Andreas Scheuer, Pkw-Maut

Pkw-Maut-Prozess: Ex-Verkehrsminister Scheuer weist Vorwurf der Falschaussage zurück

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 12:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vor dem Landgericht Berlin hat der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den Vorwurf zurückgewiesen, im Bundestags-Untersuchungsausschuss zur gescheiterten Pkw-Maut falsch ausgesagt zu haben. Im Mittelpunkt steht ein angebliches Angebot, den Betreibervertrag zu verschieben, bis der Europäische Gerichtshof entschieden hat.

«Es nimmt mich emotional sehr mit, hier heute zu sitzen», sagte der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor Gericht.  - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
«Es nimmt mich emotional sehr mit, hier heute zu sitzen», sagte der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor Gericht. - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat zum Auftakt eines Strafprozesses vor dem Landgericht Berlin den Vorwurf einer Falschaussage im Zusammenhang mit der gescheiterten Pkw-Maut zurückgewiesen.

Beginn des Verfahrens vor dem Landgericht Berlin

Zum Prozessbeginn erklärte Scheuer vor Gericht, er habe vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags wahrheitsgemäß geantwortet. Er schilderte, es nehme ihn emotional stark mit, als Angeklagter in dem Verfahren zu sitzen. Gegenstand der Verhandlung ist sein Auftritt im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur geplatzten Pkw-Maut.

Vorwurf der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft legt Scheuer zur Last, vor dem Ausschuss gelogen zu haben. Nach der Anklage sollen Vertreter der vorgesehenen Betreiberfirma der Pkw-Maut im November 2018 angeboten haben, den geplanten Betreibervertrag erst nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs über die Klage Österreichs zu unterzeichnen. Dieses sogenannte Verschiebungsangebot ist Kern des strafrechtlichen Vorwurfs.

Streit um das Erinnerungsvermögen

Im Untersuchungsausschuss hatten Scheuer und ein weiterer Beteiligter angegeben, sie könnten sich an ein Verschiebungsangebot im Rahmen eines Treffens am 29. November 2018 nicht erinnern. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass diese Aussage bewusst wahrheitswidrig erfolgte und der tatsächlichen Erinnerung widersprach. Vor Gericht sagte Scheuer nun, an ein solches Angebot habe er keine Erinnerung gehabt und habe sie auch heute nicht.

Politische Verantwortung und strafrechtlicher Vorwurf

Scheuer betonte im Saal, er glaube nicht, in seinem politischen Leben alles richtig gemacht zu haben. Zugleich hob er hervor, politische Verantwortung unterscheide sich aus seiner Sicht klar vom Vorwurf einer Straftat. Er stellt damit sein Handeln als Minister der rechtlichen Bewertung im laufenden Verfahren gegenüber.

Hintergrund: Gescheiterte Pkw-Maut

Die geplante Pkw-Maut war im Juni 2019 vom Europäischen Gerichtshof als rechtswidrig gestoppt worden. Der zentrale rechtliche Knackpunkt lag darin, dass inländische Fahrzeughalter über die Kfz-Steuer vollständig entlastet werden sollten, während ausländische Nutzer die Maut ohne entsprechende Kompensation hätten zahlen müssen. Zu diesem Zeitpunkt war Scheuer Bundesverkehrsminister und politisch verantwortlich für das Projekt.

Politische Verantwortung und strafrechtliche Dimension

Der Prozess gegen den früheren Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer berührt eine zentrale Frage moderner Regierungsarbeit: Wo endet politische Verantwortung, und wo beginnt strafrechtliche Haftung. Ausgangspunkt ist das milliardenschwere Debakel um die geplante Pkw-Maut, deren Umsetzung nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs scheiterte. Der Bundestag setzte daraufhin einen Untersuchungsausschuss ein, um Entscheidungswege, Vertragsabschlüsse und den Umgang mit Risiken aufzuarbeiten. Nun steht mit dem Vorwurf der Falschaussage die Integrität von Aussagen eines Ministers gegenüber dem Parlament im Mittelpunkt.

Untersuchungsausschüsse als Kontrollinstrument

Untersuchungsausschüsse sind eines der schärfsten Kontrollinstrumente des Bundestags. Sie sollen Missstände aufklären und politische Verantwortung sichtbar machen. Wenn vor einem solchen Gremium falsche Angaben im Raum stehen, betrifft dies nicht nur den einzelnen Akteur, sondern die Funktionsfähigkeit des parlamentarischen Kontrollsystems insgesamt. Der Vorwurf, ein Minister habe trotz konkreter Erinnerung ein Angebot zur Verschiebung eines milliardenschweren Vertrags bewusst nicht eingeräumt, zielt daher auf das Vertrauen in die Wahrhaftigkeit politischer Zeugenauftritte. Ein Schuldspruch hätte Signalwirkung für künftige Regierungsmitglieder, die sich Ausschüssen stellen müssen.

Folgen für Parteien, Projekte und Öffentlichkeit

Für die Leserschaft ist der Fall bedeutsam, weil es um den Umgang mit großen Infrastrukturprojekten und öffentlichen Geldern geht. Die Pkw-Maut war ein zentrales Vorhaben, das erhebliche Kosten verursacht hat, ohne je in Kraft zu treten. Der Prozess könnte klären, ob Verantwortliche bei Zweifeln an der Rechtmäßigkeit und den Risiken ausreichend sorgfältig gehandelt und transparent gegenüber dem Parlament kommuniziert haben. Je nach Ausgang des Verfahrens könnten die Debatten über persönliche Konsequenzen, über strengere Regeln für Vertragsabschlüsse sowie über die Rolle von Untersuchungsausschüssen neue Dynamik gewinnen. Zugleich bleibt für Bürgerinnen und Bürger die Frage, wie verlässlich politische Zusagen sind, wenn es um große verkehrs- und finanzpolitische Projekte geht.

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