das Industriegebiet Mark West voraussichtlich erst morgen Abend wieder Strom hat. In den betroffenen Gebieten ist die Polizei mit zusĂ€tzlichen KrĂ€ften im Einsatz.»

Aus Schutz vor möglichen PlĂŒnderungen soll eine am Montag entsandte Hundertschaft des PolizeiprĂ€sidiums in Reutlingen so lange nachts im Einsatz sein, bis die Stromversorgung komplett wieder hergestellt ist. «Sie sind prĂ€sent, um mögliche Straftaten zu verhindern und den BĂŒrgern ein Ansprechpartner zu sein», sagte eine Polizeisprecherin. Die Beamten fahren Streife und sind auch zu Fuß unterwegs.

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