NSU, Zwickau

NSU-Gedenken in Zwickau erinnert an zehn Mordopfer

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 08:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In Zwickau wird am 15. Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU an die zehn Mordopfer erinnert. Veranstaltungen, ein Stadtrundgang und der Gedenkort verbinden die lokale Erinnerung mit Forderungen nach weiterer Aufklärung.

Die zehn Opfer und der Gedenkort

  • In Zwickau erinnert die Stadt am 4. November an die Opfer der NSU-Mordserie.
  • Im Schwanenteichpark wächst für jedes der zehn Mordopfer ein Baum.
  • Der Critical Walk führt zu früheren Wohnorten des NSU-Kerntrios und zu Personen aus dessen Unterstützerkreis.
Am Jahrestag der NSU-Selbstenttarnung wird in Zwickau der Opfer der rechtsextremen Terrorzelle gedacht. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Zwickau erinnert an zehn NSU-Mordopfer

15 Jahre nach der Selbstenttarnung der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund wird heute in Zwickau der Opfer der rechtsextremen Mordserie gedacht. Nach einer Veranstaltung im Dom St. Marien soll am Abend am städtischen Gedenkort mit Blumen, Kerzen und Papierkranichen an die Opfer erinnert werden.

Bäume für jedes Opfer

Im Schwanenteichpark wächst für jedes der zehn Mordopfer ein Baum. Getötet wurden acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger Kleinunternehmer sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter.

Die Opfer heißen Enver ?im?ek, Abdurrahim Özüdo?ru, Süleyman Ta?köprü, Habil K?l?ç, Mehmet Turgut, ?smail Ya?ar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kuba??k, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.

Jahrelang lebte das Trio in Zwickau

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe lebten viele Jahre unbehelligt in Zwickau und verfügten über ein Netzwerk von Unterstützern. Neben den Morden werden dem NSU zahlreiche Raubüberfälle und mehrere Bombenanschläge zugerechnet.

Nach einem Banküberfall nahmen sich Böhnhardt und Mundlos am 4. November 2011 in Eisenach das Leben. Zschäpe setzte anschließend die gemeinsame Wohnung in Zwickau in Brand. Sie wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt und sitzt im Gefängnis.

Critical Walk führt zu früheren Tatorten

Zum Jahrestag wird in Zwickau ein sogenannter Critical Walk angeboten. Der Stadtrundgang führt zu ehemaligen Wohnorten des Kerntrios und zu Personen aus dessen Unterstützerkreis.

Am Erinnerungsort soll es um das Leben und die Wünsche der Opfer gehen. Die Amadeu Antonio Stiftung fordert außerdem, rechte Tötungsdelikte bundesweit zu überprüfen.

Die Stiftung ruft besonders Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen zu einer unabhängigen Überprüfung von Todesfällen mit möglichen rechten Tatmotiven seit 1990 auf. Vorstand Timo Reinfrank erklärte, die Länder, in denen der NSU jahrelang unerkannt morden konnte, stünden in besonderer Verantwortung.

Das Gedenken in Zwickau fällt auf den 15. Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU. Der 4. November 2011 markierte den Beginn einer breiten öffentlichen Auseinandersetzung mit einer Mordserie, Bombenanschlägen und Raubüberfällen, die über Jahre nicht als rechtsextremer Terror erkannt worden waren.

Die zehn Mordopfer waren überwiegend Unternehmer mit türkischer oder griechischer Familiengeschichte sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter. Angehörige und Betroffene wurden während der Ermittlungen teils selbst verdächtigt; die Aufarbeitung befasste sich deshalb nicht nur mit den Taten des Kerntrios, sondern auch mit Ermittlungsfehlern, institutionellem Rassismus und möglichen Unterstützerstrukturen.

Offene Fragen zur Aufarbeitung

Auch 15 Jahre nach dem Auffliegen des NSU bleiben nach Einschätzung des Deutschlandfunks Fragen zu Hintermännern, Unterstützern und behördlichem Wissen offen. Der Sender beschreibt die Aufarbeitung als unvollständig und stellt politischen Versprechen vollständiger Aufklärung weiterhin offene Fragen gegenüber.

Für Zwickau besitzt das Erinnern eine besondere Bedeutung, weil Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe dort jahrelang lebten. Bäume für jedes Opfer, der Critical Walk und die stille Gedenkveranstaltung verbinden lokale Erinnerung mit der bundesweiten Debatte über rechte Gewalt. Die Forderung nach einer unabhängigen Überprüfung möglicher rechter Tötungsdelikte zielt darauf, ungeklärte Fälle systematisch neu zu betrachten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Rechtsextremer Terror: Gedenken für NSU-Mordopfer in Zwickau“ (04.11.2026)

Der Beitrag beschreibt die Gedenkveranstaltungen in Zwickau, die zehn Bäume im Schwanenteichpark und den Critical Walk. Er bestätigt damit den lokalen Schwerpunkt der Meldung und stellt die Erinnerung an die Opfer in den Mittelpunkt.

Deutschlandfunk: „15 Jahre nach der NSU-Selbstenttarnung – Die unerledigte Aufarbeitung“ (02.11.2026)

Der Beitrag ordnet den Jahrestag vor allem über die weiterhin offenen Fragen der NSU-Aufarbeitung ein. Anders als der Bericht über das Zwickauer Gedenken konzentriert er sich auf nicht geklärte Zusammenhänge und unerfüllte politische Aufklärungsversprechen.

Einigkeit besteht über die Bedeutung des Jahrestags und die Erinnerung an die zehn Opfer. Unterschiede zeigen sich beim Schwerpunkt: Während Zwickau die lokale Gedenkpraxis sichtbar macht, richtet der Deutschlandfunk den Blick auf die offene Aufarbeitung.

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