Kanzlerwahl: Söder appelliert an Abgeordnete - AfD will Neuwahlen
06.05.2025 - 13:15:23 | dts-nachrichtenagentur.de"Die GrĂŒnde mögen vielfĂ€ltig sein und vielleicht ist auch manches fĂŒr den Einzelnen nachvollziehbar. Aber jetzt geht es nicht um den Einzelnen." Man könne noch einen guten Start auf den Weg bringen. "Deswegen einfach noch mal meine Bitte an alle, in sich zu gehen, alles dafĂŒr zu tun, zu ĂŒberzeugen, selbst ein Beispiel zu sein fĂŒr eine Demokratie, die handlungsfĂ€hig ist. Wir Demokraten brauchen keine Angst zu haben vor extremen Gruppen, auĂer wir Schaden uns selbst", sagte der CSU-Chef. "Und das darf nicht passieren." AfD-Chefin Alice Weidel forderte Neuwahlen. "Herr Merz sollte direkt abtreten und es sollte der Weg geöffnet werden fĂŒr Neuwahlen in unserem Land", sagte sie. Ihr Co-Parteichef Tino Chrupalla erklĂ€rte, man sehe am gescheiterten Wahlgang, "was diese Koalition eigentlich Wert ist, wenn sie nicht mal im ersten Wahlgang zur Kanzlerwahl die Mehrheit zusammenbekommt". Die Politikwende, die Friedrich Merz versprochen habe, sei mit dem ersten Tag bereits gescheitert. GrĂŒnen-Fraktionschefin Britta Hasselmann erklĂ€rte, der gescheiterte Wahlgang bedeute fĂŒr den Ausblick auf die Regierungszeit dieser neuen Koalition nichts Gutes. "Und wir sehen, dass die Frage des Vertrauens in das, was man als gemeinsame Basis im Koalitionsvertrag vereinbart hat zwischen Friedrich Merz und Lars Klingbeil, das nun im ersten Schritt durch die geheime Wahl zum Kanzler bestĂ€tigt werden sollte, offenbar gefĂ€hrdet ist." Ihre Co-Chefin Katharina Dröge sagte, es brauche eine stabile Regierung. Sie sehe da Union und SPD in der Verantwortung. "SelbstverstĂ€ndlich werden wir einem Kanzler nicht unser Vertrauen aussprechen, von dem wir denken, dass er mit dem, was er jetzt in den nĂ€chsten Wochen und Monaten plant, in eine falsche Richtung fĂŒr unser Land geht", so Dröge. Der ehemalige thĂŒringische MinisterprĂ€sident und heutige BundestagsvizeprĂ€sident Bodo Ramelow (Linke) plĂ€dierte fĂŒr eine schnelle Wiederholung der Kanzlerwahl. "Wir dĂŒrfen der AfD nicht die Gelegenheit geben, das Chaos noch weiter zu vergröĂern", sagte der Linken-Politiker dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Mittwochausgaben). "Das alles erinnert mich an die Wahl von Thomas Kemmerich zum thĂŒringischen MinisterprĂ€sidenten. So etwas darf man auch im Deutschen Bundestag nicht zulassen." Er sei "krachsauer auf Herrn Merz und Herrn Klingbeil", so Ramelow. "Denn diese Situation hĂ€tte nicht eintreten dĂŒrfen. Sie hĂ€tten die Wahl besser vorbereiten und alle mitnehmen mĂŒssen." Omid Nouripour, Vize-PrĂ€sident des Deutschen Bundestags, zeigt sich bestĂŒrzt. "Das ist kein guter Tag fĂŒr unsere Demokratie", sagte Nouripour den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Es ist bedenklich, dass Friedrich Merz aus den eigenen Koalitionsreihen nicht ausreichend UnterstĂŒtzung erhalten hat." Nouripour mahnte zum Verantwortungsbewusstsein. "Regieren ist kein Spiel, regieren ist Verantwortung", sagte der GrĂŒnen-Politiker. "Es geht nicht um Parteien oder persönliche Karrieren. Es geht um Verantwortung fĂŒr unser Land." Der SPD-Fraktionschef