Olympia-Bewerbung Berlin, DOSB

Olympia-Bewerbung Berlin zurückgezogen: DOSB entscheidet nur noch zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 10:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Berlin zieht seine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele zwei Tage vor der deutschen Kandidatenkür zurück. Damit entscheidet der DOSB am Samstag in Baden-Baden nur noch zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr.

  • Wegner (l), Niroomand (M) und Spranger hatten die Bewerbung vorangetrieben. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa
    Wegner (l), Niroomand (M) und Spranger hatten die Bewerbung vorangetrieben. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa
  • Eine außerordentliche DOSB-Mitgliederversammlung entscheidet über den deutschen Olympia-Bewerber. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa
    Eine außerordentliche DOSB-Mitgliederversammlung entscheidet über den deutschen Olympia-Bewerber. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa
Wegner (l), Niroomand (M) und Spranger hatten die Bewerbung vorangetrieben. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa Eine außerordentliche DOSB-Mitgliederversammlung entscheidet über den deutschen Olympia-Bewerber. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa

Berlin hat seine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele zwei Tage vor der Entscheidung über den deutschen Kandidaten zurückgezogen.

Berlin+ scheidet vor DOSB-Votum aus

„Heute ist ein trauriger Tag für Berlin. Olympische und Paralympische Spiele wären eine Riesenchance für Berlin und für Ostdeutschland gewesen“, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bei einer Pressekonferenz.

Berlin wollte sich mit dem Konzept „Berlin+“ gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern um die Austragung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) am Samstag galt die Hauptstadt hinter München und Köln-Rhein-Ruhr jedoch nur noch als Außenseiter.

Bis zu sechs Millionen Euro für Bewerbung eingeplant

Für die Bewerbung hatte Berlin bis 2027 bis zu sechs Millionen Euro vorgesehen. DOSB-Präsident Thomas Weikert würdigte den Rückzug als „ein großes Zeichen von Fairness und Respekt“.

Das Scheitern steht im Zusammenhang mit dem politischen Wechsel in Berlin. Bei der Abgeordnetenhauswahl wurde der schwarz-rote Senat abgewählt, der die Bewerbung vorangetrieben hatte. Wahlsiegerin Elif Eralp (Linke), die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, lehnt Olympia ab. Auch die Grünen, die voraussichtlich an einer Regierung beteiligt sein werden, stehen den Plänen ablehnend gegenüber.

Olympia-Gegner verweisen auf Kosten

Linke und Grüne argumentieren, Berlin brauche das Geld an anderer Stelle. Die Ausrichtung der Spiele würde mehrere Milliarden Euro kosten. Eralp hatte nach der Wahl erklärt, die Entscheidung über die Bewerbung habe sich erledigt.

Der Berliner Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand kritisierte ihre Haltung scharf. Sie habe „innerhalb von 45 Sekunden die ganze Bewerbung vom Tisch gewischt“ und dadurch die Chancen Berlins weiter verringert. Ein Gesprächsangebot an Eralp sei abgelehnt worden.

Berlin im DOSB-Ranking abgeschlagen

Die Prüfer des DOSB bewerteten Münchens Konzept mit 87 von 100 Punkten, Köln-Rhein-Ruhr erhielt 85 Punkte. Beide Bewerbungen wurden als „sehr gut“ eingestuft. Berlin kam auf 74,6 Punkte und erhielt die Note „gut“.

Anders als München und Nordrhein-Westfalen hatte Berlin auf einen Bürgerentscheid verzichtet. Ein entsprechendes Volksbegehren gegen die Bewerbung war von Olympia-Gegnern dennoch vorbereitet worden. Kritiker hielten unter anderem die Prognosen zu Investitionen in den Breitensport und langfristigen wirtschaftlichen Effekten für unrealistisch.

Entscheidung zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr

Der DOSB entscheidet am Samstag bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden, ob München oder Köln-Rhein-Ruhr als deutscher Bewerber ins Rennen geht. Berlin hätte zwar bei der internationalen Strahlkraft Vorteile gehabt, ein Zuschlag wäre nach der politischen Entwicklung und dem schwächeren Bewertungsresultat jedoch mit erheblichen Risiken verbunden gewesen.

Rückzug vor der entscheidenden Abstimmung

Mit dem Rückzug Berlins reduziert sich das deutsche Auswahlverfahren auf zwei Bewerber: München und Köln-Rhein-Ruhr. Der DOSB entscheidet am Samstag, dem 26. September, in Baden-Baden, welcher Standort Deutschland im internationalen Bewerbungsverfahren vertreten soll. Für 2036, 2040 oder 2044 ist zunächst nur eine deutsche Bewerbung möglich.

Die Berliner Bewerbung scheiterte damit an einer Kombination aus politischer Unsicherheit, fehlender direkter Bürgerabstimmung und dem schwächeren Ergebnis der DOSB-Evaluierung. München erhielt 87,03 Punkte, Köln-Rhein-Ruhr 85,02 und Berlin 74,64. Das Votum der Kommission ist zwar nicht bindend, beeinflusst aber die Ausgangslage der Delegierten erheblich.

Was der Rückzug für die Olympia-Pläne bedeutet

Für Berlin endet damit ein Vorhaben, das Spiele in mehreren ostdeutschen Ländern verbinden sollte. Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern verlieren zugleich ihren gemeinsamen Bewerbungsrahmen. Die Hauptstadt hatte bis 2027 bis zu sechs Millionen Euro für die Bewerbung vorgesehen; bei einer erfolgreichen Kandidatur wären zusätzlich Milliardeninvestitionen und langfristige Folgekosten zu prüfen gewesen.

Für die verbliebenen Bewerber verschärft sich nun der direkte Wettbewerb. München kann auf ein traditionsreiches Olympia-Erbe und die beste Bewertung verweisen. Köln-Rhein-Ruhr setzt auf eine regionale Struktur und die bereits dokumentierte Zustimmung in Nordrhein-Westfalen. Der deutsche Sieger müsste sich anschließend gegen internationale Interessenten durchsetzen; über die Vergabe der Spiele 2036 soll das IOC voraussichtlich 2029 entscheiden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Vor DOSB-Entscheidung Berlin zieht Olympia-Bewerbung zurück“ (23.09.2026)

Der Bericht habe den Rückzug als Folge mehrerer Rückschläge eingeordnet und insbesondere die Abwahl des schwarz-roten Senats sowie die ablehnende Haltung der designierten politischen Mehrheit hervorgehoben. Er bestätige damit den politischen Hintergrund der dpa-Meldung, stelle aber zusätzlich die Kritik der Berliner CDU an den erwarteten Folgen für Sport und Infrastruktur dar.

Tagesspiegel: „Kurz vor Abstimmung auf DOSB-Mitgliederversammlung: Berlin will Olympiabewerbung zurückziehen“ (24.09.2026)

Der Artikel beschreibe, Berlin und seine Partner seien aus dem Rennen, und verweise auf die fehlende verbindliche Unterstützung durch einen Bürgerentscheid. Anders als die dpa-Meldung setze der Bericht einen Schwerpunkt auf die politische Legitimation und die Vorgeschichte der Bewerbung; zudem bleibe offen, wie sich die Berliner Olympia-Initiative künftig positioniere.

Beide Berichte bestätigten den Rückzug und die verbleibende Auswahl zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr. Unterschiede bestünden vor allem bei der Gewichtung politischer Ursachen und der Frage, ob das schwache Evaluierungsergebnis oder der Regierungswechsel den Ausschlag gegeben habe.

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