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Ostdeutschland: Wirtschaftsrat fordert Bündelung der Kräfte

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Zum Tag der Deutschen Einheit fordert Wolfgang Steiger eine gemeinsame Raum- und Strukturpolitik für Berlin, Magdeburg, Halle, Leipzig und Dresden. Schnellere Verkehrsverbindungen und engere Kooperationen sollen auch strukturschwächere Landesteile an den Wachstumsperspektiven beteiligen.

CDU-Wirtschaftsrat will Bündelung der Wirtschaftskräfte im Osten
Wirtschaftsrat der CDU (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Wirtschaftsrat der CDU fordert zum Tag der Deutschen Einheit eine stärkere Bündelung der wirtschaftlichen Kräfte in Ostdeutschland. Generalsekretär Wolfgang Steiger will die Region nicht länger nur als Aufholregion sehen, sondern zu einer Wachstumsregion entwickeln.

Gemeinsamer Wirtschaftsraum im Osten

Steiger sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Ostdeutschland habe seit der Wiedervereinigung große Veränderungen bewältigt und wirtschaftlich viel erreicht. Nun brauche es eine Wirtschaftspolitik, die bestehende Schwächen bewusst und nachhaltig ausgleiche und die Voraussetzungen für selbsttragendes Wachstum schaffe.

Als Beispiel für eine stärkere regionale Bündelung nannte Steiger die Start-up-Metropole Berlin sowie die im Umkreis von 200 Kilometern liegenden Hochschul- und Industriestandorte Magdeburg, Halle, Leipzig und Dresden.

Länder sollen enger zusammenarbeiten

Die Standorte sollten nach Steigers Vorstellung durch gemeinsame Raumplanung und Strukturpolitik stärker als ein Wirtschaftsraum gedacht werden. Dafür müssten die Länder ihr Silodenken überwinden und bei Infrastruktur und Wirtschaftsförderung enger kooperieren.

Die Region verfüge über starke Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industriestandorte, schöpfe ihr gemeinsames Potenzial aber noch nicht aus. Besonders strukturschwächere Landesteile könnten von einer engeren Vernetzung profitieren.

Schnellere Verkehrsverbindungen gefordert

Steiger forderte zudem schnelle und verlässliche Verkehrsverbindungen zwischen den wirtschaftlichen Kraftzentren. Als Vorbild verwies er auf den Ballungsraum München, der in den 1970er und 1980er Jahren über die Stadtgrenzen hinaus zum Wachstumstreiber für Bayern geworden sei.

Der Vorstoß zielt auf ein bekanntes Strukturproblem: Wirtschaftliche Dynamik konzentriert sich häufig auf einzelne Städte, während benachbarte Regionen mit schwächerer Infrastruktur, geringerer Unternehmensdichte und demografischen Belastungen weniger profitieren. Eine stärkere Verbindung von Berlin, Magdeburg, Halle, Leipzig und Dresden könnte Forschung, Gründungen und industrielle Wertschöpfung über Ländergrenzen hinweg besser verknüpfen.

Die wirtschaftliche Bedeutung solcher Verbindungen zeigt sich auch im Verkehr. Die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hannover ist seit dem 2. Oktober 2026 für voraussichtlich 14 Monate im Fernverkehr gesperrt; Umleitungen über Braunschweig und Magdeburg verlängern die Fahrzeit um rund 80 Minuten. Das macht deutlich, dass leistungsfähige Verkehrsachsen nicht nur für Pendler, sondern auch für Unternehmen, Fachkräfte und Lieferketten entscheidend sind.

Wirtschaftliche Unterschiede bleiben politisch relevant

Zum 36. Jahrestag der Wiedervereinigung verweisen aktuelle Befragungen zugleich auf fortbestehende Unterschiede bei Löhnen und Arbeitsplätzen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nennen rund 80 Prozent der Befragten wirtschaftliche Unterschiede als Hindernis für das weitere Zusammenwachsen. Die Forderung nach einer gemeinsamen Raum- und Strukturpolitik verbindet damit ökonomische Ziele mit einer gesellschaftlichen Dimension: Wachstum soll nicht nur in wenigen Zentren entstehen, sondern auch strukturschwächere Landesteile erreichen.

Für die Umsetzung wären abgestimmte Verkehrsplanung, gemeinsame Forschungs- und Innovationsförderung sowie verlässlichere Kooperationen der Länder erforderlich. Der Vergleich mit München und dem bayerischen Umland verdeutlicht das Prinzip eines regionalen Wachstumstreibers; ob ein ähnlich integrierter Wirtschaftsraum im Osten entsteht, hängt jedoch von konkreten Investitionen und dauerhaftem politischem Zusammenwirken ab.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

NDR: „Deutsche Einheit: Was Ost und West bis heute trennt - und warum die Distanz wächst“ (02.10.2026)

Der Beitrag beschreibt fortbestehende wirtschaftliche Unterschiede als zentrales Hindernis für das Zusammenwachsen. Er setzt den Schwerpunkt auf die Wahrnehmung der Bevölkerung und ergänzt den wirtschaftspolitischen Vorstoß um die gesellschaftliche Perspektive.

ZDFheute: „Bahn: Strecke zwischen Berlin und Hannover wird saniert“ (02.10.2026)

Der Artikel schildert die 14-monatige Sperrung der wichtigen Ost-West-Bahnverbindung und die Umleitung über Magdeburg. Damit bestätigt er die Bedeutung leistungsfähiger Verkehrsachsen, konzentriert sich jedoch auf die konkreten Folgen für den Bahnverkehr statt auf eine umfassende Wirtschaftsstrategie.

Gemeinsam ist beiden Beiträgen der Blick auf Verbindung und Zusammenhalt: Der eine beschreibt wirtschaftliche und gesellschaftliche Unterschiede, der andere die praktische Bedeutung von Infrastruktur. Offen bleibt, wie Ländergrenzen überschreitende Kooperationen und Investitionen dauerhaft organisiert werden sollen.

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