im DĂŒsseldorfer Landtag, Jochen Ott, hat UnverstĂ€ndnis darĂŒber geĂ€uĂert, dass Friedrich Merz im ersten Wahlgang gescheitert ist. "Es gibt einfach Dinge, die gröĂer sind als man selbst", sagte Ott der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). "Das haben scheinbar nicht alle verstanden. Ich habe dafĂŒr keinerlei VerstĂ€ndnis." Der Landesparteichef der GrĂŒnen in Nordrhein-Westfalen, Tim Achtermeyer, reagiert mit einer Schuldzuweisung auf das vorlĂ€ufige Scheitern der Kanzlerwahl in Berlin. "Die vergeigte Kanzlerwahl ist ein Desaster. Jetzt rĂ€cht sich, dass Friedrich Merz im Wahlkampf auf Polarisierung gesetzt hat. Das hat offenkundig tiefe Narben hinterlassen", sagte Achtermeyer der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, hat die Fraktionen von Union und SPD aufgefordert, rasch fĂŒr politische Klarheit bei der Kanzlerwahl und der Regierungsbildung zu sorgen. "FĂŒr die Wirtschaft ist jede Form von Unsicherheit Gift", sagte Schnitzer der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). "Es ist deshalb zu hoffen, dass die Regierungsbildung rasch gelingt", sagte die Vorsitzende des Wirtschafts-SachverstĂ€ndigenrats der Bundesregierung. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht ein schlechtes Signal in der gescheiterten Kanzlerwahl. "Das ist ein unglĂŒcklicher Start, aber es lag auch in der Luft", sagte Grimm der "Rheinischen Post" am Dienstag. Die NĂŒrnberger Ăkonomin forderte nun klare Entscheidungen, damit sich die Stimmung in der Wirtschaft rasch dreht. "Einfache Signale der Zuversicht gibt es jetzt nicht, es braucht Lösungen. Einige hoffen immer noch darauf, dass sich einfach nur die Stimmung verbessern muss. Aber das ist schlicht falsch, es braucht klare Entscheidungen - wir werden sehen, ob die Regierung die Kraft dazu findet." Das Regieren fĂŒr Koalition von Merz werde schwierig werden. "Schwer wird es sicherlich, denn man kann es in der aktuellen Situation niemandem Recht machen. Einigen ist die Wirtschaftspolitik zu wenig marktorientiert, anderen zieht sich der Staat zu stark zurĂŒck. Die geplante Migrationspolitik ist einigen zu hart, anderen zu lasch. Es dĂŒrfte schwierig werden", so Grimm. Dass Merz im ersten Wahlgang nicht die Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages, eine sogenannte "Kanzlermehrheit" von 316 Stimmen, erhalten hat, kam ĂŒberraschend. Noch nie zuvor ist ein designierter Kanzler nach erfolgreichen Koalitionsverhandlungen nach einer Bundestagswahl im ersten Wahlgang im Bundestag gescheitert. Die geplante Koalition aus CDU/CSU und SPD hat gemeinsam 328 Abgeordnete. Merz erhielt am Dienstagvormittag im Bundestag allerdings nur 310 Ja-Stimmen, 307 Abgeordnete stimmten gegen ihn und drei enthielten sich. Eine Stimme war ungĂŒltig, neun Stimmen wurden nicht abgegeben. Der Bundestag hat nun 14 Tage Zeit, um mit mehr als der HĂ€lfte seiner Mitglieder einen Bundeskanzler zu wĂ€hlen. Kommt eine Wahl innerhalb dieser Frist nicht zustande, so muss nach den Vorgaben des Grundgesetzes "unverzĂŒglich" ein neuer Wahlgang stattfinden, in dem gewĂ€hlt ist, wer die meisten Stimmen erhĂ€lt.
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