Olympia-Bewerbung: München führt vor Köln-Rhein-Ruhr – Berlin abgeschlagen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 05:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMünchen geht mit der besten Bewertung der DOSB-Evaluierungskommission als Favorit in die Entscheidung über die deutsche Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.
München liegt knapp vorn
Die Kommission gab München 87 von 100 Punkten. Köln-Rhein-Ruhr erreichte 85 Punkte, Berlin kam auf 74,6. Die Entscheidung fällt am Samstag bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Baden-Baden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und DOSB-Präsident Thomas Weikert sollen das Ergebnis live verkünden.
München punktet mit kurzen Wegen
Der große Vorteil der bayerischen Bewerbung sind die kurzen Wege. Wie bei den Spielen von 1972 sollen die Wettbewerbe zentral ausgetragen werden. Bei den Reisezeiten lag München sowohl in der DOSB-Bewertung als auch in der Einschätzung der Sportverbände vorn.
Auch bei der sportfachlichen und operativen Eignung erhielt München die stärkste Bewertung. Bei mehreren Kategorien schnitt die Stadt bei den olympischen Verbänden besser ab als beim DOSB. 42 olympische Verbände verfügen jeweils über drei Stimmen und könnten damit den Ausgang maßgeblich beeinflussen.
Rhein-Ruhr setzt auf Größe
Köln-Rhein-Ruhr wirbt vor allem mit einem großen Zuschauer- und Ticketpotenzial. Die Bewerbung kalkuliert mit 17,6 Millionen Tickets und erhielt bei den möglichen Tageszuschauern sowie beim Ticketpotenzial die Höchstwertung.
Auch bei der internationalen Strahlkraft im Sport lag die Region mit 100 Punkten vorn. Bei der sportartspezifischen Bewertung sahen die Verbände dagegen München vor Berlin und Köln-Rhein-Ruhr. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst bezeichnete die Bewerbung als gleichauf mit München und erwartet ein enges Rennen.
Berlin verliert weiter an Boden
Berlin wurde bei der internationalen Strahlkraft außerhalb des Sports besser bewertet als die beiden Konkurrenten. In der Gesamtwertung liegt die Hauptstadt jedoch deutlich zurück. Zudem belastet die politische Entwicklung nach der Abgeordnetenhauswahl die Bewerbung.
Die Linke wurde bei der Wahl stärkste Kraft; ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte sich gegen eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Der Berliner Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand sieht darin eine erhebliche Schwächung. Anders als München und Köln-Rhein-Ruhr hat Berlin bislang keinen Bürgerentscheid zur Bewerbung durchgeführt.
Stabilität spricht für beide Favoriten
Bei der Stabilität liegen München und Köln-Rhein-Ruhr nahezu gleichauf. München erhielt 100 Punkte, die Region knapp 99. Ausschlaggebend waren die Bürgerentscheide, in denen 66,42 Prozent in München und 65,87 Prozent in Köln-Rhein-Ruhr für eine Bewerbung stimmten.
Entscheidung mit Signalwirkung
Die Abstimmung in Baden-Baden ist zunächst ein deutscher Vorentscheid. Der Sieger darf die Bewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 international weiterverfolgen; über die tatsächliche Vergabe entscheidet später das Internationale Olympische Komitee.
Das Verfahren ist dabei stärker auf sportpolitische Expertise als auf eine direkte bundesweite Befragung angelegt. Stimmberechtigt sind vor allem die olympischen Spitzenverbände, ergänzt um Mitglieder des DOSB-Präsidiums und persönliche DOSB-Mitglieder. Die Bewertungsmatrix liefert Orientierung, bindet die Versammlung aber nicht.
Zwei unterschiedliche Konzepte
München punktet mit kurzen Wegen und einer konzentrierten Wettkampfstätte. Köln-Rhein-Ruhr setzt dagegen auf die Größe des Ballungsraums, ein hohes Ticketpotenzial und internationale Reichweite. Der geringe Abstand zeigt, dass die Entscheidung nicht allein von der Gesamtpunktzahl abhängt, sondern auch von den Prioritäten der stimmberechtigten Verbände.
Berlins schwierige Ausgangslage
Berlin verfügt über internationale Bekanntheit und starke Veranstaltungsorte, wird aber durch die fehlende Zustimmung in einem Bürgerentscheid geschwächt. Nach der Abgeordnetenhauswahl ist zudem offen, wie stabil die politische Unterstützung für das Projekt bleibt. Für den Sieger beginnt anschließend ein langwieriger internationaler Prozess: Der IOC-Dialog für Bewerbungen um 2036 soll 2027 starten, eine Vergabe wird erst später erwartet.
