Ermittler prĂŒfen Hinweise auf Brandstiftung in Umspannwerk
09.06.2026 - 04:00:29 | dpa.deNach dem Brand in einem Umspannwerk mit groĂflĂ€chigem Stromausfall in Reutlingen verdichten sich die Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung. Ermittler konnten einen möglichen Brandbeschleuniger sichern. Alle Spuren wĂŒrden nun ausgewertet, teilte das Landeskriminalamt (LKA) mit. Der Staatsschutz und das Antiterrorzentrum beim LKA ermitteln.Â
Der Netzbetreiber bemĂŒht sich nach eigenen Angaben weiterhin darum, alle betroffenen Haushalte wieder ans Netz zu bringen. In den Gemeinden Kirchentellinsfurt und Wannweil konnten wieder groĂe Teile der betroffenen Wohngebiete provisorisch versorgt werden sowie auch einzelne Gewerbegebiete, wie Netze-BW mitteilte. Im Laufe des Vormittags werde es weitere Informationen geben.
Reparaturarbeiten am Netz laufen weiter
«Die Reparaturarbeiten im Netz laufen unverĂ€ndert intensiv weiter», hieĂ es zudem. «Ziel ist es, die regulĂ€re Versorgung schnellstmöglich wiederherzustellen.» Zur Frage, wann voraussichtlich alle betroffenen Haushalte wieder mit Strom versorgt werden, Ă€uĂerte sich der Netzbetreiber zunĂ€chst nicht.Â
Reutlingen hat insgesamt knapp 120.000 Einwohner und liegt am FuĂe der SchwĂ€bischen Alb. Nach Angaben von Baden-WĂŒrttembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) waren rund 7.600 GebĂ€ude und etwa 40.000 Menschen von dem Stromausfall betroffen. Eine Polizeieinsatzhundertschaft wurde nach Reutlingen verlegt, um PrĂ€senz an kritischer Infrastruktur und in den vom Stromausfall betroffenen Gebieten zu zeigen.
Ermittler: Keine Hinweise auf TĂ€ter und MotivÂ
Die Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen auf den Verdacht der vorsĂ€tzlichen Brandlegung sowie der gezielten Störung öffentlicher Betriebe. Hagel sagte, man werde den Fall ergebnisoffen in alle Richtungen untersuchen - also auch, ob ein Brandanschlag oder gar ein terroristischer Akt dahinterstecken könnte. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach im ZDF von einem wahrscheinlichen Brandanschlag.Â
Das LKA teilte mit, bislang gebe es weder Hinweise auf TatverdĂ€chtige noch auf ein Motiv. Die Ermittlungen der Spurensicherung einschlieĂlich des Einsatzes eines BrandmittelspĂŒrhundes seien noch nicht abgeschlossen.
Zehntausende fĂŒr Stunden ohne Strom
Der Brand im Umspannwerk Reutlingen-West war in der Nacht zu Montag ausgebrochen. In der Folge fiel das Umspannwerk aus, eine weitere Anlage wurde in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweise waren dadurch Zehntausende Menschen ohne Strom, auch ein Krankenhaus war betroffen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur entstand durch den Brand und den Stromausfall ein Schaden von mehreren Millionen Euro.Â
Am Montagmorgen war die Stromversorgung in Teilen der Kernstadt und dem dortigen Krankenhaus wieder hergestellt. Am Nachmittag wurde dann ein groĂer Teil der Privathaushalte in Betzingen und Ohmenhausen wieder ans ElektrizitĂ€tsnetz angeschlossen. Auch Schulen und KindergĂ€rten seien dort wieder mit Strom versorgt, teilte die Stadtverwaltung mit.
Erinnerungen an Berliner BrandanschlÀge
Der Vorfall erinnert an zwei mutmaĂlich von Linksextremisten begangene BrandanschlĂ€ge auf die Stromversorgung in Berlin. Nach dem ersten Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe ohne Strom. Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden, erst am Nachmittag des 11. September waren alle Haushalte wieder am Netz. Beim zweiten Anschlag am 3. Januar wurden 15 Kabel auf einer KabelbrĂŒcke zerstört. Erst am 7. Januar, also nach rund 100 Stunden, war die Stromversorgung wieder flĂ€chendeckend hergestellt.
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