Notfallbehandlungen steigen in Kliniken um 8,7 Prozent
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 10:51 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSRegionale Fallzahlen und Klinikunterschiede
- Der Barmer-Report untersucht ambulante Notfallbehandlungen in deutschen KrankenhĂ€usern fĂŒr die Jahre 2015 bis 2024.
- In jedem zehnten Krankenhaus verdoppelte sich die Zahl der Behandlungen innerhalb des Zeitraums.
- Baden-WĂŒrttemberg lag 2024 pro Einwohner 50 Prozent ĂŒber dem Bundesdurchschnitt, ThĂŒringen knapp 22 Prozent darunter.
Barmer-Report zeigt wachsende Notaufnahme-Nutzung
Die Zahl ambulanter Notfallbehandlungen in deutschen KrankenhÀusern ist binnen zehn Jahren durchschnittlich um 8,7 Prozent gestiegen. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Krankenhausreport der Barmer hervor.
In jedem zehnten Krankenhaus verdoppelte sich die Zahl der Behandlungen, in weiteren zehn Prozent der Einrichtungen nahm sie demnach etwa um die HĂ€lfte zu.
Barmer fordert verbindliche ErsteinschÀtzung
Barmer-Chef Christoph Straub warnte, nicht dringliche NotfĂ€lle könnten die Patientenversorgung in den Notaufnahmen gefĂ€hrden. Er forderte eine verpflichtende telefonische ErsteinschĂ€tzung mit digitaler UnterstĂŒtzung, eine verbindliche Steuerung in die passende Versorgungsebene und eine Terminvergabe.
Ăber alle versorgenden Kliniken hinweg stieg die Zahl der behandelten ambulanten NotfĂ€lle zwischen 2015 und 2024 von 12,3 auf 12,7 Millionen. Die Entwicklung verlief allerdings sehr unterschiedlich.
Fallzahlen steigen und sinken je nach Klinik
In zwei von fĂŒnf KrankenhĂ€usern erhöhte sich die Fallzahl um 39 Prozent. In weiteren zwei von fĂŒnf Einrichtungen sank sie dagegen um 26 Prozent.
Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Gemessen an der Einwohnerzahl behandelten KrankenhĂ€user in Baden-WĂŒrttemberg 2024 rund 50 Prozent mehr ambulante NotfĂ€lle als im Bundesdurchschnitt, wĂ€hrend die Quote in ThĂŒringen knapp 22 Prozent darunter lag.
Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit Anstieg
Zwischen 2015 und 2024 ging die Inanspruchnahme ambulanter Notfallbehandlungen in Bremen um 15 Prozent und in Berlin um 14,6 Prozent zurĂŒck. In Nordrhein-Westfalen stieg sie dagegen um 18,7 Prozent, in Rheinland-Pfalz um 19,9 Prozent.
Der Barmer-Report beschreibt eine wachsende und zugleich regional sehr ungleich verteilte Nutzung der Krankenhaus-Notaufnahmen. Zwischen 2015 und 2024 nahm die Zahl der ambulanten Notfallbehandlungen insgesamt nur moderat zu, doch die Durchschnittswerte verdecken starke Unterschiede zwischen den Kliniken: In einem Teil der HĂ€user stiegen die Fallzahlen deutlich, wĂ€hrend sie in anderen zurĂŒckgingen.
FĂŒr die Patientenversorgung entscheidend ist dabei nicht allein die Gesamtzahl, sondern die Frage, welche FĂ€lle tatsĂ€chlich akut stationĂ€re oder klinische Notfallstrukturen benötigen. Nicht dringliche Beschwerden binden in Notaufnahmen Personal und Untersuchungszeiten, die fĂŒr schwer erkrankte oder verletzte Menschen benötigt werden. Eine verbindliche ErsteinschĂ€tzung könnte helfen, Patienten schneller zur passenden Versorgungsebene zu lotsen.
Regionale Unterschiede prÀgen die Belastung
Die Unterschiede zwischen den LĂ€ndern sprechen gegen eine einheitliche ErklĂ€rung. Erreichbarkeit, ambulante Angebote, demografische Struktur und das Verhalten der Patienten können die Inanspruchnahme beeinflussen. Baden-WĂŒrttemberg lag 2024 deutlich ĂŒber dem Bundesdurchschnitt, ThĂŒringen darunter; auch die Entwicklung seit 2015 verlief in Bremen und Berlin anders als in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Die von Barmer-Chef Christoph Straub geforderte Kombination aus telefonischer EinschĂ€tzung, digitaler UnterstĂŒtzung und verbindlicher Terminsteuerung zielt deshalb auf eine systematische Entlastung. FĂŒr Patienten könnte ein solches Verfahren den Zugang zur richtigen Anlaufstelle verbessern, sofern akute NotfĂ€lle weiterhin ohne Verzögerung erkannt und behandelt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: âBarmer: Notfallbehandlungen in jeder zehnten Klinik binnen zehn Jahren verdoppeltâ (27.10.2026)
Der Beitrag bestÀtigt den Anstieg der ambulanten Notfallbehandlungen von 12,3 auf 12,7 Millionen zwischen 2015 und 2024 und hebt besonders die Verdopplung in jedem zehnten Krankenhaus hervor. Damit liegt der Schwerpunkt auf der starken Spreizung zwischen den Einrichtungen.
ZDFheute: âBarmer-Krankenhausreport: Zahl der Notfallbehandlungen steigt starkâ (27.10.2026)
Auch dieser Bericht nennt den Gesamtanstieg auf 12,7 Millionen FÀlle. Im Vergleich zum stern-Beitrag ordnet er das Ergebnis stÀrker als Belastungsproblem der Notaufnahmen ein; offen bleibt, wie eine verbindliche Steuerung praktisch umgesetzt werden soll.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Anstieg und bei der GröĂenordnung ĂŒberein. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung: WĂ€hrend der stern die Verteilung auf die Kliniken betont, stellt ZDFheute die Belastung der Notaufnahmen in den Vordergrund.
